An Unfallstelle: Feuerwehr-Mitarbeiter von Autofahrern beschimpft und beleidigt. Bei einem schweren Unfall auf der B470 in Ebermannstadt (Landkreis Forchheim) sind Einsatzkräfte von Autofahrern "aufs Übelste" beschimpft worden. Die Feuerwehr Ebermannstadt berichtet von Beleidigungen sowie riskanten Fahrmanövern an der Unfallstelle. "Da gab es das komplette Programm", sagt Einsatzleiter Kevin Lang inFranken.de. "Von ,Idiot' bis ,Arschloch' war alles dabei. Das sind so die Klassiker. Andere hocken wild gestikulierend in ihrem Wagen und zeigen uns den Vogel."

Lang zufolge sind derartige Entgleisungen von offenbar genervten Verkehrsteilnehmern längst keine Einzelfälle mehr. "Das kommt gefühlt immer mehr vor", erklärt er. Der stellvertretende Kommandant der Feuerwehr Ebermannstadt kündigt deshalb Konsequenzen an. "Jetzt haben wir die Schnauze voll. Wir haben gesagt: In Zukunft werden die Fahrzeuge notiert und Anzeige bei der Polizei gestellt. Anders scheinen es die Leute nicht zu verstehen."

Unfall in Ebermannstadt: Genervte Autofahrer halten Feuerwehr auf Trab

Bei dem Verkehrsunfall am Dienstagmittag (9. März 2021) zog sich eine 45-Jährige schwere Verletzungen zu. Ein Taxi war in die Seite ihres Autos gekracht. Beim Aufprall wurde die Fahrerin durch ihren Wagen geschleudert. Die Bergung erwies sich als schwierig. Die Feuerwehr musste zudem für eine knappe Stunde die Bundesstraße voll sperren. Schon kurz nach dem Unfall drängten sich laut Feuerwehr-Einsatzleiter Lang Autos durch die Unfallstelle hindurch. "Die sind da einfach durchgefahren - zwischen unseren Leuten vorbei. Die Dame war da noch eingeklemmt."

Mehrere Autofahrer zeigten sich in Hinblick auf die Straßensperrung sichtlich erbost. "Die haben gesagt: ,Ihr sperrt da jetzt ab, warum auch immer. Wir wollen aber dahin und dahin. Und das sehen wir überhaupt nicht ein."' Fahrzeuge hätten sich dicht an der Absperrung vorbeigedrängelt. "Manche sind über den Gehsteig gefahren." An der Pretzfelder Kreuzung seien Autos mit erhöhter Geschwindigkeit an den Absperrposten vorbeigefahren. "Es geht nicht, dass Fahrer unsere Einsatzkräfte gefährden."

Lang weist darauf hin, dass seine Kollegen und er nicht mit allen Verkehrsteilnehmern bei einem Einsatz eine Diskussion führen können. "Das ist eine Bundesstraße. Da kommen verdammt viele Autos." Auffällig sei vor allem eins gewesen: "Die Lkw an der Unfallstelle waren nicht das Problem. Die haben alle gewartet, bis es vorbei war", berichtet Lang. "Das Problem waren die ganzen Mütter, die ihre Kinder von der Schule und vom Kindergarten abholen wollten." 

Einsatzleiter betont: "Wir machen das alle ehrenamtlich"

Im Zuge der Absperrung seien die "tollsten Gerüchte" kursiert. "Da hieß es: ,Die Feuerwehr macht das ja quasi aus Jux und Dollerei.' Und die meisten wissen eigentlich gar nicht, warum es die Absperrungen gab. Nach Einschätzung des stellvertretenden Kommandanten schimpfen viele erst und fragen erst danach, was eigentlich passiert ist. "Das kommt eigentlich immer als Letztes", betont Lang. "Wenn sie sich alle aufgeregt haben und uns ihren Frust mitgeteilt haben, mit teilweise unschönen Worten, dann kommt die Frage: ,Was ist eigentlich genau passiert?'" 

Infolge des Unfalls waren am Dienstag rund 20 Kräfte der Feuerwehr Ebermannstadt und zehn Mitarbeiter der Freiwilligen Feuerwehr Streitberg zugange. "Wir machen das alle ehrenamtlich", erklärt Lang. Viele Kollegen unterbrechen demnach von jetzt auf gleich ihren eigentlichen Job, sobald es zu einem Feuerwehreinsatz kommt. 

Unnötig erschwert werden die Einsätze laut Lang regelmäßig von Schaulustigen. "Sobald die Sirene losgeht, tauchen plötzlich irgendwelche Leute bei uns auf und parken mitten vor unseren Ausfahrten, laufen zwischen den Autos herum und fragen: ,Was ist denn los?'" Beim jüngsten Einsatz habe man einen Mann "quasi vom Hof jagen" müssen, um überhaupt mit den Feuerwehrautos herausfahren zu können. Der Mann sei zunächst in der Feuerwehrhalle herumgelaufen und habe gefragt, was los sei. "Später ist er dann auch noch an der Einsatzstelle aufgetaucht und zwischen den Unfallautos herumgelaufen. Das war natürlich die Krönung von allem."

"Dann kommen natürlich viele Schaulustige": Kritik an sozialen Medien

Der Einsatzleiter kritisiert in dem Zusammenhang, dass viele Menschen durch entsprechende Hinweise in den sozialen Medien bisweilen noch vor der Feuerwehr vor Ort seien. "Dann kommen natürlich viele Schaulustige, die sich das einfach mal anschauen wollen."

Im oberfränkischen Hof wollte unlängst eine Fußgängerin mit ihrem Kind eine Straße überqueren. Das missfiel einem Autofahrer so sehr, dass er ausrastete und beleidigend wurde.