Schon Ende nächsten Jahres soll das noch zu bauende Biomasseheizkraftwerk unterhalb der Gößweinsteiner Grund- und Mittelschule in Betrieb gehen. Das Großprojekt mit vorsichtig geschätzten Kosten von vier Millionen Euro könnte fast den gesamten Ort Gößweinstein mit Wärme versorgen. Nun liegt es an den Hausbesitzern, zu erklären, ob sie dabei mitmachen wollen. Erst nach diesen Absichtserklärungen können genauere Kosten für einen Anschluss an das Nahwärmenetz Gößweinstein ermittelt werden. Die Freien Wähler griffen dieses Thema auf und machten es zum Hauptthema ihres Politischen Aschermittwochs, zu dem jedoch nur 25 Besucher in den Gasthof "Zum Löwen" gekommen waren. Als Referent hatte FW-Chef Rainer Polster den Heizungsbaumeister Florian Schroll aus Allersberg von der Hilpoltsteiner Firma Enerpipe eingeladen. Schroll ist Experte für den Bau solcher Anlagen inklusive der Rohrleitungen und Hausanschlüsse. Laut Schroll gehen drei Viertel der eingekauften primären Energie für ein Haus für die Erzeugung der Raumwärme drauf. Dagegen werden zwölf Prozent nur für Warmwasser und genau so viel für die Elektrogeräte gebraucht. Die Kosten für die Beleuchtung sind dank moderner LED-Technik heute verschwindend gering mit nur einem Prozent des gesamten Energieverbrauchs. Nicht nur Wärme soll ein modernes Nahwärmenetz erzeugen, sondern auch Strom gewinnen. Schroll klärte über die verschiedenen Fördermöglichkeiten und auch darüber auf, wie so ein Nahwärmenetz gebaut wird und wie es dann funktioniert. Mit einem Nahwärmenetz setzte man auf Regionalität. Nahwärmenetze in Oberfranken seien jedoch noch dünn gesät. In Gößweinstein kann es jedoch kein langer Weg mehr sein, weil die Zeit drängt. Denn bald wird mit dem Bau der neuen Doppelturnhalle begonnen, und diese muss zwingend wegen der Förderung mit regenerativer Energie beheizt werden. Deshalb hat Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG) auch schon seine Hausaufgaben gemacht: Laut Zimmermann hat der Markt Gößweinstein bereits ein Büro gefunden, das demnächst die Befragung aller Hausbesitzer in Gößweinstein durchführt. Zimmermann rechnet damit, dass innerhalb der nächsten drei Wochen der genehmigte Förderbescheid für diese Markterkundung vorliegt. Dann könne man mit der Haushaltsbefragung beginnen und Bürgerversammlungen halten. Sehr schnell, so Zimmermann, werde man dann auch ein Grobkonzept für die Umsetzung haben. Auch gebe es schon eine Gruppe von Nahwärmeversorgern, die in der Vorbereitung für eine Detailplanung sind. Sprecher dieser Gruppe ist Marktgemeindeart Josef Neuner (BMG), der erklärte, dass eine Gesellschaft in Form einer GmbH durch einen größeren Pool von Landwirten gegründet wird, die über den Maschinenring organisiert sind. Mit im Boot sind laut Neuner auch die Stadtwerke Ebermannstadt.

"Misere" in Forchheim

Das vor 20 Jahren durch Landwirte belieferte Biomasseheizkraftwerk in Forchheim, das nun mit Erdgas und nicht mehr mit Hackschnitzeln aus der Region betrieben werde, bezeichnete Neuner als "Misere". Denn es habe immer geheißen, der Landkreis sei ein verlässlicher Partner der Waldbauern. Damit dies in Gößweinstein nicht auch so kommt, nehme man die Sache selbst in die Hand. Neuner sicherte Transparenz der noch zu gründenden Gesellschaft zu. Im Besitz des Grundstücks ist man jedenfalls schon einmal, was die wichtigste Voraussetzung ist. Neuner, der zwischen Türkelstein und Hartenreuth eine große Biogasanlage betreibt, geht davon aus, dass der Bauantrag für ein oder sogar mehrere - ja nach Anschlussteilnehmerzahlen - Biomasseheizkraftwerke schon Ende dieses Jahres gestellt werden kann.

Wasserleitung

Werden dann die Rohre im Ort verlegt, werde auch gleich die Wasserleitung der Wiesentgruppe miterneuert, kündigte Zimmermann in seiner Eigenschaft als Wiesentgruppen-Chef an. Laut Zimmermann sollen alle öffentlichen und kirchlichen Gebäude an dieses Nahwärmenetz angeschlossen werden. Und je mehr private Hausbesitzer dabei mitmachen, um so günstiger werde es für jeden einzelnen werden. Zimmermann rechnet mit einer Bauzeit von etwa eineinhalb Jahren. Unvermeidbar sei dann, dass in der Tourismussaison die Straßen in Gößweinstein aufgegraben werden müssen. Mit im Boot ist auch Ludwig Thiem, Chef der Waldbauernvereinigung Fränkische Schweiz. Am Beispiel der Burg Feuerstein, die inzwischen mit einem mit Hackschnitzel betriebenen Biomasseheizkraftwerk beheizt wird, erklärte Thiem, dass man nun ein Drittel der Energiekosten im Vergleich zu Heizöl einspart. Er versicherte, dass der Wald dadurch nicht geplündert werde. Nur ein bewirtschafteter Wald sei ein guter Wald für die Region. In Forchheim habe man den Waldbauern übel mitgespielt, fand Thiem.