Selbst wenn man gar nicht weiß, wo genau diese Kurve liegt - durchquert hat sie schon jeder Annafest-Besucher. Die Lützelberger Kurve liegt auf halber Strecke zwischen dem Annafest-Hauptplatz zu den oberen Kellern und beschreibt den Straßenverlauf mit einem Knick von mehr als 90 Grad. Seit Jahrzehnten ist sie inzwischen fester Standplatz jener Schaustellerfamilie, von der das Nadelöhr den Namen hat. Die Geschwister Doris und Marco sind dort mit Süßigkeitenwagen, einer Schießbude und der gegenüber aufgestellten Schiffschaukel positioniert.

Fahrgeschäfte lohnen sich nicht

Heuer bleibt die Lützelberger-Kurve verwaist. Während Schwester Doris und ihr Mann in den nächsten Tagen zumindest am Brauwastl-Keller ihre Süßwarenbude betreiben können, lohnt sich ein wenige Tage dauernder Zwischenspurt für Bruder Marco nicht: "Fahrgeschäfte wie Karussell oder Schiffschaukel werden jährlich vom TÜV abgenommen und auch die Schießbude muss mit Gewehren den Prüfungen eines anderen Fachverbandes Stand halten, die richtig Geld kosten." Bei seiner Schwester greifen Auflagen zum Lebensmittelbereich, die zwar zunächst ebenso Gebühren bedeuten, aber anderen Zyklen unterliegen: "Daher lohnen sich kürzere Einsätze bei Doris eher."

Dass er überhaupt zu Einnahmen kommt, nachdem die Hauptsaison 2020 gar nicht stattfindet und alle Volksfeste bis mindestens zum Herbst ausfallen, verdankt der 52-jährige Schausteller einer nebenberuflichen Tätigkeit als LKW-Fahrer, die er eigentlich nur zur Überbrückung nach dem normalen Weihnachtsgeschäft in Anspruch nimmt: "Unsere Saison startet mit dem Walberla-Fest und zieht sich bis Ende Oktober nach der Burker Kerwa hin. Das Annafest gehört wie der Weihnachtsmarkt zu unseren Hauptgeschäften. Nach ein paar Tagen Auszeit im Januar fahre ich danach für drei bis vier Monate als Subunternehmer große Lastzüge bei der Spedition Logwin." Nachdem auch dort im Frühjahr die Kurzarbeit um sich griff, heuerte Lützelberger noch bei der Spedition Edelhäuser an und pendelt seither mit großen Zugmaschinen zwischen DHL-Standorten.

Den kürzlich von mehreren Schaustellern per Eilantrag errungenen Teilerfolg beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof gegen das Volksfestverbot betrachtet der gebürtige Burker abwartend. So empfiehlt das Gericht Veranstaltern von Volksfesten, Ausnahmeanträge auf Zulassung zu stellen: "Derzeit kann noch niemand sagen, wie das klappen soll. Volksfeste sind Besuchermagnete und jedes ist anders. Die Auflagen der Behörden zu Abstandsregeln bleiben dennoch bestehen und daher müsste für jedes ein passendes Konzept erstellt werden. Ungeachtet der Verantwortung, denn dieser Aspekt ist noch ungeklärt." Insgeheim und etwas wehmütig hofft Lützelberger aber dennoch auf eine sich normalisierende Adventszeit und dass der Forchheimer Weihnachtsmarkt stattfinden kann.

Die Bezeichnung des ominösen Streckenabschnitts entsprang übrigens einer gänzlich anderen Veranstaltung, die bis vor einigen Jahren von einer ideenreichen Gruppierung als Bereicherung für die Kellersaison eingeführt wurde: dem Bobbycar-Rennen. Ulli Raab, einer der Initiatoren, erfand den Namen, der 2008 erstmals im Streckenplan auftauchte: "Wir haben den Parcours auch auf das damalige Erinnerungs-Shirt gedruckt. Unser Rennreporter feuerte jeden durch diese Haarnadel gekommenen Fahrer übers Mikro an, denn dort war für viele das Rennen auch schnell mal vorbei."

"Annafest, deine Menschen": Bisher erschienen sind folgende Teile

(2): Franz Streit übergibt den Anstechschlegel: Eine neue Ära im Forchheimer Kellerwald

(1): Abgesagtes Annafest: Die Brauwastl aus Forchheim kontern mit Humor