Ja, sagt Otwin Schneider, er werde oft belächelt. Aber seine kämpferische Haltung werde er nicht ändern. "Man muss handeln, um Ärgeres zu verhindern", diesem Grundsatz folgt Otwin Schneider seit sechs Jahren. Solange schon konfrontiert er die Deutsche Bahn und die Stadt Forchheim mit seiner Kritik am ICE-Ausbau. Als Antreiber der Bürgerinitiative Forchheim-Nord hat er viel erreicht. Der Bau des S-Bahn-Haltes im Stadtnorden wäre ohne sein Engagement schwerlich denkbar.

Doch mittlerweile stößt sein Engagement kaum noch auf Resonanz. Jüngstes Beispiel: Die Rodung einer Grünfläche zwischen Adalbert Stifter-Schule und Dietrich Bonhoeffer-Straße. Ein Nachbar von Otwin Schneider meint: Die Verdienste des BI-Sprechers seien unbenommen. "Doch was die Bahn jetzt macht, ist völlig legitim. Ich erwarte nicht, dass sie uns über jeden Schritt benachrichtigt. Außerdem waren die gefällten Bäume so wertvoll nicht."

Nach 60 Jahren umgesäbelt

Mindestens zehn Bäume seien "abgeholzt worden", sagt Otwin Schneider bei einem Gang durch das kahle Gelände. Er zeigt auf einen Stumpf: "Der Baum war 60 oder 70 Jahre alt, den hat man auch noch umgesäbelt."

Das platt gemachte Gelände ist der Vorbote für den Baubeginn des S-Bahn-Haltepunktes. So sehr Schneider das Projekt begrüßt, so zornig machen ihn die vielen ungeklärten Fragen. Als Lagerplatz und Bauzufahrt sei das Areal neben der Stifter-Schule völlig ungeeignet: "Die Schüler werden monatelang unter dem Staub und dem Lärm leiden. Und wozu braucht die Bahn ein 30 Meter tiefes und 50 Meter langes Gelände als Zufahrt? Das ist sehr komisch, zumal die vier Meter hohe Lärmschutzwand im Weg steht, wollen sie die abreißen?"

Bei der Stadtverwaltung stößt Otwin Schneiders Kritik auf Unverständnis. Die Öffentlichkeit sei in einem "jahrelangen Planfeststellungsverfahren" an diesem Bauvorhaben beteiligt gewesen, sagt Stadtsprecherin Britta Kurth. "Wie gesetzlich vorgeschrieben, lagen die Pläne für die Infrastrukturmaßnahme über Wochen aus und wurden auch immer wieder in den Gremien des Stadtrates diskutiert."

Die Stadt habe wiederholt auf die Möglichkeit hingewiesen, "dass Betroffene Einspruch gegen Maßnahmen erheben können", betont Kurth. Zudem sei der Bau der Unterführung samt einer barrierefreien Rampe ein "Verlangen" der Stadt Forchheim. Mit anderen Worten: Die Rodung der Grünfläche sei Teil eines "ausdrücklichen Wunsches", der jetzt von der Bahn AG umgesetzt werde.

Dennoch beklagt auch Eduard Nöth (CSU-Kreisrat und Mitstreiter in der BI Forchheim-Nord), dass Stadt und der Bahn den Baumbestand "ohne Vorankündigung gerodet" hätten. "Hier gab es keinerlei Proteste, kein Baumanketten, keine Diskussion über Alternativen einer Zufahrt zur künftigen Baustelle."

Entsetzen und Ausgleich

Die Anspielung auf das "Anketten " zielt in Richtung der Grünen, die in der Vergangenheit mit solchen Aktionen um wertvolle Bäume in Forchheim gekämpft hatten. Doch Stadträtin Edith Fießer (FGL) widerspricht dem Vorwurf, im Stadtnorden sei heimlich agiert worden. "Dass hier Lagerflächen für die Bahn geschaffen werden, das ist lange bekannt." Bekannt sei auch, dass das Liegenschaftsamt sehr gut mit der Bahn verhandelt habe. "Natürlich bin ich als Naturschützerind und Grüne Stadträtin entsetzt, wenn Bäume gerodet werden. Aber in diesem Fall wird es einen guten Ausgleich geben", ist Fießer überzeugt.

Stadtsprecherin Britta Kurth erinnert daran, dass im August ein Gutachter vor Ort gewesen sei: "Er hat die Bäume erfasst. Wir sind großzügigst entschädigt worden und es wird nach den Baumaßnahmen wieder eine Begrünung geben." Die Ausgleichszahlung der Bahn belaufe sich auf einen "mittleren sechsstelligen Betrag".

Wenn Otwin Schneider das hört, schüttelt er nur verständnislos den Kopf: "Wenn sich die Bahn so großzügig zeigt, da müssen doch die Alarmglocken schrillen." Die Bahn habe es sich "wieder mal leicht gemacht". Ein unbefestigtes Gelände für die Lagerung zu erschließen, das "wäre teuer gewesen", meint Schneider: "Stattdessen hat man schnell ein befestigtes Gelände gerodet. Und die Stadt Forchheim hat sich wieder als leichtgläubig erwiesen."

Schneider fühlt sich an die "verpfuschte Planung für die Piastenbrücke" erinnert. "Es rächt sich immer wieder, dass die Stadt Forchheim niemanden freistellt, der sich ausschließlich um die ICE-Planung kümmert." Folge sei, dass viel Geld in den Sand gesetzt werde - und dass die Bürger mehr als nötig unter dem Trassenbau zu leiden hätten.