Über dem Jungen Theater liegt symbolisch die Dornenhecke. Der Forchheimer Kulturbetrieb in der Kasernstraße 9 steht wegen Corona komplett still. Hinter den Kulissen des Vereins, bei dem aktuell fast 600 Mitglieder dabei sind, ist allerdings vieles in Bewegung. Am Montag, 21. Dezember 2020, hat der Kreistag dem Jungen Theater Forchheim (JTF) den Kulturpreis des Landkreises verliehen. Es ist die höchste Auszeichnung für kulturelle Verdienste im oder für den Landkreis Forchheim. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Im Doppelinterview mit dem Fränkischen Tag verraten die Vereinsvorsitzenden Ulrich Raab und Robert Hübschmann, wie die Kleinkunstbühne, die vor fünf Jahren aus finanzieller Not fast hätte schließen müssen, es soweit geschafft hat.

Erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung. Was bedeutet so ein Kulturpreis für einen Kulturverein?

Ulrich Raab: Natürlich sind wir hoch erfreut. Das Junge Theater wird mit seinen mannigfaltigen kulturellen Aktivitäten in Stadt und Landkreis wahrgenommen. Der Preis ist für uns auch Ansporn, unsere Rolle als Kulturträger fortwährend zu überdenken, Bewährtes beizubehalten, aber auch nach neuen Wegen zu suchen.

Robert Hübschmann: 2015 haben wir noch befürchtet, zumachen zu müssen, weil wir nicht mehr wussten, wie wir unsere Leute finanzieren können. Damals wurde das Theater fast nicht bemerkt. Der Stellenwert der Kultur ist eigentlich erst in den vergangenen Jahren präsenter geworden. Vielen ist heute bewusst, Kultur ist kein weicher Standort- und Wirtschaftsfaktor. Inzwischen sagt man: Kultur ist das, was das soziale Zusammenleben ausmacht. Kultur ist der Kitt unserer Gesellschaft.

Wie ist das JTF zu dem geworden, was es heute ist?

Raab: Wir sind stolz ein derart breites Kulturangebot zeigen zu können. Möglich ist dies dank der über 30 Jahre im Verein angesammelten Kompetenz. Viele herausragende Veranstaltungen tragen die persönliche Handschrift unseres Künstlerischen Leiters Lorenz Deutsch. Deren Durchführung wird ermöglicht durch das enorme ehrenamtliche Engagement der Mitglieder. Das Junge Theater ist mit seinem laufenden Programm aus den Sparten Kabarett, Comedy, Varieté, Musik und Theater einerseits kultureller Grundversorger in der Region. Andererseits besticht das Junge Theater mit einigen herausragenden Großveranstaltungen wie dem ZirkArt-Festival, Kneipenfetzt oder die Beteiligung an den städtischen Afrika-Kulturtagen.

Was waren die größten Meilensteine und Ereignisse?

Raab: Mit ZirkArt wagten wir uns 2012 an ein außergewöhnliches Projekt und haben gezeigt, dass auch Großveranstaltungen möglich sind. Für mich war ein weiterer Meilenstein der Kulturpuls im Kolpinghaus 2018, bei dem sich das Kolpinghaus zu einem Kulturzentrum verwandelt hat. Das war auch ein Signal an die Politik. Schaut, was in Forchheim durch Visionen und Ehrenamt möglich ist!

Das Jahr 2020 war auch für das JTF hart: Wie schlimm haben die coronabedingte Schließung und die Einschnitte das Theater getroffen?

Raab: Schweren Herzens mussten wir unser laufendes Programm im Theater und Veranstaltungen wie das fünfte Zirk-Art-Festival, das Kneipenfetzt oder die Afrika-Kulturtage absagen. Wo immer sich nach dem ersten Lockdown eine Perspektive gezeigt hat, verantwortungsvoll Kulturveranstaltungen durchzuführen, haben wir versucht, diese auch zu ermöglichen: Beginnend mit dem Open-Air-Veranstaltungswochenende in der Kaiserpfalz im Juli hat der Verein Erfahrungen mit Hygienemaßnahmen gesammelt und sein Konzept stets erweitert. Zuletzt wurden im Jungen Theater wieder Publikum wie auch Künstler begrüßt, wenn auch nur zu einem Bruchteil der üblichen Kapazität. Nun muss der Kulturbetrieb aktuell landesweit wieder ruhen, weshalb auch auf unserer Bühne im Moment zwangsläufig nichts geschieht.

Hübschmann: Wir haben hart gearbeitet, sämtliche Fördermaßnahmen und Coronahilfen in Anspruch nehmen zu können. Zum Glück haben wir eine sehr gute Buchhaltung und Verwaltung. Die finanziellen Hürden haben wir vergleichsweise gut gemeistert. Wesentlich spannender wird die Frage sein, wie die Motivation, die unbeschwerte Lust und Freude am Theater bei Aktiven und Zuschauern, nach dem Lockdown und "mit Corona" sein werden.

Ein Blick in die Zukunft: Wie geht es mit dem JTF weiter? Was ist geplant? Was wünscht ihr euch?

Raab: Wir wünschen uns für 2021, dass auch das Kulturleben wieder Fahrt aufnehmen darf, wir unsere Bühne wieder beleben können und außergewöhnliche, vor allem gemeinschaftliche Erlebnisse wieder möglich sind.

Hübschmann: Sobald wie möglich wollen wir wieder die Türen aufsperren. Für gute künstlerische Leitung und Impulse haben wir gesorgt. Der Blick raus aus Forchheim wird sicher gestärkt werden. Eine sichere finanzielle Zukunft. Viele tolle Orte und Räume für Kunst und Kultur in Forchheim. Wahnsinnig viele Aktive, die sich einbringen im und um das Theater. Ganz viel Interesse bei jungen Leuten, hier im Theater oder mit dem Theater zusammen "ihr Ding" zu machen.

Das Interview führte Ronald Heck.

Das sind die Kulturpreisträger des Landkreises Forchheim seit 2008:

Der Landkreis Forchheim verleiht seit 1985 alle zwei Jahre den Kulturpreis an Personen oder Gruppen, die sich kulturell im oder für den Landkreis Forchheim verdient gemacht haben.

2018 Milada Weber, David Saam und der Männergesangverein Eintracht Thurn 1878 e.V.

2016 Eberhard Hofmann, Altstadtfreunde Gräfenberg e.V.

2014 Kammerchor Sonorité, Forchheim; "Comedy auf'm Dorf", Ebermannstadt/Gasseldorf; Gülseren Suzan-Menzel und Jochen Menzel, Gräfenberg

2012 Disziplin "Historische Regionalforschung", dreigeteilt an Dr. Manfred Franze, Reinhold Glas und Rolf Kilian Kiessling

2010 Peter Lichtenberger, Neunkirchen am Brand; Dr. Hans Weisel, Ebermannstadt

2008 Andreas Grohmann, Wehlen Kantorei der Cristuskirche Neunkirchen am Brand