Seit Anfang September werden im Landkreis Forchheim die Gelben Tonnen verteilt. Zum Jahreswechsel ersetzen sie dann die Gelben Säcke.

"Ich freue mich über die Einführung der Gelben Tonnen", sagt Birgitt Harmon. Sie lebt in Forchheim und hat über die Jahre festgestellt, dass die Säcke immer "dünner und dadurch empfindlicher" geworden sind.

Den Gelben Sack gibt es im Landkreis Forchheim seit 2010. Davor gab es das sogenannte Bring-System. Für die Umstellung auf die Gelbe Tonne entschied sich der Kreistag des Landkreises bereits 2019.

Ein Hauptargument war, dass die Gelben Säcke durch ihr geringes Gewicht leicht von ihrem Platz weggeweht wurden und somit ein unschönes Stadtbild ergaben. Außerdem können Tiere leichter an die (oft noch mit Essensresten befüllten) Verpackungen innerhalb der gelben Säcke gelangen.

Außerdem erhoffte sich das Kreisgremium, dass es zu einem bewussteren Umgang mit Plastik kommt, wenn man es einen begrenzten Platz für den Verpackungsmüll gibt.

Birgitt Harmon fürchtet, dass die Tonne das Müllvolumen ihrer Familie nicht fassen wird. Eine Gelbe Tonne fasst etwa zweineinhalb gelbe Säcke, heißt es in den Kommentarspalten bei Facebook. Das halten viele der Kommentatoren für zu wenig Platz.

Inhalt von drei Säcken passt in die Tonne

So ganz stimmt diese Aussage aber nicht. Michael Handl, Sprecher der Friedrich Hofmann Betriebsgesellschaft mbH, die für die Gelben Tonnen im Landkreis Forchheim zuständig ist, erklärt es genauer. "In eine 240 Liter Gelbe Tonne passt der Inhalt von cirka drei Gelben Säcken", sagt er. Allerdings sei dies mit losem Material gerechnet. Also nicht drei befüllte Säcke, sondern wenn der Müll direkt in die Tonne kommt, ohne vorher in einem Sack gesammelt worden zu sein. Das sei auch der Vorteil: Man kann den Müll reindrücken, da die Tonnen im Gegensatz zu den Säcken nicht reißen. Übrigens: "In einen 1100 Liter Behälter passt etwa der Inhalt von 15 bis 16 Gelben Säcken", sagt Handl. Diese Behälter stehen in der Regel bei Mehrfamilienhäusern.

Dass viele Haushalte die Begrenzung durch eine Tonne nicht begrüßen, versteht Handl. "Wenn ein Bürger noch eine Tonne haben möchte, dann kann er noch eine Tonne haben", sagt er. Diese kann leicht über die Homepage des Entsorgers oder eine Hotline angefordert werden. Momentan werde erst einmal geschaut, wie es laufe. Erste Nachforderungen seien aber schon eingegangen und werden aktuell bearbeitet. "Das Verhalten ist bisher vorbildlich.Wir wollen bis zum Jahresende alle Wünsche erfüllen."

Eine zusätzliche Tonne verursacht dabei auch keine zusätzlichen Kosten für den Verbraucher. Das liegt am dualen System, wie Handl erklärt. "Die Kosten für die Entsorgung zahlt der Kunde quasi schon beim Kauf der Verpackungen." Das Entsorgungsunternehmen wird dabei von den dualen Systemen bezahlt. Die dualen Systeme organisieren bundesweit die Sammlung, Sortierung und Verwertung gebrauchter Verkaufsverpackungen für Industrie und Handel und sind verantwortlich, dass die vom Gesetzgeber nach Verpackungsgesetz vorgeschriebenen Recyclingquoten erreicht werden. Zu ihnen gehören zum Beispiel Veolia, der Grüne Punkt oder Interseroh.

Höherer Aufwand für den Entsorger

Durch die Gelbe Tonne wird der Aufwand zur Sammlung des Verpackungsmülls im Übrigen höher. "Es dauert länger, wenn die Tonnen angefahren werden müssen, als wenn die Mitarbeiter die Säcke schnappen und auf die Fahrzeuge werfen", erklärt Handl. Pro Wagen sind weiterhin die selbe Anzahl an Mitarbeitern im Einsatz. Wie genau der Tourenplan im kommenden Jahr im Landkreis Forchheim aussehen wird, kann momentan noch nicht gesagt werden. "Wir gegen aber aktuell davon aus, dass wir mehr Personal brauchen werden", erklärt er.

Die Grundlage für die Verteilung der Gelben Tonnen habe die Restmülltonne gebildet. "Wir haben uns angeschaut, wo Restmülltonnen stehen und dementsprechend den Bedarf an Gelben Tonnen berechnet. Man braucht einen Startpunkt", so Handl.

"Wir sind eine Familie mit Haustieren und stellen jeden Monat zwischen drei und fünf Säcke raus", sagt Harmon. Sie erhofft sich eine Leerung alle zwei Wochen. Doch dieser Hoffnung muss bereits eine Absage erteilt werden. Der Kreistag hatte sich mit dem Leerungszyklus bereits beschäftigt. Finanziell und auch ökologisch betrachtet, mache eine zweiwöchentliche Leerung keinen Sinn.

Im Ausschuss für Umwelt, Klima und Natur des Landkreises, der am heutigen Mittwoch, 23. September tagt, steht das Verpackungsgesetz auf der Tagesordnung. Vorteile der Tonne laut Michael Handl: 1.Arbeitssicherheit: Für die Mitarbeiter des Entsorgungsunternehmens sind spitze Gegenstände, die aus Gelben Säcken heraus standen, häufige Gefahrenquellen. Zudem sind die Müllwerker nicht mehr so stark den schlechten Witterungen ausgesetzt. 2. Saubereres Stadtbild: Besonders bei windigem Wetter flogen die Gelben Säcke durch die Straßen, der Müll verteilte sich. Selbst wenn die Säcke an ihrem Platz liegen blieben, sahen die Müllberge unschön aus.

3.Sicherer gegen Nagetiere: Die Tonne kann nicht so leicht durchgeknabbert werden wie die Säcke. Der Müll bleibt also auch an Ort und Stelle. 4.Ergonomie: Die Müllwerker müssen sich nicht mehr so oft bücken, das ist auch gut für deren Gesundheit.

5.Müllvermeidung Es müssen keine Gelben Säcke mehr produziert werden.