Die Äcker am Weg zur Sandgrube in Oberheroldsbach sind - wie der Name andeutet - mager. Lockerer Sand wechselt mit Ton und Sandstein ab; die Fähigkeit, Wasser zu speichern, ist gering. Einen Acker dort hat Rudi Eisen schon vor Jahren mit Miscanthus bepflanzt; als Heizmaterial und als Einstreu wird das Chinaschilf verwendet.

Für den 55-jährigen Nebenerwerbslandwirt hat das den Vorteil, dass er nicht jedes Jahr das Feld bestellen muss, sondern nur im Frühjahr die dürren Stängel ernten muss. "Ich will ordentlich bewirtschaftete und nicht ausgebeutete Flächen meinen Nachkommen hinterlassen", nennt er als Motiv, dass er nun daneben im zweiten Jahr zwei Hektar Silphie in Heroldsbach anbaut.

Auf eigene Rechnung

Er hatte sich vergangenes Jahr für das Test- und Förderprogramm der Regierung beworben, war aber der 112. Bewerber und nur 100 wurden bezuschusst. Das hat ihn erst einmal gefuchst. Da zwei seiner Brüder Imker sind, hat er sich entschlossen, auf eigene Rechnung einen Versuch mit dem Korbblütler aus Nordamerika zu machen.

Für die Brüder ausschlaggebend ist die späte Blütezeit der an kleine Sonnenblumen erinnernden hochwüchsigen Pflanze. Durch ihren Nektar und ihre Pollen können Bienenvölker noch einen dicken Wintervorrat einsammeln. Denn etwa Mitte August schleudert der Imker den Honig aus Sommerblüten. Danach sammeln die Bienen natürlich weiter, für sich selbst.

Trockene Sommer

Aber - und das ganz besonders in trockenen Sommern - es blüht fast nichts mehr. Nach der Heuernte sind heuer die Wiesen eher vertrocknet, als dass Gras und Blütenpflanzen fürs Grummet (zweiter Schnitt) aufgekommen wären. Die Silphie kann sich gegen Trockenheit schützen. Ihre Blätter sind becherförmig um den Stängel angelegt, so dass sich dort Regen und Tau sammeln.

Im ersten Jahr hatten es die Silphie-Pflanzen und auch Rudi Eisen nicht leicht. Ohne menschliche Hilfe würden die mehrjährigen Stauden sich nicht gegen die gängigen Ackerwildkräuter wie Kamille und Kornblumen durchsetzen können. Mehr oder weniger von Hand hat ihnen Eisen den nötigen Freiraum verschafft. Die Alternative ist Spritzen, was aber bei den mageren Böden nicht geklappt hat. "Man muss nur im ersten Jahr einmal Herbizide spritzen", betont Eisen ausdrücklich. Beim einjährigen Mais muss das jedes Jahr sein. Wie groß der Unterschied im Spritzmitteleintrag ins Grundwasser ist, kann man sich leicht ausrechnen.

In diesem Jahr sind die Pflanzen gewaltig in die Höhe geschossen, auch wenn man die unterschiedliche Bodenqualität an ihrem Wuchs deutlich merkt. Bis zu zweieinhalb Meter können das sein. Dementsprechend groß ist die Biomasse; sie liefert etwa 80 Prozent der Energie von Mais, wenn sie gehäckselt zu Biogas verarbeitet wird.

Biogaswerk in Trailsdorf

Zum Ausgleich hat Eisen mit seinem Abnehmer, dem Biogaswerk Ackermann in Trailsdorf, vereinbart, dass er sowohl Mais von seinen anderen Äckern als auch Silphie anliefert. Den Rückgewinn aus der Gärmasse holt sich Eisen zurück und bringt ihn als Dünger auf seinen anderen Äckern aus. Er ist sehr nährstoffreich.

Die Energieausbeute ist der einzige Punkt, an dem der Mais Silphie übertrifft. Landwirt Eisen hat akribisch die beiden Pflanzenarten, die er selber anbaut, gegenübergestellt. Mais braucht viel Dünger; er gilt als Bodenzehrer. Silphie dagegen puffert Stickstoff in ihren tiefgründigen Wurzeln. Dabei durchlüftet das Wurzelwerk auch den Boden und lässt die Pflanze an Wasser gelangen. Das ist ein entscheidender Vorteil auf sandigen Böden, die wenig Wasser speichern können. Insgesamt sorgt Silphie für Humusaufbau.

Nochmal kurze Triebe

Ein Maisacker ist nach der Ernte meist kahl, weil es zu spät im Jahr für eine Zwischensaat ist. Die Silphie dagegen treibt nach dem Schnitt noch einmal kurze Triebe. Sie bilden im Winter einen niedrigen grünen Bestand. Das dient zum einen dem Erosionsschutz, zum anderen Niederwild als Unterstand. Ein spezielles Heroldsbacher Problem gibt es bei Silphie nicht: In den weiten Flächen des Markwalds leben viele Wildschweine und sie lieben Mais, verschmähen aber die andere "Amerikanerin".

Auch die Kostenseite hat sich Eisen genau angeschaut. Für einen Hektar Silphie musste er 2000 Euro aufwenden. Bei einem Hektar Mais kommen Saatgut, Dünger und Spritzmittel auf rund 300 Euro pro Jahr. Dabei hat er nicht einkalkuliert, wie teuer der mehrmalige Maschineneinsatz im Jahr für Umbrechen, Säen, Düngen und Spritzen kommt. Der Gewinn liegt in der Lebensdauer einer Silphie-Anpflanzung. Von rund 15 Jahren gehen die Fachleute aus. Und der Gewinn liegt auf der Seite des Bauern, dass er deutliche weniger Arbeit aufwenden muss - für einen Nebenerwerbslandwirt ist das nicht zu unterschätzen.