Die Baggerschaufel schwebte wie ein Damoklesschwert über dem Gelände der SpVgg Jahn Forchheim. Archäologen des Landesamtes für Denkmalpflege waren vier Tage lang auf der Suche nach Siedlungsresten. Wie berichtet, war Grabungsleiterin Julia Groll auch gleich am ersten Tag auf dem C-Platz des Vereins fündig geworden. Ein Tontopf und Keramiksplitter gaben Hinweise auf vorgeschichtliche Spuren. Es hätte den Jahn hart treffen können, wenn die Bodendenkmal-Schützer sich entschlossen hätten, alle drei Fußballplätze aufzugraben.

Doch dazu kommt es nicht. Obwohl die Archäologen ihre sogenannten "Rettungsgrabungen" fortsetzen werden, können die Jahn-Verantwortlichen (und mit ihnen 1200 Mitglieder) aufatmen: "Die Fußballplätze sind clean, die Archäologen verzichten, auf dem A- und dem B-Platz zu baggern", freut sich Jahn-Vorstandsmitglied Uwe Schüttinger. "Jetzt ist das Problem mit dem Damoklesschwert der Bodendenkmäler mehr oder weniger gelöst. Jetzt sollte es vorangehen." Was "mehr oder weniger" bedeutet, das verdeutlicht Ivonne Weiler-Rahnfeld. Die promovierte Archäologin arbeitet als Referentin beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. An der Stelle, wo die Jahn-Tennisplätze geplant sind, seien "Gruben alter Siedlungen" entdeckt worden.

Befunde aus der Eisenzeit?

"Diese Entnahmegruben wurden in vorgeschichtlicher Zeit für den Bau der Häuser genutzt. Das bestätigt unsere Informationen, die wir bei anderen Grabungen in Forchheim Nord gewonnen haben." Ob die Befunde aus der Hallstattzeit oder aus der Eisenzeit stammten, das müsse "im Detail noch untersucht werden", sagt Ivonne Weiler-Rahnfeld. "Wir haben zwölf Befunde. Daher sind Rettungsgrabung nötig, damit wird die archäologischen Strukturen einordnen können."

Das Puzzlespiel geht weiter

Mit anderen Worten: Die jüngsten Untersuchungen haben den Nachweis einer vorgeschichtlichen Siedlung im Stadtnorden bestätigt. "Befunde aus der Steinzeit" seien von früheren Grabungen bereits belegt, erinnert die Referentin vom Landesamt für Denkmalpflege. Jetzt gehe es darum, das neue Puzzlestück, also die Befunde (Mauerstrukturen) und die Funde (Keramiksplitter) "ins Große und Ganze zu setzen", erläuterte Ivonne Weiler-Rahnfeld.

Die SpVgg Jahn Forchheim kann mit diesem Ergebnis mehr als zufrieden sein. Denn als Bauherr ist der Jahn verpflichtet, sich an den Kosten der archäologischen Grabungen zu beteiligen. Das hätte den Verein schlimmstenfalls 800 000 Euro kosten können, hatte Uwe Schüttinger vergangene Woche vorgerechnet. Dass der Verein nun mit wenigen tausend Euro für die Baggerstunden davonkommt, erleichtert Uwe Schüttinger enorm. Dem Ausbau der neuen Sportanlage in der Kaiser-Heinrich-Straße stehe nichts mehr im Wege.

Theoretisch könnten zwar bedeutsame archäologische Objekte unter dem A- und B-Platz der SpVgg Jahn Forchheim verborgen sein. Weil der Jahn dort aber "nicht in die Tiefe buddelt", wie Uwe Schüttinger betont, seien die möglichen Funde nicht in Gefahr.

Schützen, statt ausgraben

Wie Grabungsleiterin Julia Groll dem FT zu Beginn der Probegrabungen erklärt hatte, gehe es dem Landesamt für Denkmalpflege nicht darum, archäologische Funde auszugraben, sondern sie zu schützen. "Es soll verhindert werden, dass Funde durch Bauarbeiten zerstört werden." Weil aber die Dränagen auf dem A- und B-Platz bereits gelegt sind; und weil demnach nur noch neue Humusschichten aufgetragen werden, liegen potenzielle archäologische Wertobjekte gut geschützt unter den Spielfeldern.