In nur drei Stunden hatten 420 Menschen unterschrieben. Sie sprachen sich für eine Grüne Welle auf den Allee-Straßen durch Forchheim aus und protestierten gegen das nervenaufreibende "Stop and go". Das war im April. "Die Leute waren bis aus Reuth in die Stadt gefahren, nur um sich in die Unterschriftenliste einzutragen", erinnert sich Bernhard Donath, Vorsitzender des Freien Bürgerblocks Forchheim (FBF).

Doch das Hochgefühl der FBF-Aktivisten ist dahin. "Die Leute warten darauf, dass etwas passiert", sagt FBF-Stadtrat Heinz Endres. Die Anträge des Freien Bürgerblocks, die Schreiben an das Straßenbauamt, die Anrufe - all das habe aber seitdem nichts bewirkt.

Zuletzt hatte sich der Bürgerblock im November mit einem Antrag an Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO) gewandt. Die Stadt möge sich mit dem Straßenbauamt, der Polizei und der Firma Siemens (sie ist für die Wartung der Ampeln zuständig) zusammensetzen - und für eine Grüne Welle sorgen. "Das Straßenbauamt reagiert auf keine Bitte", sagt Donath. Auch nach "mehreren Verkehrszählungen" habe sich niemand zu den Ergebnissen geäußert.

Einfluss der Südumgehung
Ganz andere Erfahrungen hat Roland Brütting gemacht, der Chef des Sachgebietes "Straßenverkehr" bei der Stadt Forchheim: "Wir sind ständig in Kontakt mit Bamberg." Nach der Freigabe der Südumgehung habe das Straßenbauamt wiederholt den Verkehr gezählt. "Es ist sinnvoll, abzuwarten, bevor kostspielige Änderungen vorgenommen werden". Nach vielen Experten-Gesprächen steht für Brütting mittlerweile fest: "Aufgrund der baulichen Gegebenheiten kann es in Forchheim keine Grüne Welle in beiden Richtungen geben." Das habe mit den abbiegenden und mit dem einmündenden Verkehr zu tun.

Hans Schneider, der Pressesprecher der FBF, sieht es anders: Im Verkehrssicherheitskreis habe sich im August Klaus Mühleck zu Wort gemeldet, der Ampel-Experte der Firma Siemens. Mühleck habe die Qualität des Verkehrsflusses bewertet und auf einer Skala zwischen A (sehr gut) bis F eingeordnet. Demnach sei die Situation auf den Allee-Straßen mit B (gut) zu bewerten. Doch die Situation sei "offensichtlich nicht gut", betont Schneider.



Für Roland Brütting aber ist die Bewertung von Klaus Mühleck nachvollziehbar: "Die Abstände zwischen den Ampeln sind für eine durchgehende Grüne Welle nicht geeignet. Zu unterschiedlichen Zeitpunkten sind unterschiedliche Programme notwendig."

Subjektive Erfahrung täuscht
Wer sich auf die Grüne Welle in anderen Städten berufe, gehe lediglich "von seiner subjektiven Erfahrung in bestimmten Momenten aus", betont Brütting. "Auch in Bamberg gibt es die Grüne Welle nur zu manchen Tageszeiten." Im Gegensatz zu Hans Schneider findet Roland Brütting daher die Aussagen des Ampel-Experten Klaus Mühleck "völlig einleuchtend".

FBF-Stadtrat Manfred Mauser ist überzeugt, dass die neu gebauten Kreuzungen der letzten Jahre im Ampel-Schalt-Programm gar nicht enthalten sind. Das vermutet auch Heinz Endres, seitdem er zwei Wartungstechniker der Firma Siemens in Forchheim getroffen habe. Das Duo verriet dem FBF-Stadtrat: "Die Einmündung Jahn-Straße ist im Ampelprogramm gar nicht enthalten."

Doch Roland Brütting warnt vor der Illusion, die Grüne Welle sei durch modernere PC-Technik zu verwirklichen: "Es kann noch an einigen Stellschrauben gedreht werden, aber man wird es nie in den Griff kriegen. Dafür ist das Verkehrsaufkommen insgesamt einfach zu groß geworden."