Die Forchheimer Innenstadt ist besser als ihr Ruf. Das kann nach einem Rundgang durch die Innenstadt mit Marc Redepenning, Professor am Lehrstuhl für Kulturgeografie und Franz Ullrich, Regierungsbaumeister vom Büro für Städtebau und Architektur "Plan & Werk" in Bamberg, gesagt werden. Gemeinsam mit den beiden Experten für Städtebau hat der Fränkische Tag die Innenstadt begutachtet.

"Grundsätzlich muss man sagen, dass die eigene Innenstadt oft schlechter bewertet wird, als eine andere", erklärt Franz Ullrich. Es sei normal, dass man sich als Bürger an der nächstgrößeren Stadt orientiere. Im Fall Forchheim gehe der Blick schnell nach Bamberg oder Erlangen. "Dass eine Stadt wie Forchheim aber nicht das selbe innerstädtische Angebot haben kann wie zum Beispiel Bamberg, ist logisch", ergänzt Redepenning. Den beiden externen Besuchern fallen beim Gang durch die Forchheimer Innenstadt einige Ecken auf - positiv wie auch negativ.

"Bier ist nicht der Heilsbringer", sagt unsere Autorin (Ihren Kommentar lesen Sie hier)

Starten wir den Rundgang mit den Stadt-Experten durch Forchheims Innenstadt:

1. Modernes Mobiliar:

Sie sind an vielen Plätzen in der Stadt zu sehen: die neuen Bänke. "Das sieht nach Packholz aus", sagt Ullrich mit fachmännischem Blick. "Eine moderne, gute Alternative zu Vollholz." Diese Art der Außenmöblierung bringt für die Stadt einen großen Vorteil mit sich: Der Unterhalt ist gering, sie müssen weder gestrichen werden, noch verrotten sie schnell. "Sitzgelegenheiten in der Stadt sind wichtig für das Verweilen in der Stadt", weiß Redepenning. "Gerade ältere Menschen müssen sich hinsetzen können, auch das macht Innenstadt lebenswert und ermöglicht Teilhabe." 2019 wurden zwischen Paradeplatz, Hauptstraße, Rathausplatz und Katharinenspital 25 neue Bänke aufgestellt.

2. Das Wasser einbinden

Am alten Katharinenspital, kurz nach Beginn des Rundgangs, fällt Marc Redepenning direkt auf, wie schön es ist, dass ein Flüsschen durch die Stadt verläuft. "Ein Fluss macht die Stadt immer gleich harmonischer", erklärt er. Besonders schön sei es, wenn der Fluss auch zugänglich gemacht wird, so dass kleine Ruheoasen entstehen.

An dieser Stelle ist es nicht möglich, denn der Höhenunterschied zwischen Straße und Wasser ist zu hoch. Außerdem hört man hier das sonst als beruhigend empfundene Plätschern des Wassers durch den Verkehrslärm kaum. Doch grundsätzlich bietet ein Gewässer viele Möglichkeiten, einen Rückzugsort mit Komfort. Später beim Rundgang wird dies zu sehen sein.

3. Es fehlt an Grün

"Schandfleck" Hornschuchallee: Diese Stelle ist für Franz Ullrich ein Paradebeispiel von schlecht umgesetzter Möglichkeit. "Das sanierte Haus sieht ja eigentlich gut aus, aber der Hof, der da dazu gebaut wurde, beeinträchtigt das Stadtbild", sagt er. Parkplätze und Versiegelung dominieren, Aufenthaltsqualität für die Bewohner entsteht nicht, dafür Aufheizung des Stadtklimas im Sommer.

Eine einfache Idee zur Verschönerung der Ecke bringt Redepenning ins Spiel: Eine Überdachung von Mülltonnen und Radständer, zum Beispiel aus Holz. "Da könnte man zum Beispiel Wilden Wein hochranken lassen, dann wäre auch gleich eine Begrünung da", so der Kulturgeograf. Auch Ullrich erkennt viel Potenzial: Staudengewächse oder ein Baum hätten dem Hof gut getan und seien auch nicht besonders pflegeintensiv. Durch die Balkone seien zwar attraktive Einheiten für das innerstädtische Wohnen geschaffen worden, doch der Hof sei dem Parken geopfert.

"Es ist ja auch so, dass dieses private Grundstück an die öffentliche Straße grenzt. Die Gestaltung des Hofes wirkt auf die Hornschuchallee wie die Fassade eines Hauses - und Garagentore sind keine schönen Fassaden."

4. Fußläufiges Kleinod

Auf der anderen Seite der Wiesent werden die Städtebau-Experten fündig: Hier ist ein schöner Treff- und Verweilpunkt, direkt am Wasser - auch wenn es keinen Zugang zum Wasser gibt. Es ist ein Kleinod, das durch Bäume beschattet ist, wo gefahrlos zusammengesessen werden kann. "Hier fährt zwar Verkehr vorbei, aber der Lärm ist überschaubar", findet Redepenning.

Ein Restaurant bedient sich der Freifläche, aber es gibt auch die Möglichkeit, daneben ohne gastronomische Bewirtung zu verweilen. In diesem Bereich gebe es laut Ullrich noch einige Entwicklungsflächen, gleichzeitig sind hier schon einige Häuser schön hergerichtet. "Die Innenstadt ist immer auch ein Wohnstandort", sagt er und erkennt hier, dass dort Wohnraum geschaffen wurde, wo früher wohl ein Schaufenster war. "Leerstände zu Wohnraum umzugestalten, ist immer eine Möglichkeit. Allerdings muss dabei darauf geachtet werden, dass es optisch auch zum älteren Teil des Hauses passt."

