Klaus Wiehgärtner und seine Mitschüler waren die ersten Abc-Schützen, die in der neuen Grundschule in Gräfenberg eingeschult wurden. Inzwischen hat Klaus Wiehgärtner sechs Schulleiter und 90 Lehrer erlebt. Nach 33 Dienstjahren als Hausmeister wurde Klaus Wiehgärtner in den Ruhestand verabschiedet. "Er ist ein Mensch mit Ecken und Kanten, sehr direkt und von allen geschätzt", sagt Schulleiter Thorsten Götz. Mehr noch: "Klaus Wiehgärtner hat die Schule immer als seine gesehen, war über das normale Arbeitsmaß hinaus für die Schule da und hat sich immer für die Schule eingesetzt. Er ist eine Institution." Überall in der Schule hat Wiehgärtner seine Handschrift und Spuren hinterlassen. Ein großer Vorteil für die Grundschule ist des Hausmeisters Faible für Technik und Computer. "Das hat er in Eigenregie auf Vordermann gebracht", weiß der Schulleiter. Genau diese Selbstständigkeit bei den vorgegebenen Aufgaben war es, was Wiehgärtner an der Arbeit, zu der auch die Pflege der Grünanlagen bei den Spielplätzen gehörte, so schätzte. Doch Klaus Wiehgärtner hatte nicht nur in diesen Bereichen das Wissen und Geschick, sondern auch den richtigen Draht zu den Kindern. "Die schönsten Erinnerungen an die Schule sind der Umgang mit den Kindern", sagt Wiehgärtner und meint damit das typisch fränkische Geplänkel und Gefrotzel, das die Kinder so liebten. Außer jetzt zur Corona-Zeit. "Da ging es nur aus der Distanz heraus. Mein letztes Jahr habe ich mir anders vorgestellt", bedauert der beliebte Hausmeister, der als Feuerwehrler den über tausend Kindern auch die Aufgaben einer Wehr vor Ort erklärte. Dass er in seiner ersten Bildungsstätte einmal arbeiten wird, hat Klaus Wiehgärtner als Steppke nicht geahnt, als er mit 50 anderen Schülern die Schulbank in der neuen Grundschule drückte. Doch die drei Schichten bei Siemens waren einige Jahre später für den Gräfenberger, der inzwischen Papa eines Sohnes war, doch belastend. Die Hausmeisterin der Grundschule hörte auf, ein Nachfolger wurde gesucht und Klaus Wiehgärtner bewarb sich.

Gleich beim Wohnhaus

Beim Kommunalunternehmen KUG in Gräfenberg wurde er dann als Hausmeister für die Grundschule, die gleich gegenüber seines Wohnhauses ist, eingestellt. Damals war die Schule nicht mehr neu, eher marode in vielen Dingen. Da sich Klaus Wiehgärtner neben seinem Aufgabenbereich immer Arbeit suchte und umsetzte, wurde die Schule in den vielen Jahren zum Wertobjekt, wie etwa bei den vormals unschönen grünen Wänden. Ein Farbkonzept wurde erstellt und Klaus Wiehgärtner ließ jedes Klassenzimmer entsprechend farblich neu erstrahlen, ebenfalls die Gänge und die Turnhalle.

Leitungen gezogen

Telefon gab es zu seiner Anfangszeit nur in der Verwaltung. Klaus Wiehgärtner zog Leitungen, und nun kann selbst in der Turnhalle ein Anruf entgegengenommen werden. Dasselbe passierte Jahre später, als das Internet in die Schule einzog. Der Hausmeister fertigte auch Pinnwände, jede gut 2,50 Meter lang für jedes Klassenzimmer und für die Flure, damit die Schüler ihre Arbeiten ausstellen konnten. In den Sommerferien wurde die Schule grundgereinigt. Viele weitere Arbeiten wurden unter Klaus Wiehgärtners Handschrift und Unterstützung erledigt: Projekt Insektenhotel, Anlegen des Schulgartens samt Holzterrasse, Bau von Hochbeeten, ein großer Gartenteich, Umgestaltung des Sportplatzes und Arbeiten in der Turnhalle bei der Sanierung. Stark gemacht hat sich der Hausmeister auch für eine neue Bühne samt Technik. Diese hat er bekommen, wird sie aber nicht mehr nutzen. Während er noch mit einer Leiter sieben Meter in der Turnhalle in die Höhe kletterte, um die Scheinwerfer anzubringen und die Bühne mühevoll aufbaute, ist nun eine Alu-Bühne angeschafft worden, die einfach zusammengesteckt wird. Aufzüge an der Decke ziehen die Scheinwerfer nach oben. Als Hausmeister wird er die neue Errungenschaft nicht in Betrieb sehen, aber so schnell will er auch nicht in den richtigen Ruhestand gehen. "Am Montag sperre ich die Schule auf, weil die Handwerker kommen", sagt Wiehgärtner schmunzelnd. Und seinen Nachfolger Max Leitner weist er auch noch ein.