Eine Krise in der Krise hat das Corona-Virus im Landkreis ausgelöst. Uwe Kirschstein, der SPD-Oberbürgermeister der Stadt Forchheim, fühlt sich unzureichend in das Katastrophenmanagement eingebunden.

Vor zwei Tagen sei er erstmals unmittelbar von Landrat Hermann Ulm (CSU) informiert worden, sagte Kirschstein am Mittwoch dem FT. "Das ist seit Ausbruch der Pandemie und seit Ausrufung des landesweiten Katastrophenfalls die erste Direktkommunikation zu den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der Landkreis-Gemeinden."

Der Landrat hält diese Kritik für unberechtigt. Das Katastrophenmanagement sehe "genau festgelegte Informationswege" vor, betont Hermann Ulm. Die erforderlichen Informationen habe der Forchheimer OB stets erhalten. Seit Dienstag versende er die Infos "auf Kirschsteins Wunsch zusätzlich direkt an die Bürgermeister", sagt Ulm.

Während sich Uwe Kirschstein gern in das Katastrophenmanagement einklinken würde, betont Hermann Ulm: Das Management sei der Führungsgruppe Katastrophenschutzes am Landratsamt Forchheim vorbehalten. "Es ist klar geregelt, wer da drin sitzt. Es sind klare Strukturen und Aufgaben, die abgearbeitet werden", verdeutlicht Ulm: "Es ist eine Sache des Staates und ich bin dabei, weil ich Leiter einer Staatlichen Behörde bin."

Doch Kirschstein blieb auch am Mittwoch (25. März) hartnäckig "Was der Katastrophenstab im Landratsamt macht, darüber hätte ich gerne mehr Erkenntnisse." Der OB verweist auf Stadt und Landkreis Bamberg: "Dieses Partnerschaftliche, das vermisse ich bei uns ein bisschen." Auch deshalb habe er die "Vision" von einer kreisfreien Stadt Forchheim ins Gespräch gebracht. "Unabhängig von der jetzigen Krise, hätte die Stadt mehr politischen Handlungsspielraum."

Mit dieser Idee zieht Kirschstein Unmut auf sich. "Das macht keinen Sinn in einer Zeit, in der man in größeren Einheiten denkt", kommentiert Hermann Ulm. Nicht nur im Katastrophenfall sei es sinnvoller, regional zu agieren, ist der Landrat überzeugt. Kirschsteins Vision hält er keineswegs für visionär: "Stadt und Landkreis arbeiten eng zusammen, wenn es um den Tourismus oder die Kliniken geht. Eine administrative Trennung wäre eher ein Rückschritt. Wir müssen die interkommunale Zusammenarbeit voranbringen und regional denken."

Was Kirschstein da anzettele, sei ein "Hirngespinst", rügt Eduard Nöth. "Wo bleibt", fragt der CSU-Kreisrat, "bei einer solch wichtigen Frage die vom OB beschworene Einbindung der Bürger?" Gar für "unsinnig und gefährlich" hält die Forchheimer Grüne Liste die Vorstellung des OB: "Mit einem rationalen Blick auf die Folgen kann das nicht gewollt sein", kommentiert Fraktionssprecherin Annette Prechtel. Mit der Idee der kreisfreien Stadt strebe Kirschstein "offenbar ein Wachstum um jeden Preis an". "Der Vorstoß klingt wie das unselig-populistische Brexit-Getöse", sagt Emmerich Huber, Ortssprecher der Grünen und Mitglied im neuen Stadtrat. "Wenn Kirschstein das ernst meint, dann heißt das, dass er unsere Naherholungsgebiete an den Hängen und das untere Wiesenttal opfern will."