Am 21. Juli 1969, dem Tag der Mondlandung, war das Haus von Hans Roth in Wiesenthau noch nicht fertig gebaut. Und auch als Neil Amstrong und Buzz Aldrin schon wieder auf zurück auf der Erde waren, gab es noch einiges zu tun für den Häuslebauer. Doch Ende 1969 war es geschafft und im Giebel des Hauses ist ein Kunstwerk verewigt - und ein Schriftzug, der daran erinnert: "Erbaut im Jahr der Mondlandung".

Der Hausherr und seine Frau sind vor über 20 Jahren gestorben. Die Tochter, Gertrud Mikschovsky, die heute im "Mondlandehaus" lebt, erinnert sich noch gut an die Motivation für die Kunst am Bau im Hause Roth. Der Wunsch, den Giebel zu bemalen, sei nicht von ihrer Mutter, einer geborenen Wiesenthauerin ausgegangen, sondern vom Vater: "Einen Christopherus wollte er nicht", erzählt die heute 80-jährige Tochter. Ihr Vater habe einen Künstler beauftragt, dessen Name ihr aber leider entfallen sei, bedauert Gertrud Mikschovsky.

Gut in Erinnerung hat sie dagegen noch jene Nacht vor 50 Jahren, als die USA dank ihrer gelungenen Apollo-11-Mission den Sieg im "Space Race" gegen die UdSSR errangen: "Damals war ich seit neun Jahren verheiratet und wir hatten einen kleinen Fernseher. Ich war 30 Jahre alt und es herrschte große Aufregung, als wir die Mondlandung sahen." Ein Hingucker wurde in den folgenden Jahren dann auch das Mondlandehaus von Wiesenthau. Denn das Gebäude liegt am Ortseingang und in den 70er Jahren führte hier eine Rallye vorbei. "Das Haus war bei den Rallye-Fahrern sehr beliebt", erinnert sich Gertrud Mikschovsky. Viele machten am Ortseingang Halt, um das Gebäude zu inspizieren. "Warum fotografieren Sie unser Haus?" An die etwas unwillige Frage ihres Vaters könne sie sich noch erinnern, erzählt die Tochter: "Vater wollte dieses Aufsehen nicht." Doch obwohl er den Rummel um das Landungsmotiv im Giebel nicht habe nachvollziehen können, habe er die fotografierenden Rallye-Fahrer gewähren lassen.

Filmdreh auf der Gartenparty

Doch auch als es die Rallye nicht mehr gab, blieb das Haus in Wiesenthau ein Renner. "Es gibt sogar einen Film davon, den Bekannte bei einer Gartenparty gedreht haben", sagt Gertrud Mikschovsky. "Und wir bekamen immer wieder Post von Leuten, die unsere Adresse nicht kannten und dann einfach An das Mondlandehaus bei Forchheim auf den Briefumschlag schrieben", erzählt die heutige Bewohnerin: "Das Haus war so bekannt, dass die Post auch so ankam."

Heute fast verdeckt

Heute werde sie nur noch gelegentlich auf das Kunstwerk angesprochen. Mittlerweile sind Bäume und Büsche neben dem Haus zudem hoch gewachsen - der Giebel ist von der Straße aus kaum noch zu entdecken. Was genau ihr Vater mit der Apollo-11-Mission verband, weiß Gertrud Mikschovsky nicht mehr; aber das Kunstwerk, das an die Mission erinnert, bereite ihr nach wie vor Freude: "Es hat die alte Farbe noch", schwärmt Gertrud Mikschovsky und betrachtet die Giebel-Bemalung, die sie nun seit 50 Jahren kennt: "Es ist eben was anderes, als was man sonst so sieht."