Brachte er doch zu wenig Geld mit in die Beziehung? Verkündete sie unvermittelt, dass er ausziehen soll? Das Motiv zu der Tat, wegen der sich ein 65-Jähriger aus dem Kreis Forchheim am Freitag wegen versuchten Totschlags mit gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Bamberg verantworten musste, konnte am ersten Prozesstag nicht geklärt werden. Sowohl das Opfer als auch der Angeklagte sprachen von Erinnerungslücken.

Nach einem Streit in der Nacht zum 17. Juni habe er seine zwei Jahre jüngere Partnerin mit mehreren Messerstichen lebensgefährlich verletzt. Sie erlitt dabei unter anderem Stichverletzungen an Leber, Thorax, Hals und Bauchraum. Den Polizisten, die den Angeklagten nach der Tat auf dem Sofa vorfanden, habe er mehrmals gesagt: "Ich wollte sie töten."

Der Tat vorausgegangen war ein geselliger Abend auf dem Balkon der gemeinsamen Wohnung. Beide waren erst seit gut zwei Jahren ein Paar und jeweils noch mit ihren Partnern in erster Ehe verheiratet. "Der Abend ist eigentlich gut verlaufen", erinnerte sich der Angeklagte. Sie haben gemeinsam Wein getrunken. Er selbst habe sich irgendwann schlafen gelegt, sei dann von seiner Partnerin geweckt worden. Diese habe ihm Vorwürfe gemacht, er bringe zu wenig in die Beziehung ein.

Landgericht Bamberg: Ein 65-Jähriger soll seine Partnerin lebensgefährlich verletzt haben

Für den Verlauf des Abends mitverantwortlich sahen der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt als auch der Angeklagte selbst, dass dieser seit längerem schon übermäßig Alkohol konsumiere. Ein kurz nach der Tat durchgeführter Test hatte bei ihm eine Blutalkoholkonzentration von rund 1,3 Promille ergeben. Auch die Geschädigte gab später zu, dass ihr Alkoholkonsum im vergangenen Jahr zugenommen habe.

Der Angeklagte betonte während des Prozesses mehrmals, er bereue die Tat, und räumte diese auch ein. An den finalen Auslöser, überhaupt an die brutale Ausführung an sich, könne er sich allerdings nicht mehr erinnern. "Dass ich los bin zu den Messern, ist für mich nicht nachvollziehbar. Ich sehe mich nicht dabei, in die Küche gegangen zu sein. Aber getan habe ich es." Wieder zu Bewusstsein sei er erst gekommen, nachdem er sich selbst an der Hand verletzt hatte, berichtet er.

Es galt die Frage zu klären, wie viel an Erinnerung beim Angeklagten wirklich noch vorhanden war und was er sich in dem zurückliegenden halben Jahr in Untersuchungshaft aus Vermutungen und Berichten zusammengereimt hatte. Denn ein neuer Aspekt in Bezug auf die Vernehmung bei der Polizei sei gewesen, dass der Angeklagte vor Gericht angab, seine Partnerin habe ihn aus der Wohnung werfen wollen, da er zu wenig Materielles in die Beziehung einbringe.

Bisher habe es nie großen Streit gegeben, sagte die Geschädigte

Die 63-Jährige, die als Zeugin und Nebenklägerin aussagte, sprach von einer "sehr liebevollen und harmonischen Beziehung" zu dem Angeklagten, das habe sie auch bis zum Schluss so empfunden. Große Streitigkeiten oder gar Handgreiflichkeiten habe es nie zuvor gegeben. An den genauen Streitgrund habe auch sie keine Erinnerungen mehr, sagte sie. Sie berichtete, sie habe ihren Partner, der seit längerem wegen Depressionen auch Medikamente nehme, in den zurückliegenden Wochen angespannter erlebt. Vielleicht habe es ihn auch belastet, dass sie sich noch nicht mit ihrem Ex-Mann in Bezug auf die Scheidung einigen konnte.

Sie erinnere sich zudem noch daran, dass der Angeklagte irgendwann zu Bett gegangen war. Dann habe sie erst wieder ein Bild davon, wie er sie über sie gebeugt zu Boden drückt und sie um Hilfe schreit. Mit vier Messern aus dem Messerblock mit einer Klingenlänge zwischen 17 und 20 Zentimetern habe er auf sie eingestochen, ein kleineres Küchenmesser sei dabei gebrochen, geht aus der Anklageschrift hervor.

Ihre Rettung war letztendlich einer Nachbarin zu verdanken, die auch in dem Mehrparteienhaus wohnt. Sie hatte Schreie aus der Wohnung gehört und daraufhin die Polizei angerufen. Als die Beamten eintrafen, sei es im Haus zwar wieder ruhig gewesen, sagte einer der Polizisten, die zuerst vor Ort waren. Nach mehrmaligem Klopfen haben er und seine Kollegin dann allerdings eine leise, um Hilfe rufende Stimme von drinnen gehört. "Es ist ein absolutes Wunder, dass sie noch ansprechbar war. Es sah aus wie ein Schlachtfeld", sagte er.

Polizist: "Es ist ein absolutes Wunder, dass sie noch ansprechbar war."

"Wenn die Polizei nicht die Tür eingetreten hätte, wäre es schlecht für Sie ausgegangen", betonte auch Richter Schmidt noch einmal vor der 63-Jährigen.

Körperlich gehe es ihr soweit wieder gut, berichtete diese. Zwei Finger seien noch taub sowie der Bereich zwischen Hals und Ohr. Einem Attest der behandelnden Ärztin nach, aus dem Richter Schmidt zitierte, seien keine bleibenden Schäden abzusehen.

Er wiederum sei froh, dass sie in der vergangenen Zeit zu ihm noch Kontakt per Brief hatte, so der Angeklagte. "Es ist noch Liebe zwischen uns", sagte er sichtbar zu Tränen gerührt.

Auf die Frage Schmidts, wie es weitergehe, antwortete die 63-Jährige, ein gemeinsames Leben könne sie sich mit dem 65-Jährigen nicht mehr vorstellen. Trotzdem schloss sie mit den Worten: "Ich habe keinen Groll. Ich denke, er hat eine zweite Chance verdient."

Der nächste Prozesstag ist für den 21. Dezember um 9 Uhr angesetzt. Am 23. Dezember soll voraussichtlich das Urteil fallen.