Was bringt die Zukunft? Selten haben sich die Menschen in der Region Forchheim wohl mehr Gewissheit gewünscht, was in diesem Jahr alles auf sie zukommt. Der FT Forchheim will helfen, Licht ins Dunkel zu bringen, und wirft zum Jahresstart einen (absolut unernst gemeinten) Blick in die Glaskugel. Unser satirisches FT-Orakel stochert natürlich nur im Nebel, deshalb Vorsicht: Die komische Kaffeesatzleserei dürfte nicht jedem schmecken. "Forona", Annafest 2.0 und ein Forchheimer Gegenkanzler Söder sind im Anmarsch.

Januar

Heuer ist "Stärke antrinken" gefragt wie nie: Weil Bayern endgültig den verlängerten Schul-Lockdown verkündet, kommt es im Landkreis Forchheim rund um den Dreikönigstag zu ungeahnten Bier-Hamsterkäufen. In den Forchheimer Märkten prügeln sich gestresste Lehrer und überforderte Eltern gar um die letzten Seidla-Flaschen. Die Biernachfrage führt wiederum zu einem unerwarteten Aufschwung bei den fränkischen Brauern. So sehr, dass die Forchheimer Brauerei Greif Ende Januar die angeschlagene mexikanische Biermarke "Corona" aufkauft. Fortan wird in Corona-Flaschen fränkisch-mexikanischer Gerstensaft abgefüllt. Das süffige Fräxmex-Bier aus Forchheim wird unter dem neuen Namen "Forona" zum Verkaufsschlager und erobert die ganze Welt.

Februar

Die närrische Saison leidet unter den Pandemie-Regeln, die Events der Faschingsvereine fallen reihenweise aus. Um die getrübte Stimmung zu heben, verhängt das Landratsamt Forchheim eine Narren-Maskenpflicht in der Öffentlichkeit. Am Bahnhof, in der Fußgängerzone und dem Paradeplatz patrouillieren fortan Mitglieder der Närrischen Siedler Lichteneiche, ob alle ihre Clown-, Hexen- oder Donald-Trump-Masken korrekt über Münder und Nasen tragen. Auch der Neunkirchner Carnevals Verein (NCV) und der Effeltricher Fosanochtsverein "Allamoschee" sind ständig auf Streife. Personen, die gegen die Narren-Maskenpflicht verstoßen, müssen Bußgeld zahlen und vor Ort einen Gardetanz aufführen.

März

Die ersten Impffolgen machen sich bemerkbar: Der Corona-Impfstoff führt offensichtlich zu einer vorübergehenden Teil-Lähmung der Zunge. Weil kaum noch jemand harte Konsonanten aussprechen kann, wird in ganz Deutschland ab März nur noch "Fränggisch" gesprochen. Bill Gates kommt höchstpersönlich ins Forchheimer Impfzentrum, um mit seiner Stiftung eine Sprachschule zu gründen.

April

Die Fränkische Schweiz und die Brauereiwanderwege werden deshalb zu weltweiten Pilgerstätten. Am Tag des Deutschen Bieres am 23. April müssen Touristen heuer für den Fünf-Seidla-Steig nicht nur einen negativen Test vorweisen, sondern über die Corona-App sogar online Platzkarten für die Brauerei-Gaststätten und Toiletten reservieren. Um dem Urlauber-Ansturm Herr zu werden, werden plötzlich innerhalb weniger Wochen überall im Landkreis Forchheim neue Sendemasten errichtet und die gesamte Fränkische Schweiz mit 5G-Netz ausgebaut.

Mai

Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, geschieht ein Wunder: Im maroden Forchheimer Kolpinghaus wird tatsächlich gearbeitet. Denn das historische Gebäude hatte gar keinen Schädlingsbefall, sondern nur eine normale, "ungefährliche" Grippe. Und der neue Kulturamtsleiter schafft, was undenkbar schien: Aus dem Kolpinghaus wird in wenigen Wochen ein schmuckes, funktionsfähiges Kulturzentrum. Er findet heraus, dass die Pläne und Konzepte seit Jahren vorlagen. Während die Sanierung des Kolpinghauses günstiger wird, explodieren die Kosten am Historischen Rathaus weiter: Ende Mai liegen sie bei über 50 Millionen Euro, weil außer einem Glasboden nun auch ein komplettes Glasdach eingebaut werden soll.

Juni

Das EM-Fieber steigt, während die Pandemie leider anhält. Nachdem Jogi Löw unverhofft positiv getestet wird, muss kurz vor Start das gesamte DFB-Team in häusliche Quarantäne. Kurzerhand übernimmt Lothar Matthäus den Trainerposten und überrascht alle: Um besser kommunizieren zu können, nominiert Matthäus eine rein fränkische Fußballer-Auswahl für die Europameisterschaft. Mit der Truppe um die fränkischen Führungsspieler Niklas Stark und Marius Wolf schafft es Deutschland tatsächlich bis ins Endspiel gegen die Überraschungsmannschaft der EM Nordmazedonien. Im Finale wechselt Matthäus auch zwei Spieler der SpVgg Jahn Forchheim ein. Ein kluger Schachzug: Gemeinsam schießen die Jahn-Stürmer Philipp Nagengast und Patrick Hoffmann Deutschland in London zur Europameisterschaft.