5. Verweilen am Wasser

Ein richtiges Schmuckstück findet sich am Marktplatz. Dort ist der Zugang zum Wasser ermöglicht, Sitzmöglichkeiten sind gegeben, ein ist Mülleimer vorhanden, so dass eine Vermüllung des Platzes umgangen werden kann und auch die Beruhigung des Verkehrs ("Spielstraße") trägt zur angenehmen Atmosphäre bei.

Ein kleines Manko entdeckt Redepenning aber auch hier: Der runde Platz um den Baum herum könnte begrünt sein. So wie er aktuell ist, lädt er dazu ein, Müll dort abzulegen, findet er.

"Wir müssen ja auch im Blick haben, dass Jugendliche ebenfalls Plätze brauchen, um sich zu treffen und vielleicht mal ein selbst mitgebrachtes Bier zu trinken", findet Redepenning. Deshalb seien auch solche zentrumsnahen Verweilmöglichkeiten wichtig. Nicht jeder wolle oder könne es sich leisten, für ein Bier drei oder vier Euro auszugeben. Trotzdem gehören diese Menschen ebenfalls in die Stadt.

6. Kreisverkehr ist ein Graus

Positiv fällt auf, dass auch hier die Sanierung eines alten Gebäudes angegangen wird. "Man sieht jetzt schon, dass hier jemand mit Bedacht rangegangen ist und es vermutlich anständig gemacht wird", erklärt Ullrich. Diese positive Entwicklung zum Erhalt alter Häuser gibt es an vielen Stellen in der Innenstadt.

Dass das Kopfsteinpflaster nicht zusammenpasst, fällt Redepenning direkt auf. Er findet, es wäre attraktivitätssteigernd, wenn gleiches Pflaster verbaut werden könnte.

Die Stelle zwischen Paradeplatz und Marktplatz hat zudem ein weiteres negatives Antlitz, das den beiden Experten sofort auffällt: der ovale Kreisverkehr.

"Der ist sicher funktional", sagt Redepenning, "aber schön gelöst ist es nicht." Insgesamt ist die Verkehrsführung in diesem Bereich der Innenstadt unübersichtlich. "Man traut sich nicht einfach über die Straße zu gehen", findet Redepenning und erklärt sogleich, das solche vermeintlichen Gefahrenstellen ein negatives Gefühl verursachen.

Außerdem ist der Kreisverkehr nicht gut genutzt. Er könnte zum Beispiel begrünt werden oder für eine kleine Kunstinstallation genutzt werden. "Aber bitte nicht etwas zu hohes wie einen Baum dort hinstellen", sagt der Geograf, "sonst wäre der Blick auf die schönen Häuserfassaden dahinter versperrt."

7. Beruhigendes Plätschern

So mancher ist schon mal ins Bächla geflogen oder gar gefahren. Ein Gesprächsthema gibt es also allemal her. Doch wie wirkt es auf Redepenning und Ullrich? "Grundsätzlich ist es schön, dass hier Wasser fließt. Das Plätschern hat eine beruhigende Wirkung", sagt Redepenning. "Allerdings wirkt das Bächla irgendwie auch als Trennung zwischen den Geschäften." Auch eine Begrünung in der Fußgängerzone sei wünschenswert. Die kleinen Bäume, die hier stehen, könnten den Mangel an Grün nicht auffangen.

Auffallend gut passen die Sonnenschirme zusammen, die hier von den verschiedenen gastronomischen Betrieben und Einzelhändlern aufgestellt sind. "Das wirkt harmonisch und zusammengehörig", erklärt Ullrich. Dies sei sicherlich einer Gestaltungssatzung anzurechnen. Eine solche gibt es aber für die Forchheimer Innenstadt nicht. Auch wenn sie politisch immer wieder Thema war.

8. Eine gute Mischung

Während viele Forchheimer sich über die Auswahl der Geschäfte in der Innenstadt beschweren, sehen die Experten aus Bamberg die Fußgängerzone im Großen und Ganzen als positiv an. "Interessanterweise gibt es hier einige Modegeschäfte", stellt Redepenning fest. "Das ist nicht in jeder Stadt dieser Größe so zu finden." Zumal Forchheim mit der Nähe zu Erlangen und Bamberg durchaus attraktive Konkurrenz in der Umgebung hat.

Die Fußgängerzone sei eine gute Mischung in ihrer Nutzung. "Eine Kombination aus Einkauf und Verweilen", erkennt er. "Ja, mir ist auch positiv aufgefallen, dass es viel und abwechslungsreiche Gastronomie in diesem Bereich gibt", ergänzt Ullrich.

Für den Einzelhandel gibt er die Empfehlung, wenn möglich, nicht zu viele Filialisten in die Stadt zu bringen, damit ein Abheben von anderen Fußgängerzonen gewährleistet wird. Auch ein so genanntes "trading down" sei nicht zu erkennen, sagt Redepenning. Er meint damit, dass es nicht zu viele Billig-Läden und Ein-Euro-Shops gibt, die den Standort unattraktiv machen.

Besonders ansprechend finden Redepenning und Ullrich auch die kleinen Gassen, die von der Hauptstraße abgehen und immer wieder Überraschungen, wie kleine Cafés und Perspektiven bieten.