Auf Fragen nach dem Schwedenhaus reagieren viele Poxdorfer abwehrend. Manche auch in abschätzigem Ton und mit einer scharfen Gegenfrage: "Des alte G'raffl - was soll uns das? Das fällt doch bald in sich zusammen! Das sollte man abreißen!"
Es herrschen wenig Fakten, aber umso mehr Gerüchte, Vermutungen, Unterstellungen. Die Nachbarn wollen wissen, dass der derzeitige Bewohner, ein Zahnarzt aus Erlangen, das Grundstück benutze, um dort Schrott und Müll zu sammeln. Dass er Bäume und Sträucher so wild wuchern lasse, dass dadurch die Dachrinnen ihrer Scheunen verstopft würden und sehr häufig gesäubert werden müssten.
Ein persönlicher Eindruck ist nicht möglich, nachdem der Mieter genauso wie der Eigentümer Franz Schneider den Zutritt verweigert und ein Gespräch ablehnt.

"Dieses Thema bewegt seit Jahrzehnten die Gemeinde", bestätigt Poxdorfs Bürgermeisterin Gunhild Wiegner (FW). Es habe in der Vergangenheit zwar immer wieder ernsthafte Interessenten an dem Schwedenhaus gegeben, aber zu einem Vertragsabschluss sei es nie gekommen.
Gunhild Wiegner weiß, dass der Gemeinderat in dieser Frage so gespalten ist, wie die Bürger selbst: Die einen Räte möchten es bewahren, die anderen halten das denkmalgeschützte Gebäude-Ensemble aus Wohnstallhaus, Scheune und Stall im alten Ortskern von Poxdorf dagegen für nicht erhaltenswert.

Es geht nicht ohne Investor


Auch Gunhild Wiegner selbst hat klar Position bezogen: "Ich denke, Poxdorf ist arm an historischen Gebäuden. Wir hatten traumhafte Gebäude im Ortskern, die wurden jedoch im Lauf der Jahre verdeckt. Jetzt haben wir noch mal die Chance, uns an einem alten Haus zu erfreuen."
"Dieses Anwesen ist ein Traum", schwärmt Gunhild Wiegner und nennt den Erhalt des Schwedenhauses "eine Herzensangelegenheit".
Bei ihren Bemühungen, das Schwedenhaus zu erhalten und im besten Falle für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, kann Gunhild Wiegner auf die Unterstützung von Reinhold Göller zählen. Göller ist beim Kreisbauamt für den Denkmalschutz zuständig. Er hält das Schwedenhaus schlichtweg für "ein kulturgeschichtliches Kleinod". Denn immerhin sei es das älteste erhaltene Bauernhaus im Landkreis Forchheim.
Göller hält es für vorstellbar, dass das Gebäude künftig "als Wohnhaus, Gasthaus mit Biergarten, Museum oder dörfliche Begegnungsstätte genutzt werden könnte".
Voraussetzung dafür sei aber, dass ein Investor einiges Geld in das Schwedenhaus stecke. Gegenwärtig geht es der Denkmalschutzbehörde in erster Linie darum, den jahrzehntelangen Verfall des Schwedenhauses zu stoppen. Inzwischen hat sich der Besitzer bereit erklärt, das Gebäude zu verkaufen. Aber nur unter der Prämisse, dass es anschließend saniert wird.
Göller nimmt indes auch die Bürgermeisterin, die Gemeinderäte, und selbst die Bürger Poxdorfs in die Pflicht: "Warum kann man nicht einen Förderverein gründen, um das Haus zu retten?" fragt Göller und empfiehlt allen gemeinsam den Verein der Nürnberger Bauernhausfreunde als Vorbild.
Diese haben es sich zum Ziel gesetzt, die drei verbliebenen Nürnberger Schwedenhäuser zu retten. Wahrscheinlich wird Göllers Appell nicht fruchten, solange viele Poxdorfer über das Schwedenhaus zwar viel reden, aber nichts Genaues wissen.
Solange der Eigentümer es ablehnt, sich zu dem Thema zu äußern. Solange der Mieter sich abweisend verhält. Und solange die Sicht auf das Schwedenhaus von drei Seiten durch Bäume versperrt und der Zugang durch Müll derart verengt ist, dass man sich auch gar nicht näher herantrauen mag.