Juli

Nachdem Forchheims Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) nicht locker lässt und die Königsstadt zur kreisfreien Stadt machen will, ist Landrat Hermann Ulm (CSU) irgendwann so genervt, dass er einknickt. Aus Frust wird in diesem Zuge jedoch in der Region Forchheim die gesamte Gebietsreform vom 1. Juli 1972 rückgängig gemacht. Tatsächlich blüht auch der alte und neue Landkreis Ebermannstadt auf und verzeichnet wieder Zuzug. Aber die korrekte Berechnung der Kreisumlagen wird zum Desaster. Außerdem weigert sich der Landkreis Bamberg zunächst Unterstürmig zurückzunehmen. Als aber die Möglichkeit eröffnet wird, im Tauschhandel die Gemeinde Heiligenstadt an den Forchheimer Landkreis abzugeben, ist der Deal perfekt.

August

Die Glaskugel verkündet leider auch eine Hiobsbotschaft für alle Festliebhaber im Landkreis: Nachdem die dreizehnte Pandemie-Welle anrollt, werden im Juli und August erneut alle Großveranstaltungen verboten. Weil sich aber bereits das digitale Online-Kirschenfest live aus Pretzfeld größter Beliebtheit erfreute, wird auch in Forchheim das eigentlich analoge Annafest vom Kellerwald notgedrungen in den digitalen Raum verlegt: Und tatsächlich loggen sich "alladooch" tausende Internetnutzer beim Zoom-Meeting Annafest 2.0 ein.

September

Deutschland wählt. Und alle fiebern dem Wahlergebnis am 26. September entgegen. Am Abend steht fest: Knapp gewinnt der aufgestellte CDU-Kandidat Friedrich Merz (ja, leider wirklich) und wird Deutschlands neuer Kanzler. Der Schock ist riesig, auch die Landesfürsten sowie die CSU rebellieren. Die Merz-Widersacher treffen und formieren sich in der Forchheimer Kaiserpfalz, wo sich die Geschichte wiederholt: Wie im März 1077, als hier Herzog Rudolf von Rheinfelden zum Gegenkönig gewählt wurde, wird nun gegen Merz 2021 in Forchheim Markus Söder (CSU) von den befreundeten Landesfürsten zum Gegenkö... ähm Gegenkanzler Deutschlands gewählt.

Oktober

Die Gegen-Königsstadt floriert nicht nur als Regierungssitz. Forchheim wächst wirtschaftlich wie gehabt in ungeahnte Höhen. Aber gleichzeitig stirbt der örtliche Einzelhandel in der Innenstadt ungebremst weiter. Der Online-Gigant Amazon expandiert aus Eggolsheim sogar in die leeren Geschäftsräume in der Forchheimer Fußgängerzone. Und Siemens Healthineers verlegt seinen Firmensitz 2021 komplett nach Forchheim und investiert dabei Milliarden-Summen. Als Siemens Healthineers im unteren Wiesenttal bei Sigritzau neue, schöne Megabauten errichten will, willigt der Forchheimer Stadtrat nach kurzem Hin und Her schließlich ein. Wer könnte großen Firmen schon Wünsche ausschlagen?

November

Und wer hätte das gedacht: Ein Jahr nach der Eröffnung des umstrittenen Kunstwerks am Kersbacher Kreisverkehr ist der kunstvolle Kreisel der Publikumsmagnet schlechthin im Landkreis Forchheim. Kolonnen an kunstliebhabenden Autofahren umrunden tagtäglich den schönen Schriftzug, um aus ihrem motorisiertem Gefährt heraus die vorbeisausenden Wörter entziffern zu können und irgendwann zu der Erkenntnis zu gelangen: "Die ganze Natur ist dem Menschen, wenn er poetisch gestimmt ist, nur ein Spiegel, worin er nichts als sich selbst wiederfindet." Jeder Autofahrer, der mit diesem Tieck-Zitat im schwindelnden Kopf wieder den Weg aus dem Kreisverkehr wiederfindet, hat wirklich gelernt: Schöner kann man die Natur der Fränkischen Schweiz eigentlich nicht in Szene setzen. Außerdem ist der Kunstgenuss am Kreisel auch noch kostenlos (abgesehen von rund 78 000 Euro Steuergeldern). Wer vermisst da noch coronabedingt ausgefallene Kunstausstellungen, Kino, Konzerte oder Kabarett, wenn er solche Kunst am Kersbacher Kreisverkehren genießen kann.

Dezember

Im Dezember ist es fast geschafft: Corona ist in Stadt Forchheim, Landkreis Ebermannstadt und dem Landkreis Forchheim so gut wie besiegt! Wie zu erwarten, werden aber einige Stimmen lauter: "Ja, die Pandemie war doch nicht so schlimm und die Maßnahmen eigentlich übertrieben." Dennoch jagen im Dezember nur noch vereinzelt einige Gesundheitsämter-Mitarbeiter Corona-Verharmlosern mit der gezückten Spritze hinterher. Einer soll sich gar in der Forchheimer Stadtverwaltung versteckt haben. Trotzdem wird die Corona-Bekämpfung erfolgreich sein und die Menschen blicken zuversichtlicher denn je in die Zukunft.