Der promovierte Wirtschaftsgeograph Andreas Rösch betreibt seit zehn Jahren Wirtschaftsförderung im Landkreis Forchheim. Die Zahl der Arbeitsplätze ist in diesem Zeitraum um zehn Prozent gestiegen.

Sie sind Wirtschaftsförderer. Gehört es zu ihrer Aufgabe, die Wirtschaft im Landkreis in eine bestimmte Richtung zu lenken?
Andreas Rösch: Es gibt da keine Kreis-Strategie, aber natürlich gibt es Ziele.

Welche?
Arbeitsplätze zu schaffen ist immer ein vorrangiges Ziel. In den 80er Jahren sind im Raum Forchheim unter anderem durch den Einbruch der Textilindustrie rund 4000 Arbeitsplätze verschwunden. Der Strukturwandel ist eines unserer großen Themen.
So ist es beispielsweise durch die Ansiedlung der Firma Siemens oder durch Dienstleister aus der IT-Branche gelungen, den Verlust der Arbeitsplätze aufzufangen.

Wie kann die Wirtschaftsförderung lenkend eingreifen?
Das kann sie, wenn in den Kommunen passende Bebauungspläne existieren und entsprechende Gewerbeflächen bereit gestellt werden. Das kann sie, indem sie etwa im Rahmen des Central Europe Programms Projekte anstößt wie zuletzt die Fachwerktouren in der Fränkischen Schweiz. Und lenken kann die Wirtschaftsförderung auch über die Beratung von Existenzgründern. Das ist vor allem das Feld meiner Kollegin Corinna Frühwald. Wir haben in zehn Jahren 600 Existenzgründer beraten. Das stärkt die Wirtschaft insofern, als es den Erfahrungswert gibt: Wer sich beraten lässt, hat eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit. Wichtig ist auch, jene zu warnen, deren Ideen nicht so gut sind. Etwa zehn Prozent, die ein Unternehmen gründen wollen, rücken nach der Beratung von dieser Idee wieder ab.

Gibt es auch nachhaltige Erfolgsgeschichten nach einer Beratung?
Ein gutes Beispiel ist die Firma SAM-Coating in Eggolsheim. Diese Hochtechnologie-Gründung kam zustande, weil durch die Beratung auch bestimmte Fördermittel ins Spiel kamen. In der Wirtschaftsförderung geht es meist darum zu moderieren. Insofern sind Entwicklungen steuerbar. Ein wichtiger Beitrag der Wirtschaftsförderung zum Strukturwandel ist das Unternehmensnetzwerk Fit. Da geht es nicht um Formalien. Der Sinn des Netzwerkes ist es, Geschäfte zu machen und Umsatz zu generieren.

Ist der wirtschaftliche Strukturwandel im Kreis Forchheim seit den 80er Jahren demnach gelungen?
Wir sind gut aufgestellt. Unsere Stärke ist, dass wir nicht monostrukturiert sind. Wie etwa der Raum Bamberg, der stark von der Auto-Industrie abhängig ist. Die Wirtschaft im Landkreis Forchheim ist sehr differenziert. Wir sind stark in der Medizin- und in der Dienstleistungsbranche, aber auch im Maschinenbau, wie etwa die Achsenfabrik Neunkirchen zeigt.

Drückt sich der Erfolg in Arbeitsplätzen aus?
Eindeutig ja. Wenn ich alleine auf jene zehn Jahre zurückblicke, seit ich hier als Wirtschaftsförderer arbeite. In dieser Zeit ist die Einwohnerzahl im Landkreis ziemlich konstant bei um die 113.000 Bewohner geblieben. Gleichzeitig ist die Zahl der Arbeitsplätze von 22.500 auf über 25.000 gestiegen. Die aktuelle Arbeitslosenzahl im Landkreis liegt im Schnitt bei 3,5 Prozent. Vor zehn Jahren lag sie bei sechs Prozent. In dieser Zeit ist die Zahl der Arbeitsplätze um zehn Prozent gestiegen.

Siedeln sich Firmen auch wegen der Menschen an, die hier als Arbeitskräfte zur Verfügung stehen?
Vor zehn Jahren war der demographische Wandel kein Thema. Mittlerweile beschäftigt uns das sehr. Humankapital ist ein komisches Wort, aber die Mitarbeiter im Raum sind ein großes Kapital, sie sind unser wichtiges Potenzial geworden. Und ein Geheimnis des Erfolgs ist die Lage. Ich unterscheide da die harten und die weichen Faktoren. Wir haben den Franken-Schnellweg, einen nahen Flughafen und leben im Dreieck der Universitäten Bamberg, Erlangen und Bayreuth. Hinzu kommt die tolle Lebensqualität.

Woran denken Sie?
Natürlich an das Annafest oder an das Kirschenfest in Pretzfeld und an das gesamte touristische Angebot in der Fränkischen Schweiz. Erst gestern hat ein Unternehmer im Gespräch die Unterscheidung von Ballungsraum und Lebensraum gemacht. Wir leben am Rande eines Ballungsraumes und haben in unserem Lebensraum eine hohe Qualität, um zu wohnen und zu arbeiten. Vor einer halben Stunde hat mich ein Däne aus Hausen angerufen. Er hat hier eine hoch qualifizierte Arbeitsstelle gefunden und wollte wissen, wo er seinen Sohn in die Schule schicken kann. Auch das gehört zur Wirtschaftsberatung.

Demnach ist die Wirtschaftsentwicklung im Landkreis am Ziel?
Man ist nie am Ziel. Entwicklung ist ja schon ein philosophischer Begriff, der permanente Veränderung einschließt. Dabei haben wir uns einen regionalen Entwicklungspfad vorgegeben. Der Mix aus klassischen Unternehmen und Dienstleistungsunternehmen ist entscheidend. Siemens spielt eine große Rolle, Stichwort Medical Valley. Aber auch da bleiben wir nicht stehen. Ich spreche daher gern von Wiesent-Valley, weil wir uns auch in jene Richtung ausdehnen.