Punkt 19.30 Uhr, die Scheinwerfer weisen den interessierten Augenpaaren den Weg auf die Bühne. Ein letztes Räuspern, noch schnell ein Schluck Wasser, Gedanken sammeln. Anspannung durchströmt die zum Veranstaltungssaal umgebaute Schalterhalle der Forchheimer Sparkasse am Montagabend. Denn: Mehr als 250 Gäste erhoffen sich von der gemeinsam von Fränkischer Tag, IHK Oberfranken und Radio Bamberg veranstalteten Podiumsdiskussion Antworten. Im besten Fall gar eine Wahlempfehlung. Im Fokus: die Forchheimer Kandidaten fürs Oberbürgermeisteramt Uwe Kirschstein (SPD), Annette Prechtel (Grüne) und Udo Schönfelder (CSU).

Nicht einmal mehr vier Wochen sind es noch bis zur Kommunalwahl, die mehr oder minder gleichauf gehandelten Bewerber biegen allmählich auf die Zielgerade ihres Wahlkampfes. Sie sind routiniert, dies wird während der fast zweistündigen Diskussionsrunde immer deutlicher. Ein wirklicher Sieger lässt sich aus dem Podiumsgespräch nicht küren. Zu gut sind alle vorbereitet, zu geschickt beherrschen sie das Spiel von versteckten Sticheleien, offenen Seitenhieben und gekonnten Paraden. Stets bemüht, rhetorisch die Fassung zu wahren.

Hin und wieder gelingt es den Kandidaten aber doch, sich von ihren Konkurrenten thematisch abzugrenzen. Etwa bei der Frage, ob die Hornschuchallee für den Verkehr durchlässig bleiben sollte. Schönfelder wolle auf den "Bypass" nicht verzichten, laut Prechtel müsse eine Verkehrsberuhigung schnellstmöglich realisiert werden. Kirschstein hingegen plädiert für den Mittelweg; Erreichbarkeit ja, durchfahren nein. Auf keinen gemeinsamen Nenner kommen Amtsinhaber Kirschstein und seine Herausforderer auch in puncto Dringlichkeit der Generalsanierung des Kolpinghauses zum Kulturzentrum oder den Nutzwert einer eigenen Mehrzweckhalle im Stadtgebiet.

Anflüge von Emotionalität

Die stets sachlich, bisweilen nüchtern wirkende Diskussion entgleist nur selten ins Emotionale. Aber immerhin. Zum Beispiel bei der Frage eines zeitlich durchgängigen Tempolimits auf der A73. Schönfelder proklamiert den Status quo (zwischen Forchheim Nord und Süd nachts 120 Stundenkilometer) für sich, Prechtel geht das nicht annähernd weit genug und würde es lieber weiter senken. Kirschstein plädiert ebenfalls auf ein ganztägiges Tempolimit, verweist aber auf den eigentlich Zuständen - den Bund.

Dann, wenn die Diskussion an solche Punkte gelangt, wähnt sich der Zuhörer in eine lebhafte Diskussion des Stadtrates versetzt. Dort hin, wo die drei Politiker ihre Schlachten im kommunalpolitischen Alltag schlagen. Den dreien ist anzumerken, dass ihnen demokratischer Streit nicht neu ist. Kein Wunder: Als langjährige Mitglieder ihrer Fraktionen waren und sind sie an vielen für Forchheim wichtigen Entscheidungen beteiligt. Wohl und Wehe inbegriffen.

Die Moderatoren Josef Hofbauer vom FT und Christopher Fleith (Radio Bamberg) leiten eine Runde, die ein ums andere Mal klare Lager kennt: das der Herausforderer, deren politische Couleur immer wieder zu verschwimmen scheinen, als sie die Leistungen des amtierenden OB Kirschstein als "nicht ausreichend", "verschleppend" und "mangelhaft" brandmarken. Auf der anderen Seite sitzt der Titelverteidiger, der qua Amt auf die Anschuldigungen reagieren muss. Etwa wenn ihm die Kontrahenten unisono in mehreren Punkten "Verschieberitis" (Prechtel) diagnostizieren und "endlich die Handbremse" (Schönfelder) lösen wollen.

Teufel steckt im Detail

Den großen kommunalen Fragen der Zeit wollen sich alle gleichermaßen gebührend widmen, so sie im Rathaussessel landen beziehungsweise bleiben. Baugebiete mit Augenmaß, keine unüberlegten Schnellschüsse vor dem angedachten Verkehrskonzept, die gute Erzählung einer lebendigen Innenstadt forcieren - viele Punkte stehen auf allen Zetteln zumindest im Kern deckungsgleich. Häufig steckt der Teufel nur im Detail.

Schon alleine das Format des Dreikampfes verspricht für den Wahlabend am 15. März statt eines klaren Favoriten Spannung bis zum Schluss. Wie sich die OB-Kandidaten die Zukunft Forchheims ganz konkret vorstellen, wird der Fränkische Tag ab Ende Februar detailliert beleuchten.

Kommentar vom Autor Stephan Großmann: "Wahlkampf bleibt klare Kante schuldig"

"Wer drei Profis in einen Raum steckt, um einen klaren Sieger zu finden, bleibt nicht selten enttäuscht zurück. So auch hier. So sehr sich Kirschstein, Prechtel und Schönfelder auch bemühen, ihre im politischen Alltag der Stadtratsarbeit geschliffene klare Kante gegenüber ihren politischen Widersachern zu beweisen, so wenig ist davon während des Wahlkampfs zu spüren.

Zwar haben sie alle genaue Vorstellungen von der Zukunft der Stadt. Doch zu oft unterscheiden sich diese nur im Detail. Das muss für Forchheim kein Nachteil sein. Für die Schärfung der Kandidatenprofile hingegen schon. Hinzu kommt: Außenstehenden fällt eine zielgenaue parteipolitische Zuordnung der Bewerber zunehmend schwerer.

Unterm Strich bleibt auch die Podiumsdiskussion einen Sieger schuldig. Dafür reift die Erkenntnis, drei Kandidaten auf Augenhöhe zu erleben. Für den Bürger bleibt die Wahl die Qual."