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Adelsdorf
Pflanzenkunde

Lady Lavendel aus Franken

Eine Hawaiianerin in Schottland ist Schuld daran, dass die Fränkin Elke Puchtler die "Arzneipflanze des Jahres", Lavendel, mit Leib und Seele erforscht.
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Lieblingsplatz in der Lavendel-Oase: Elke Puchtler. Diana Fuchs
Lieblingsplatz in der Lavendel-Oase: Elke Puchtler. Diana Fuchs
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Mal die Augen schließen, ganz entspannt. Den Duft der Umgebung inhalieren. Das Kopfkino laufen lassen. Wir Menschen verlieben uns in Düfte - wir wählen sogar unsere Partner nach ihrem Geruch aus. Wir lassen uns verführen, verzaubern, manipulieren und auch abstoßen. Duftstoffe helfen uns täglich tausendfach, das, was wir sehen, einzuordnen. Einen besonders intensiven Duft verströmt die Arzneipflanze des Jahres. Und nicht nur das: Lavendel hat heilende Wirkungen und nicht zuletzt sogar kulinarisches Potenzial.

Elke Puchtler steht inmitten Tausender kleiner, violetter Blüten im Aromagarten von Erlangen (-> Seite 2). Sie bückt sich, nimmt einen tiefen Atemzug. "Alle Düfte sind mit Gefühlen belegt", sagt sie. Riecht es wie damals, als sie ihre Oma umarmt und den Kopf in ihrer Schürze vergraben hat? Oder versetzt sie der Geruch direkt zurück in die Provence, wo sie in 1200 Metern Höhe half, die lila-leuchtenden Büsche mit der Handsichel abzuernten? Die promovierte Biologin und Heilpraktikerin genießt. Und schweigt. Ihre Begeisterung für Aromapflanzen wie Lavendel teilt sie zwar gerne, aber vor allem möchte sie jeden ermutigen, sich auf seine ganz eigene Forschungsreise ins Land der Pflanzen zu begeben. "Für jeden gibt es eine Herzenspflanze!"

Ihre eigene stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, aber so richtig entdeckt hat die Adelsdorferin sie ausgerechnet im Norden Schottlands. Dort, im Seminarzentrum Findhorn, besuchte sie ein internationales Kräuterseminar, bei dem ihre hawaiianische Lehrerin sie bat, sich für den Kurs einen pflanzlichen Weggefährten zu suchen. Seitdem schätzt die Fränkin den Lavendel nicht nur als Gestaltungselement im Garten, als Bienen- und Schmetterlings-Weide, sondern experimentiert in der Küche mit ihm und nutzt seine medizinischen Kräfte. "Man könnte fast sagen, der Lavendel ist ein wahrer pflanzlicher Schutzengel für mich und meine Familie geworden."

Vor allem den Echten Lavendel (Lavandula angustifolia) hat die Biologin intensiv erforscht. "Was Johanniskraut bei Depressionen ist, ist der Echte Lavendel gegen Angst und Stress." Eine diffuse Angst habe gerade in Corona-Zeiten vielen Menschen zugesetzt. "Der Meister der Entspannung" - so nennt Elke Puchtler die beliebte Gartenpflanze - könne ihnen helfen. Und zwar sowohl in Form von ätherischem Öl als auch als Teeaufguss und Zutat in Speisen.

Von der drohenden Corona-Pandemie konnte der "Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" am Institut für Medizingeschichte der Uni Würzburg noch nichts wissen, als er den mediterranen Lippenblütler zur Arzneipflanze des Jahres 2020 kürte. Grund war vielmehr, dass die Inhaltsstoffe des Lavendels - neben ätherischem Öle vor allem Gerbstoffe, Terpene, Bitterstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe - nachweislich heilend wirken: entkrampfend, verdauungsfördernd und antibakteriell für den Körper, nervenberuhigend und angstlösend für die Seele.

"Als promovierte Biologin hatte ich zunächst einen rein wissenschaftlichen Blick", erzählt Elke Puchtler. "Erst später kam mein Interesse für die spirituellen und kulinarischen Aspekte von Pflanzen dazu." Mittlerweile ist das eine ohne das andere für sie undenkbar: "Wissenschaft und Pflanzenheilkunde durch Erfahrung gehören für mich zusammen. Sie ergänzen einander, wenn wir es zulassen." Die Fränkin bedauert sehr, dass die Pflanzenheilkunde "keine Lobby" habe und damit auch kaum Gelder für klinische Forschung erhält - "obwohl In-Vitro-Studien bei SARS und MERS gezeigt haben, dass es Pflanzen geben könnte, die die Ausbreitung von Krankheitserregern verhindern."

Mehr auf die Natur zu schauen, könnte der medizinischen Forschung nicht schaden, ist die Lavendelexpertin sicher. Sie wünscht sich, dass auch bei Covid-19 (Corona) das phytotherapeutische Potenzial überprüft wird. "Ich habe gelernt, dass 'immer der Nase nach' nicht der schlechteste Ratgeber ist."

Standort und Pflege

Sonnenanbeter: Kalkhaltiger, magerer, durchlässiger Boden - gern auch steinig - und viel Sonne bieten optimale Bedingungen für kraftvolles Lavendel-Wachstum. Vor allem niedrige, kompakte Sorten lassen sich auch gut in einem Topf (mit Loch im Boden) kultivieren, dessen untere Schicht aus Tonscherben oder Kieselsteinchen besteht. Darüber gibt man je ein Drittel Gartenerde, Sand und Humus/Kompost. Rückschnitt: Ein beherzter Rückschnitt nach der ersten Blüte - spätestens Mitte/Ende Juli - hält den Lavendel schön kompakt und verhindert eine frühzeitige Verholzung. Zudem treibt die Pflanze danach noch einmal durch und erfreut durch eine leichte Nachblüte im Herbst. Buch: Die promovierte Biologin und Heilpraktikerin Dr. rer. nat. Elke Puchtler, Jahrgang 1963, gibt ihre Begeisterung für das heilende Potenzial von Pflanzen in Vorträgen, Kursen und Führungen weiter; und in ihrem Buch "Lavendelschätze", pala Verlag, ISBN 978-3-89566-377-2.

REZEPT: Lavendel-Honig-Sahneeis

Für warme Sommertage hat Elke Puchtler einen erfrischenden Rezeptvorschlag: zart schmelzendes Lavendel-Honig-Sahneeis. Für vier Portionen braucht man:

• eine halbe Vanilleschote

• 1,5 TL Lavendelblüten

• 250 ml Milch

• 2 Eigelb

• 75 g Lavendelhonig

• 150 ml Sahne Die Vanilleschote und das herausgekratzte Mark mit den Lavendelblüten zur Milch geben, aufkochen, von der Platte nehmen und 15 Minuten ziehen lassen. Durch ein Sieb gießen, abkühlen und im Kühlschrank kalt werden lassen. Eigelbe mit Lavendelhonig schaumig rühren, Sahne steif schlagen. Die kalte Lavendelmilch unter die Eiercreme rühren, Sahne unterheben. In der Eismaschine 35 bis 40 Minuten kalt rühren lassen.

Guten Appetit!

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