Dass er ein besserer Maler als Musiker sein würde, erkannte Frank Kortan erst in seiner Wahlheimat Franken. In Egloffstein führt er seit vier Jahren das Leben eines Mönchs. Das meint der Künstler selbst, der sich hier in aller Ruhe mehrere Stunden am Tag der Malerei widmet.

Aber eigentlich ist der 1964 in Prag geborene Kortan ein Musiker, der das Glück hatte, mit einer Musikgruppe, die Luft der Freiheit schnuppern zu dürfen. 18 Jahre war er damals alt. "Es war ein besonderes Erlebnis, ausreisen zu dürfen", erklärt Kortan, dem damals schon klar war, nicht unter kommunistischer Herrschaft leben zu wollen.


Seit 1985 in Deutschland

Auch seine Frau wollte das nicht. Sie aber durfte nicht ausreisen. Deshalb hatte sie gemeinsam einen Ausflug beantragt. Nach Venedig sollte es gehen. Ihre Ausweise mussten sie abgeben, um im Gegenzug einen "provisorischen Zettel", wie dies Kortan erzählt, zu erhalten.

Dieser erlaubte die Fahrt nach Venedig und bei Rückkehr sollten sie ihre Ausweise wieder erhalten. "Die Kommunisten haben die Papiere alle weggenommen", sagt Kortan, der seinen Ausweis nicht mehr erhielt. Nun blieb nur die Flucht. "Eine abenteuerliche Flucht", wie Kortan beschreibt. Von Jugoslawien flüchteten er und seine Frau nach Italien und von dort in die Schweiz. Politisches Asyl haben sie beantragt - und erhielten ein unangenehmes Schreiben.

"Innerhalb von 14 Tagen sollten wir die Schweiz verlassen, sonst würden wir abgeschoben werden", erzählt
Kortan. Sie wären zu den Kommunisten, vor denen sie geflohen waren, zurückgeschickt worden. Also gingen sie. Nach Deutschland. Seit 1985 leben sie hier. Auch in Deutschland arbeitete Kortan zunächst als Musiker. Immer stärker schob sich mit der Zeit aber die Malerei in den Vordergrund. "Ich hatte Kontakt zur Szene der Augentäuschung", erklärt Kortan. Dabei handelt es sich um eine illusionistische Malerei, die durch ihre perspektivische Darstellungsweise Dreidimensionalität vortäuscht. "Surrealismus wie Dali, aber realistisch gemalt", so beschreibt Kortan selbst diese Richtung.

Diese Augentäuschung zu malen, sei das Schwierigste, aber auch ungemein faszinierend. "Wenn man etwas macht, sollte man erste Liga spielen", sagt der Künstler aus Egloffstein. Er hat deshalb alles getan, um diese Technik zu beherrschen. "Ohne Technik ist man in der Malerei nur begrenzt. Ich aber wollte frei sein", sagt Frank Kortan, der Mensch, der wohl durch die Erfahrungen in der kommunistischen Tschechoslowakei die Freiheit ganz besonders liebt.


Drei Monate pro Bild

Wen Kortan malt, den möchte er zuvor erst einmal kennenlernen. "Es ist mir wichtig, ihre Seele zu malen. Deshalb möchte ich sie persönlich kennen", erklärt Kortan, warum er auf die Vorlieben seiner Porträts achtet.

Außer Bach oder Beethoven porträtierte er beispielsweise den Schriftsteller Ephraim Kishon oder den Schlagersänger Karel Gott. Das ist zwar schon Jahre her, aber noch immer verbindet die beiden Männer eine besondere Freundschaft. "Karel Gott ist mein bekanntester Schüler", sagte Kortan.
Erst in der vergangenen Woche war er in Prag. Im Gegenzug kommt auch Karel Gott des Öfteren nach Egloffstein, um sich von seinem Landsmann Tipps holen. Drei Monate braucht er meist für jedes seiner Bilder. Ab 3000 Euro aufwärts ist ein echter Kortan zu haben.