Noch ehe die Erneuerung des Rathauses so richtig begonnen hat, sind die Baukosten bereits um rund 2,5 Millionen Euro gestiegen. Mindestens 22,7 Millionen Euro - so die aktuelle Berechnung - werden die Stadt und ihre Zuschussgeber in die Sanierung des kostbarsten Forchheimer Gebäudes stecken müssen. Um die Teuerungen kontrollieren oder zumindest verstehen zu können, trafen sich die Stadträte am Montag zu einer "Sondersitzung Rathaus".

Die schon im Vorfeld angekündigte massive Kritik an OB Uwe Kirschsteins Rathausmanagement gipfelte in dem Vorwurf, er habe abermals jede Menge Zeit vergeudet. Hans-Werner Eisen (CSU) schrieb es dem "grottenschlechten Informationsfluss" zu, dass die Stadtpolitik nun "von vielen Details überrascht" werde.

Das wohl Überraschendste: Noch immer ist offen, wie die Rathaushallen genutzt werden sollen. Während sich Architekt Stephan Fabi (Regensburg) bereits ein Bestuhlungskonzept für die Veranstaltungen überlegt hatte, wurde er am Montag von einem ganz anderen Wunsch überrumpelt: Die Ratsmehrheit drängte darauf, in den Rathaushallen die karolingischen Mauerreste unter einer 30 Quadratmeter großen Glasplatte zu präsentieren. Architekt Fabi erinnerte daran, dass sich der Rat bereits im April gegen diese Idee entschieden habe. "Es ist immer schwierig, wenn ein Bauherr eine Entscheidung rückgängig macht."

Thomas Werner (CSU) war "enttäuscht von der Sondersitzung", weil noch immer kein Konzept aufzeige, "was hier stattfinden soll". Markus Schmidt (CSU) sah den Stadtrat "zwischen allen Stühlen sitzen". Bürgermeisterin Annette Prechtel (FGL) sprach von "unausgereiften, konkurrierenden Nutzungsvorstellungen" und OB Uwe Kirschstein sprach von einem "Dilemma". Ludwig Preusch (FW) fragte die Bürgermeisterin, ob sie "die Flinte schon ins Korn geworfen" habe, was eine archäologische Präsentation in den Rathaushallen betreffe. "Ganz im Gegenteil", entgegnete Prechtel und wies auf den Zwiespalt hin, "nichts verbauen" zu wollen, aber auch nicht allen gerecht werden zu können.

Manfred Hümmer (FW) und Sebastian Körber (FDP) platzte der Kragen: "Ich dachte, wir sind in der Werkplanung", wetterte der FDP-Rat über die Verzögerungen - seit Jahren gebe es zwar Gespräche mit, aber keine Räume für die Kulturschaffenden. Die Hausaufgaben seien nicht gemacht, stellte auch Manfred Hümmer fest: "Worüber wollen wir heute dann entscheiden?"

Ein Vorstoß der CSU half weiter. Fraktionsvorsitzender Josua Flierl erläuterte, weshalb die Stadt jetzt auf die "Hilfe eines externen Bauherrnvertreters" setzen sollte. "Die Causa Rathaussanierung ist geprägt von erheblichen Zeitverzögerungen und Kostensteigerungen", heißt es in dem CSU-Antrag. Dem FT sagte Josua Flierl am Dienstag, dass bei einem Millionen-Projekt wie der Rathaussanierung eine Bauherrenvertretung üblich sei. Das Forchheimer Bauamt sei personell zu schwach aufgestellt, um das Kostenmanagement im Blick zu behalten. "Auf keinen Fall darf die Kostenentwicklung bei den Architekten liegen", meinte Josua Flierl.

Trotz der harschen Kritik war OB Uwe Kirschstein am Tag nach der fünfstündigen Sondersitzung zufrieden. Aus vier Gründen, wie er dem FT sagte: Weil eine externe Kosten-Kontrolle beschlossen sei; weil sich ab sofort ein Rathaussanierungsausschuss um das Projekt kümmern werde; weil Bürgermeisterin Annette Prechtel die Gespräche mit den Kulturschaffenden führen werde; und weil der Architekt beauftragt worden sei, sich doch noch zu überlegen, wie eine Präsentation der karolingischen Mauerreste gelingen könne. Diese Umplanung komme einem "Planungsstopp" gleich, betonte Kirschstein: "Wir haben gestern einen Zeitverzug beschlossen." Sollte die "Sichtbarmachung der Mauerreste" doch noch realisiert werden, würde dies die Fertigstellung des Rathauses um ein Jahr - also bis Ende 2024 - verschieben.