"Das Meerrettichmuseum wird es in der bisherigen Form nicht mehr geben", sagt Baiersdorfs Bürgermeisterin Eva Ehrhardt-Odörfer (SPD). Binnen zwei Tagen haben Mitarbeiter der Stadt und der Firma Schamel die Exponate des "schärfsten Museums der Welt" ausgelagert.

Dieses stieß auf reges Interesse, besonders seit regionale Nahrungsmittel und ihre Produktion wieder in aller Munde sind. Der Fränkische Tag lud deshalb vor einigen Jahren Leser zu einer Erkundungstour ein, die zahlreich auch von Besuchern von weit her angenommen wurde.

Einen kleinen Teil der Ausstellungsstücke hat der Meerrettichhersteller nun in seine neue Zentrale im Industriegebiet gebracht. Einige Stücke aus dem Sammelbestand des Heimatvereins hat dieser in das Haus Kupfmüller am Rathausplatz zurückgeholt. Der Großteil lagert nun auf dem Gelände der früheren Firma Obst-Wagner, das dem Museumsstandort in der Judengasse gegenüberliegt.

Konzeption ist überholt

Das Anwesen ist vor einiger Zeit von der Kommune erworben worden und soll einer neuen Nutzung zur Belebung der Innenstadt zugeführt werden. Dazu hörte der Stadtrat bereits Fachplaner, fasste aber noch keine Beschlüsse, in welche Richtung es gehen soll.

Die landläufig Krenmuseum genannte Einrichtung war in einem Gebäude der Firma Schamel untergebracht. Nach dem Umzug der Firmenverwaltung hat dieses keine weitere Nutzung. Deshalb, sagt Ehrhardt-Odörfer, hat Firmenchef Matthias Schamel die Stadt angeschrieben.

Nicht nur das Gebäude bedürfe der Renovierung, auch die Sammlung sei in ihrer Konzeption überholt. Ohne größere Investitionen hätten diese Herausforderungen nicht gestemmt werden können. Dies gelte insbesondere für einen barrierefreien Zugang, denn die Museumsräume seien über zwei Stockwerke verteilt gewesen.

"In welche Richtung gehen wir?"

Über 25 Jahre führten Mitglieder des Heimatvereins ehrenamtlich durch das Museum. "Klipp und klar", sagt Monika Hofmayer, die Vorsitzende des Heimatvereins: "Wir stehen zur Verfügung, falls wieder Museumspersonal benötigt wird."

Aber der Verein kann sich in anderer Form nicht einbringen, denn sein Arbeitsschwerpunkt liegt auf dem Haus Kupfmüller. Der Verein hat das Gebäude liebevoll restauriert und mit altem Mobiliar und überliefertem Hausrat ausgestattet. Besonders bei den Festen in der Stadt ist es ein beliebter Anziehungspunkt, vor allem wegen der selbst zubereiteten Spezialitäten der Baiersdorfer Küche.

"In welche Richtung gehen wir?", ist die Frage, die die Bürgermeisterin sich und allen interessierten Bürgern stellt. Sehr aktiv ist nach Ehrhardt-Odörfer schon die evangelische Pfarrerin Christine Jahn.

Fallen gelassen wurde zwischenzeitlich die Idee, die große Ausstellungsvitrine des ehemaligen Möbelhauses Hormess zu nutzen. Hier war zeitweilig der Baiersdorfer Umsonstladen untergebracht.

Wichtige Exponate wären zwar so jederzeit öffentlich zugänglich gewesen; der Raum ist aber nicht heizbar, was ihn für etliche Ausstellungsobjekte ungeeignet macht.

Ohne räumliche Möglichkeiten anzusprechen, kann sich Ehrhardt-Odörfer eine besondere Art eines Stadtmuseums vorstellen, und zwar eine Kombination aus einem Archiv zur Stadtgeschichte und den Museumsstücken. Baiersdorf hat mit den Ehrenspangenträgern der Stadt Horst Gemeinhardt, Gerhard Kamusella und Martin Barth drei Lokalhistoriker, die umfangreiches Material zur Stadtgeschichte zusammengetragen haben.

Richtung Zukunft gesehen, braucht es für diese bislang privaten Sammlungen eine geeignete Lagerstätte, die, sagt Ehrhardt-Odörfer, für Studien- und Forschungszwecke zugänglich sein müsste. Denn beispielsweise die Dokumente, die Gemeinhardt zur jüngeren jüdischen Stadtgeschichte zusammengetragen hat, sind von weit über Baiersdorf hinausreichendem Interesse.

Hinzu kommt noch, dass das eigentliche Archiv der Stadt über Jahre unter schlechten Bedingungen aufbewahrt wurde, so dass es zu Schimmelbefall kam. Seit längerem schon arbeitet die Stadt daran, die Schäden beseitigen zu lassen.