Die drei Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Kirchehrenbach haben sich zu einem Heimatprojekt zusammengeschlossen. Ziel ist es, bessere Versorgungsstrukturen in allen Ortsteilen zu schaffen. "In der Heimat leben" wird von Anneliese Iser von der Caritas geleitet, von ihr wird die "Quartiersarbeit" vor Ort vertreten. Hinter dem Fachbegriff versteckt sich die Förderung guter nachbarschaftlicher Beziehungen. Es gilt dabei, die vorhandenen Ressourcen und das gesellschaftliche Engagement zu bündeln, bewährte Strukturen aufzugreifen und weiterzuentwickeln. Insgesamt sollen die Einflussmöglichkeiten der Bewohner aufgewertet und stabilisiert werden. Iser arbeitet dabei mit dem Fachkonzept Sozialraumorientierung des Deutschen Caritasverbandes.

Dienstzimmer in der Bücherei

Ihr Dienstzimmer ist im Kirchehrenbacher Büchereigebäude. An der Tür hängt das Logo des interkommunalen Projekts. Erich Müller hat drei fränkisch spitzgieblige Häuser vor der Silhouette des Walberla platziert. Die Bürgermeister Anja Gebhardt (SPD, Kirchehrenbach), Florian Kraft (FW, Leutenbach) und Marco Friepes (CSU/AB, Weilersbach) erkennen darin ihre Orte gut. Ein entscheidender Punkt wurde nun erreicht: Zum einen kam die Förderzusage für drei weitere Projektjahre, zum anderen ist die Sozialraumanalyse fertiggestellt. In ihr trug Iser neben Statistiken der drei Kommunen die Ergebnisse einer Befragung aller 2690 Haushalte und Interviews mit Schlüsselpersonen sowie von ersten Bürgertreffen zur Themenfindung vor.

Pflege ist Hauptthema

"Es ist jetzt schon ein schöner Mehrwert, dass die Räte aller drei Gemeinden zu einer gemeinsamen Sitzung zusammenkamen; selten haben wir so ein spannendes Ergebnis", berichtet Weilersbachs Bürgermeister Friepes. So heterogen die drei Gemeinden von Lage und Struktur her sind, hat sich schnell und übereinstimmend ein Thema herauskristallisiert: der ganze Komplex Pflege.

An zweiter Stelle steht "Treffpunkt, Begegnungsmöglichkeiten", erläutert Iser. In Weilersbach, so ergänzt Marco Friepes, sah es zuerst so aus, als beklagten Bürger Informations- und Beratungsmangel. Ihr Problempunkt sei ebenfalls Leben im Alter gewesen. "Ideal, dass jetzt alle drei Gemeinden an einem Tisch sind", findet Friepes.

Videokonferenz statt Treffen

Für Anfang Dezember war das erste themenspezifische Treffen angedacht. Um den Prozess nicht zu verzögern, muss es als Videokonferenz durchgeführt werden. Das habe, so Iser, den Vorteil, dass auch Personen teilnehmen können, die aus Zeitgründen nicht zu einer Präsenzveranstaltung könnten. Technisch sei es in allen Ortsteilen möglich, sich einzuklinken. "Selbst in Seidmar haben wir ein gutes Internet", versichert Kraft für Leutenbach.

"Damit es sich nicht verläuft und stehenbleibt, müssen wir weitermachen", betont auch Kirchehrenbachs Bürgermeisterin Gebhardt. Sie weiß, dass ihre Mitbürger sehr an Tagespflege, Essen auf Rädern und Ansprechpartnern für Bedürftige interessiert sind. Dabei gehe es auch um die Jüngeren, die sich um die Älteren kümmern, ergänzt Kraft. "Es ist ein großer Wert", konstatiert Friepes, "wenn man seinen Lebensabend in der gewohnten Umgebung mit alten Weggefährten verbringen kann."

Die Strategie

Iser präzisiert die Strategie: Zuerst ginge es um das, was Menschen mit irgendeinem Handicap bräuchten, damit sie lange hier bleiben könnten. Dann gehe es um die Bedürfnisse der anderen, um sie zu entlasten. Dazu gehört für sie auch die Frage nach Treffpunkten, so wie es früher das Milchbänkchen gab. Besonders bei Jugendlichen und jungen Familien sieht sie hier Bedarf.

Erstaunlich für alle war, wie viele Bürger erklärten, sie wollten sich gern ehrenamtlich engagieren. Die Aufgabe wird sein, sie mit denen, die schon engagiert sind, zusammenzubringen. Einfach Hemmschwellen abbauen, meint Friepes. "Nicht hinterher meckern, sondern kommen und mitmachen", dazu fordert er auf. Man könne jederzeit quereinsteigen, betont auch Iser. Denn mehr Wissen und Austausch führten zu mehr Zufriedenheit.

Online-Treffen

Ein geplantes reales Treffen kann nicht stattfinden. Die Onlinekonferenz zum Thema "Pflege und Entlastungsleistungen" findet am Donnerstag, 10. Dezember, von 18.45 Uhr bis circa 20.15 Uhr statt. Annika Popp, Pflegedienstleitung der Caritas-Sozialstation und der Tagespflege in Ebermannstadt, wird dabei sein und ein kurzes Referat über die Angebote vor Ort und die aktuelle Situation halten.

Interessierte Bürger der VG Kirchehrenbach sollten Projektleiterin Anneliese Iser eine E-Mail schreiben, dann erhalten sie die Zugangsdaten zu dem Onlinetreffen zugesandt. Kontaktdaten: Pfarrstraße 1, Kirchehrenbach; Telefon 0174/6019484, E-Mail anneliese.iser@caritas-bamberg-forchheim.de.