Zum 1. Oktober verlässt Pfarrer Michael Maul (36) nach insgesamt neun Jahren die Kirchengemeinde Affalterthal und wechselt nach Bad Berneck. Er stammt aus dem Steigerwald, ist im Hummeltal bei Bayreuth aufgewachsen und hat in Marburg und Erlangen studiert. 2008 heiratete seine gleichaltrige Frau Anne, mit der er mittlerweile vier Kinder hat: Noah, Emil, Frieda und Greta. Maul ist, wie er gern betont, "mit dem Glauben daheim aufgewachsen". In einem Freiwilligen Sozialen Jahr in einer Kommunität entschloss er sich, Pfarrer zu werden. Schon vor seiner Berufung zum Pfarrer war er (seit 2011) als Vikar in Affalterthal, damals unter Pfarrer Hans Jürgen Johnke, den er 2013 in Affalterthal als Pfarrer ablöste.

Herr Maul, Sie verlassen Ende September das Dekanat Gräfenberg und damit ihre Wirkungsstätte, die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Affalterthal-Bieberbach. Warum gehen Sie und wohin?

Michael Maul: Dieser Schritt hat verschiedene Gründe und sich immer mehr abgezeichnet: Neben der zu erwartenden Reduzierung der Pfarrstelle hier in der Gemeinde haben wir zunehmend gemerkt, wie das Leben als sechsköpfige Familie im Pfarrhaus und mit der Infrastruktur des Dorfes an seine Grenzen stößt. Dass es nun schneller ging als ursprünglich geplant, liegt auch daran, dass es eben eine passende Stelle für mich als Pfarrer und für uns als Familie geben muss. Nun geht es im Oktober nach Bad Berneck im Fichtelgebirge. Dort übernehme ich die Gemeindepfarrstelle neben einem neuen Dekan oder einer Dekanin.

Wie würden Sie ihre Zeit als Familienvater in Affalterthal einschätzen?

Wir haben uns als Familie sehr wohlgefühlt in Affalterthal und in der ganzen Gemeinde. Wir waren hier zuhause und gut eingebunden mit Freundschaften und Bekanntschaften. Es fällt uns daher auch alles andere als leicht, die Zelte abzubrechen und als Familie an einem anderen Ort neu zu beginnen. Die Umgebung der Fränkischen Schweiz haben wir genossen und viele Höhlen, Felsen und Ruinen mit den Kindern entdeckt. Hier hat das Fichtelgebirge ja zum Glück auch viel Reizvolles zu bieten.

Konnten Sie beruflich etwas bewegen, ändern und verbessern?

Ich hoffe: Ja. Aber so leicht ist das gar nicht zu beantworten. Ich habe das gute Gefühl, dass die Gemeinde wieder ein Stück mehr zusammengewachsen ist. Gerade im Kirchenvorstand bereiten die gemeinsame Arbeit und das Vertrauen untereinander viel Freude. In vielen Bereichen konnten wir die Gemeinde auf Höhe der Zeit neu aufstellen: etwa bei den Gottesdiensten oder der medialen Kommunikation. Beginne in der Jugendarbeit waren leider nicht so nachhaltig wie erhofft. Was mich in letzter Zeit riesig gefreut hat, war die großartige Annahme unserer Corona-Gottesdienste, um die erste Verunsicherung der Pandemie gemeinsam durchzustehen. Auch auf Dekanatsebene konnte ich einiges mitgestalten: als Partnerschaftspfarrer und Bezirksobmann der Posaunenchöre.

Wie sieht ihre Seelsorge-Bilanz für die Gemeinde Affalterthal aus?

In den neun Jahren hier in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde durfte ich viele über ein gutes Stück Lebensweg hin begleiten. Vergangenes Jahr etwa habe ich das erste Kind einer ehemaligen Konfirmandin getauft. Natürlich waren in der ganzen Zeit nicht nur schöne und fröhliche Anlässe dabei, sondern auch viel Schweres und unverständliche Schicksalsschläge. Eben das ganze Leben! Ich bin sehr dankbar über das Vertrauen und die Offenheit, die mir als Pfarrer geschenkt wurden.

Wissen Sie schon, was Sie im neuen Wirkungskreis erwartet und was Sie in Bad Berneck tun werden?

Die Gemeinde in Bad Berneck will einen Schwerpunkt setzen bei der Vernetzung mit Familien, woran ich viel Freude habe. Und ich kann dort im Team mehrerer Hauptamtlicher arbeiten, was mir und meinem Verständnis von Gemeindearbeit sehr entgegenkommt. Es ist eine größere Gemeinde mit mehreren Kindertagesstätten, für die ich dann Verantwortung übernehme.

Wie sieht die Perspektive für die Pfarrstelle in Affalterthal aus?

Die ersten Gespräche mit der Kirchenleitung sind schon gelaufen und die Stelle wird nun so, wie sie ist, ausgeschrieben, so dass sie hoffentlich im Frühjahr neu besetzt werden kann. Allerdings ist zu erwarten, dass im Laufe der kommenden zwei bis drei Jahre mit der sogenannten Landesstellenplanung eine Veränderung kommen wird. Denn: Die Gemeinde ist leider zu klein, um langfristig von einer ganzen Pfarrstelle versorgt zu werden. Noch ist es aber nicht abzusehen, wie die Arbeit dann organisiert wird. Eins ist dabei aber klar: Es werden von der evangelischen Kirche keine Gemeinden aufgelöst oder zusammengelegt. Wir bedanken uns als Familie herzlich für die tolle Aufnahme in der Gemeinde und die gute Zeit miteinander. Und wir freuen uns natürlich auch über Besuch in Bad Berneck.