Seit eineinhalb Jahren beschäftigt sich Harald Winter mit diesem Aluminium-Band. Es ist 49,20 Meter lang und wird sich ab nächster Woche um den Kreisverkehr bei Kersbach ranken. Bislang ist dort nur ein zweistufiger Sandhaufen zu sehen. Doch der hat es in sich, wie Harald Winter unserer Zeitung bei einem Besuch vor Ort erzählte.

Das tortenförmige Fundament ist so gestaltet, dass Autofahrer gut abgefangen werden, falls sie im Kreisverkehr von der Fahrbahn abkommen. "Aus Sicht des Straßenverkehrsamtes ist das eine sichere Form", sagt Winter.

Es ist kein Zufall, dass er erst über Fragen der Verkehrssicherheit und danach über die Inhalte seiner Kunst spricht. Denn seit sich Harald Winter in dem EU-weiten Gestaltungswettbewerb (mit 101 Bewerbern) durchgesetzt hatte, musste er sich einiges anhören.

Die erste Welle der Kritik war im Januar über ihn hereingebrochen. Wobei sich die Kritiker in den seltensten Fällen mit der Ästhetik seiner Skulptur auseinandersetzten; die meisten hatten Harald Winter vorgeworfen, er werde die Autofahrer mit dem spiralförmig aufsteigenden Aluminiumband und dem Tieck-Zitat (siehe Info-Box) ablenken und gefährden: Anstiftung zur Ordnungswidrigkeit, Veruntreuung von EU-Geldern, mit dergleichen Anwürfen sah sich der Wettbewerbssieger konfrontiert.

Die "Aufforderung, zu denken", die Harald Winter mit seinem Kreisel-Kunstwerk verfolgt, hatte er sich anders vorgestellt. "Mittlerweile sind die Beschimpfungen abgeebbt", sagte er am Donnerstag. "Merkwürdige Bemerkungen" kämen ihm allerdings immer wieder zu Ohren. Etwa die Frage, ob das Werk am Kreisverkehr nicht von der Polizei bewacht werden müsse?

Das ist eine Anspielung auf den Material-Wert des Kunstwerkes, denn der Schriftzug des aus beschichtetem Aluminium gearbeiteten Bandes beinhaltet sechs Großbuchstaben, die mit Blattgold verziert sind. 80 000 Euro kostet das Kunstwerk samt Aufbau.

Neu denken

Doch Harald Winter ist zuversichtlich, dass die Menschen spätestens Ende kommender Woche neu über sein Werk nachdenken. Tausende Autofahrer werden täglich aus drei Richtungen auf die glänzende Skulptur zufahren. "Es wird mein meist besuchtestes Kunstwerk", scherzt Winter. Natürlich sei für die Verkehrsteilnehmer immer nur wenige Sekunden lang ein Teil des Zitats lesbar.

Wer aber öfters vorbeikommt, für den wird sich der Sinn zunehmend erschließen: Die Natur, die rings um das Kunstwerk zu sehen ist, kann zum Spiegel der Selbstbetrachtung werden.

In den vergangenen Monaten war der Focus jedoch ein ganz anderer: Ohne die vielen Helfer könne so ein Werk gar nicht entstehen, unterstreicht Harald Winter. Und nennt allen voran den Forchheimer Metallbauer Stefan Zocher, der sich "unheimlich reingehängt" habe, um den handwerklichen Part zu realisieren. Auch ohne die Expertise des Architekten Heribert Amtmann und der Grafik-Designerin Pia Riedelberger wäre das Werk "undenkbar", sagt Winter.

Und Toni Eckert, der Kulturreferent des Landkreises, sagt: "Für mich sind Hindernisse da, um ausgeräumt zu werden." Das Kunstwerk am Kersbacher Kreisel stehe auch "für Nachhaltigkeit und Nachdenklichkeit".

Toni Eckert hat als Leader-Experte für dieses Projekt rund 40 000 Euro Fördergelder in den Landkreis geholt - das ist die Hälfte der Gesamtkosten. Im Oktober werde das Werk bei einem Festakt offiziell freigegeben, kündigt er an. Es werde auch noch eine Tafel mit dem Tieck-Zitat (samt Erklärungen) direkt am Kreisverkehr aufgestellt. Dass damit die Debatte beendet ist, bezweifelt der Kulturreferent: "Kunst hat immer eine kontroverse Diskussion zur Folge. Es wird weiterhin Leute geben, die das Werk von Harald Winter anders verstehen. Ich jedenfalls bin der Meinung, dass die Region das Kunstwerk braucht. Das Zitat, das 227 Jahre alt ist, hat nach wie vor Gültigkeit."