Kein einziger Bebauungsplan im gesamten Gemeindegebiet von Gößweinstein lässt Flachdächer auf Wohnhäusern zu. Dies soll sich künftig ändern - wenn es nach der Mehrheit des Marktgemeinderates (9:3) geht.
Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG) hatte bei der jüngsten Ratssitzung einen Beschlussvorschlag vorgelegt mit dem Ziel, das Flachdächer auf Wohngebäuden nicht länger grundsätzlich abgelehnt werden sollen.


Grundsätzliche Erwägungen

Bei künftigen Bauvorhaben soll dieser Ratsbeschluss nun beachtet werden falls ein Bauwerber ein Flachdach beantragt.
Georg Lang, Peter Helldörfer und Dietmar Winkler (alle CSU) stimmten zwar nicht gegen Flachdächer, aber gegen diesen Beschluss. Lang hielt ihn schlicht für überflüssig. Denn nach Langs Meinung müsse jeder Bauantrag im Einzelfall geprüft und entschieden werden. Wie Zimmermann erläuterte, gab es in den vergangenen drei Jahren drei Bauanträge für Flachdächer. Alle habe der Rat aus grundsätzlichen Erwägungen abgelehnt. Im vergangenen Jahr wurde zum Beispiel einem Bauantrag im Baugebiet "Oberer Büchenstock" das gemeindliche Einvernehmen versagt, weil der Bauherr ein Flachdach errichten wollte.

Aktuell will ein weiterer Bauherr im Ortsteil Hardt sein Wohnhaus mit einem Flachdach versehen, ein anderer innerhalb des Bebauungsplans "Büchenstock-Erweiterung" in Gößweinstein. Im Oberland ist es laut Zimmermann bereits gängige Praxis, dass Flachdächer zugelassen werden. Auch in Gößweinstein gab es schon Ausnahmen, bei denen Flachdächer genehmigt wurden. So zum Beispiel auf dem Therapiezentrum von Markus Poser am Steinernen Herrgott.

"Wir wollen, dass Menschen zu uns kommen und bei uns bauen", so der Rathauschef, der Baustile für "Geschmackssache" hält. "Da bin ich deiner Meinung", gab Bernhard Vogel (SPD) ihm recht. "Es ist bedauerlich, dass du bei dem von der Gemeinde organisierten Seminar nicht dabei warst und einen Geburtstag vorgezogen hast", so Georg Lang (CSU) zu Zimmermann. Lang hielt einen Grundsatzbeschluss zu Flachdächern für überflüssig.
"Entweder gibt es einen Bebauungsplan oder eine Genehmigung im Rahmen des Baugesetzbuches, bei dem es um die umliegende Bebauung geht", so Lang.


"Relativ sinnlos"

Er befand, dass es deshalb "relativ sinnlos" ist, einen Grundsatzbeschluss pro Flachdach herbeizuführen. So oder so müsse der Rat jeden Einzelfall nach dem Baurecht prüfen und ein Beschluss für Flachdächer hebe den jeweils gültigen Bebauungsplan nicht auf.

Jürgen Kränzlein (SPD) verwies darauf, dass in der Praxis Flachdächer immer wieder erlaubt worden sind. "Ein Flachdach in einem Baugebiet ist was anderes als ein Flachdach neben der Basilika", so Kränzlein, der die Empfehlungen des Fränkische Schweiz Vereins zur fränkischen Bauweise für eine "Geiselnahme" für den Bauwerber und "enteignungsgleichen Eingriff" hielt. "Einige Bauwerber haben wir deshalb schon abgeschreckt", so Daniela Drummer (FWG). Geschäftsleiter Peter Thiem verwies darauf, dass man seinerzeit im Büchenstock die Linie der Bauvorgaben schon massiv verlassen habe. "Alle zehn bis zwölf Jahre sollte ein Bebauungsplan angepasst werden", so Zimmermann. "Ein fränkischer Baustil wäre wünschenswert, aber wir müssen auch an die Zukunft denken", so Dritter Bürgermeister Manfred Eckert (CSU).

Drummer will keine Retortensiedlung, sondern zulassen, das jeder etwas kreatives Eigenes bauen kann. "Wir müssen jeder Zeit und jeder Generation den eigenen Stil zuerkennen", so Drummer.
"Ich bin grundsätzlich nicht gegen Flachdächer", meldete sich nun auch noch Peter Helldörfer zu Wort. Helldörfer hielt jedoch die Instrumente, die der Rat schon jetzt für eine Genehmigung derselben hat, für ausreichend und sprach sich dafür aus, in neuen Baugebieten künftig eine möglichst offene Bauweise zuzulassen. Rainer Polster (FWG) stellte nun einen Antrag zur Geschäftsordnung auf Abstimmung. Polster betonte, dass der Bauausschuss nach wie vor die Hoheit für eine Baugenehmigung habe.