Ein "wahnsinniges Defizit" sei unvermeidbar, sagt Walter Mirschberger. Seit den 80er Jahren managt er das Bäderwesen in der Stadt Forchheim. Als vor zehn Jahren das Königsbad gebaut wurde, sei dies ein Highlight seiner Karriere gewesen, sagt Mirschberger. Doch in jüngster Zeit ist der "Bäderchef", wie er in Forchheim salopp genannt wird, vor allem mit Krisenmanagement beschäftigt.

Das hat mit den seit Jahren laufenden Gerichtsprozessen (wegen Baumängel im Königsbad) zu tun; mit dem Ringen um die Sanierung, die nun endlich im Sommer beginnen wird - und natürlich mit der Corona-Pandemie.

Mirschbergers Hinweis auf das zu erwartende Defizit bezieht sich vor allem auf die Corona-Lage: Zwar wird dem Betriebsleiter Christian Lenkl von den Badegästen und von der Kommunalpolitik bestätigt, dass in Forchheim das Baden unter Pandemie-Bedingungen vorbildlich organisiert worden sei; doch an den einbrechenden Besucherzahlen konnte das nichts ändern. Etwa durften während des Indoor-Betriebes nicht mehr als 150 Gäste gleichzeitig in die Schwimmbecken.

2019, so ist es dem aktuellen Jahresbericht des Königsbades zu entnehmen, waren die Besucherzahlen noch stabil: Wie schon 2018 waren um die 330 000 Badegäste gekommen. "Die Zahlen des Jahres 2020 will ich mir noch gar nicht anschauen", sagte Walter Mirschberger im Finanzausschuss am Mittwoch, als er einen "unwahrscheinlichen Einbruch" prognostizierte.

Pessimismus ist gefragt

Es sei angebracht, "pessimistisch vorauszudenken", meinte ein sonst eher optimistisch gestimmter Hans-Werner Eisen (CSU). Ein "Silberstreif am Horizont" sei frühestens 2022 zu erwarten.

Weil der "Kassensturz 2020 unerfreulich sein" werde, müssten neue Finanzierungstöpfe aufgemacht werden, forderte Ulrich Schürr (CSU). "Denn die Kerbe, die jetzt geschlagen wird, ist so tief, dass die Defizite auch in drei Jahren nicht aufgefangen werden können."

Die von Schürr benannten Töpfe hat Bäderchef Mirschberger bereits im Blick. Im Finanzministerium werde über eine Unterstützung der Schwimmbäder nachgedacht. Wahrscheinlich werde es eine Förderung geben. Zumindest für den Lockdown im November. Mirschberger hofft auf "Mittel aus Berlin": Sie würden vermutlich den November-Einnahmen des Jahres 2019 entsprechen.

Doch Hans-Werner Eisen erinnert daran, dass die "Wahrheit über die Finanzlage des Königsbades" ohnehin erst nach der Sanierung ans Tageslicht kommen werde. Die Stadträte stehen einmütig hinter dem Sanierungsbeginn. Walter Mirschberger geht davon aus, dass es idealerweise im Mai losgeht. Rund neun Monate werde sie dauern, mindestens 1,3 Millionen Euro werde die Erneuerung kosten.

Die spannende Frage sei, wie die gerichtliche Auseinandersetzung endet. Sollte sich bewahrheiten, was Walter Mirschberger vermutet, dass nämlich 1100 Meter Rohre zerstört wurden, weil die Chlordioxid-Anlage falsch eingestellt war, dann wird die Stadt den Prozess gewinnen - und einen hohen Teil der Sanierungskosten wieder einspielen.