Werden Bäume auf dem Annafest-Gelände gefällt, ist die Stimmung schlagartig gereizt. Seit im Jahr 2005 ein 43-Jähriger von einem Ast erschlagen und ein 15-jähriges Mädchen schwer verletzt worden war, lässt der Stadtförster jeden Baum fällen, der nur ansatzweise ein Risiko birgt.

Käferbefall und Trockenheit lieferten stets Argumente, zu roden, kritisiert Ulrich Buchholz, der Vorsitzende des Bund Naturschutz. Er beobachte im Stadtwald "eine Tendenz, Bäume als Störer zu identifizieren und zu eliminieren".

Die Forchheimer Bundestagsabgeordnete Lisa Badum (Grüne) sagt, "das Thema Baumfällungen in Forchheim ist ein ständiger Skandal". Beim Joggen im Kellerwald hat Badum erneut ein Beispiel eines "skandalösen Kahlschlages" entdeckt. Auf einer etwa rund 600 Quadratmeter großen Fläche (oberhalb des Parkplatzes an der Lichteneiche) hat die Stadtförsterei etwa zwei Dutzend Buchen und Fichten umgehauen.

Stadtförster Stefan Distler begründet: Der Befall durch Borkenkäfer und die "Trockenschäden" hätten das Fällen unumgänglich gemacht.

Christopher Busch, Baumexperte beim Landesverband des Bund Naturschutz, inspizierte auf Bitte unserer Zeitung die gerodete Fläche. Seine Einschätzung: Einige Baumstümpfe weisen auf "Trockenschäden" hin; einige wirken "völlig gesund". Viele Zweige in den Stapeln der abgeschnittenen Bäume belegten: "Diese Zweige haben gelebt."

Nicht jeder Baum mit einem Trockenschaden müsste gefällt werden, betont der Baumexperte. In einem Park würde man auch Bäume mit Totholz in der Krone stehen lassen. Im Forst herrschten aber eher die Gesetzte der Ökonomie. "Mehr Fingerspitzengefühl wäre bei den Fällungen im Kellerwald wünschenswert", meint Christopher Busch.

"Verschandelt"

"Da hört für mich der Spaß auf" ärgert sich Lisa Badum. "Der Kellerwald ist zugleich Naturschatz, grüne Lunge und schafft eine einzigartige Annafest-Atmosphäre. Warum wird grundlos eine hässliche Schneise und ein Loch in den Wald geschlagen?" Wald und Annafest würden "verschandelt"; hundert Jahre alte Bäume würden "abgeholzt" - und das, ohne die Bevölkerung darüber zu informieren. "Ich werde in keinem Fall akzeptieren, dass Gründe wie Klimawandel, trockene Sommer oder Verkehrssicherheit vorgeschoben werden", sagt Lisa Badum.

Doch Ulrich Buchholz stellt auch ein Dilemma fest: "Das Trauma in Forchheim, dass nochmals ein Baum umfällt und jemanden verletzt, ist groß." Wenn sich ein Förster für das Fällen entscheide, weil die Wurzeln eines Baumes geschädigt scheinen, "dann kann ich als Baum-Laie nicht sagen, der Baum muss stehen bleiben". Im Streitfall würden Gutachter bemüht; aber auch die seien in der Regel vorsichtig und rieten zum Fällen, bedauert Buchholz das gängige Prozedere. "Mit der Folge, dass der Wald im Stadtgebiet ratzekahl gemacht wird."