So mancher fragt sich, warum sich der Geh- und Radwegebau zwischen Waischenfeld und Doos entlang der Staatsstraße 2191 seit letztem Jahr bereits im Bau befindet, der Weiterbau von Doos bis Behringersmühle jedoch noch nicht einmal begonnen hat. Warum dies so ist, erklärte der Leiter des Staatlichen Bauamts Bamberg, Baudirektor Uwe Zeuschel, in der Sitzung des Marktgemeinderats Wiesenttal. Zeuschel war auf Einladung von Bürgermeister Helmut Taut (FWW) nach Muggendorf gekommen, um über die geplanten Umbaumaßnahmen im Zuge von Staatsstraßen im Gemeindegebiet Wiesenttal zu informieren. Dass der Bau des Radwegestücks von Rabeneck bis Doos bereits in vollem Gange ist, hänge nicht nur damit zusammen, dass hier das Staatliche Bauamt Bayreuth zuständig ist, und auch nicht damit, dass die Beamten der Straßenbaubehörde in Bamberg, die für das 5,1 Kilometer lange Verbindungsstück zwischen Doos und Behringersmühle zuständig sind, langsamer arbeiten als ihre Kollegen in Bayreuth. Sondern es kommt daher, dass es sich bei dem Verbindungsstück auf Bamberger Hoheitsgebiet um einen "wahnsinnig sensiblen Naturraum" handele und die erforderliche landschaftspflegerische Bauleitplanung einfach länger dauere.

Trassenvarianten untersucht

Dazu waren umfangreiche Voruntersuchungen nötig. Vom Staatlichen Bauamt Bamberg wurden mehrere Varianten eines Trassenverlaufs untersucht, so im Tal an der Wiesent oder oberhalb der Straße. "Wir haben schon mehrere Varianten verbraten", sagte Zeuschel. Die Planung müsse in enger Abstimmung mit dem Naturschutz und der Wasserwirtschaft erfolgen. Aufgrund der äußerst sensiblen Landschaft sind für den Bau eines Geh- und Radwegs zwischen Doos und Behringersmühle eine sogenannte Natura-2000- und FFH-Verträglichkeitsprüfung (Netz von Schutzgebieten und Fauna-Flora-Habitatrichtlinie der EU) erforderlich und noch zusätzlich eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung. Das dauert nicht nur lange, sondern kostet mit dem erforderlichen Gutachten auch rund 80.000 Euro mehr. Schon jetzt ist aber klar, dass von der Radwegeplanung prioritäre Natura-2000-Lebensräume betroffen sind, in die nicht eingegriffen werden darf. Außerdem liegt die Baumaßnahme im FFH- und Überschwemmungsgebiet der Wiesent. Es wird laut Zeuschel daher nicht zu vermeiden sein, dass Abschnitte des dann fertigen Geh- und Radwegs bei Hochwasser überschwemmt sind. Beim Staatlichen Bauamt Bamberg sind dazu die erforderlichen Kartierungen angelaufen. Zeuschel ist dennoch optimistisch und rechnet damit, dass die landschaftspflegerische Begleitplanung bis Mitte nächsten Jahres fertiggestellt ist. Aus den dann ermittelten Eingriffen wird sich erst ergeben, ob ein Planfeststellungsverfahren erforderlich sein wird. Sobald dann Baurecht besteht und der Grunderwerb abgeschlossen ist, werde mit dem Bau begonnen, erläuterte der Baudirektor. Zeuschel bat Bürgermeister Taut darum, dass die Gemeinde Wiesenttal bei den Grundstücksverhandlungen unterstützend tätig wird. Zwingen, Grund herzugeben, könne man jedoch niemanden. Das Bauvorhaben, obwohl seit 2009 im Radwegeprogramm des Freistaats Bayern enthalten, war ohnehin wahnsinnig schwer durchzubringen. Unter anderem auch deshalb, weil durchschnittlich 1500 Fahrzeuge am Tag, darunter nur 62 Schwerlastfahrzeuge, nicht gerade von einem hohen Verkehrsaufkommen künden. Geplant ist der Anbau eines 2,50 Meter breiten Geh- und Radweges unmittelbar an die Staatsstraße. Dies wird jedoch nicht überall möglich sein. An besonders engen Stellen muss auch der Flusslauf der Wiesent etwas verlegt werden. Und es werden teilweise Stützbauwerke zum Fluss, wie zwischen Rabeneck und Doos schon gebaut, nötig sein. Nach einer Schätzung wird der 5,1 Kilometer lange Geh- und Radweg zwischen Doos und Behringersmühle rund drei Millionen Euro kosten. "Das schönste Biotop nützt uns nichts, wenn überhaupt keiner mehr hin darf", war am Ende Bürgermeister Tauts Kommentar.