Das integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (Isek) für den Hauptort Gößweinstein der Marktgemeinde ist fertig. Gemeinsam mit einigen Bürgern und den Experten Roland Wölfel und Sylvia Auerswald vom Forchheimer Büro Cima hatte der Marktgemeinderat das von Städteplaner Hartmut Holl vor acht Jahren erstellte Konzept überarbeitet und ergänzt. Herausgekommen ist ein Orientierungsrahmen für die Entwicklung in den nächsten 15 Jahren.

Wölfel und Auerswald präsentierten das Ergebnis während der Marktgemeinderatssitzung. Ex-Bürgermeister Georg Lang (CSU) meldete sich zu Wort und erklärte, dass er das Ganze nun doch nicht mittragen könne. Als einzig Positives stellte Lang für sich fest, das man nun auf dem Hallenbad-Gelände tatsächlich Wohnraum schaffen wolle. Dass im neuen Gutachten von einem hohen Verkehrsaufkommen durch Gößweinstein die Rede ist, hält Lang für falsch dargestellt: "Es ist eher ein geringer Verkehr."

So lange durch den Ort eine Staatsstraße führt, hat es für Lang auch keinen Sinn, etwas anderes zu planen wie etwa die Neugestaltung des Marktplatzes und die Schaffung von drei Eingangs- und Infobereichen mit Parkplätzen, Toiletten, E-Auto-Ladesäulen oder freiem Internetzugang am Höhenschwimmbad, dem Friedhof und dem Steinackerparkplatz. Priorität für Lang hat die Umgehungsstraße.


Busse nicht mehr vor Basilika

Dass nach dem neuen Konzept auch Reisebusse nicht mehr bis vor die Basilika fahren können, hält Lang für "schwierig". Denn ein Hochlaufen von den Parkplätzen aus bis zur Basilika sei für behinderte Menschen nicht machbar. In diesem Punkt gab ihm Rainer Polster (FWG) recht. "Wenn Busse nicht mehr ins Zentrum fahren können, kommen auch keine Senioren mehr", sagte Polster. "Man darf nicht sämtliche Schranken verschließen", betonte der Busunternehmer.


Umzug der Verwaltung

Auch mit dem geplanten Umzug der Verwaltung vom alten Rathaus in der Burgstraße ins katholische Pfarrhaus am Marktplatz kann sich Lang nicht so recht anfreunden. Steht das alte Rathaus erst einmal leer, wird es nach Langs Meinung auf Dauer so viel Geld kosten wie das Hallenbad. "Ich sehe die Gefahr, dass sich der Markt Gößweinstein überhebt", warnte er. Lang hält manches im neuen Konzept nicht für realistisch.

So mancher seiner Ratskollegen blickte nach der Wortmeldung verwundert. Dritter Bürgermeister Georg Bauernschmidt (SPD) ergriff das Wort und erklärte, dass das nun vorliegende Entwicklungskonzept das Ergebnis der zweitägigen Klausurtagung sei, in der man dieses selbst erarbeitet habe. "Deshalb kann ich diese Kritik nicht ganz verstehen", sagte Bauernschmidt in Richtung Lang.

Bernhard Vogel (SPD) hielt das neue Konzept für sehr gelungen. "Ich gehe damit zuversichtlich in die Zukunft", verkündete Vogel, der betonte, dass so ein Konzept eine "langfristige Sache" sei, die über die nächste Gemeinderatswahl hinausgehe. Skepsis wie von Lang geäußert hält Vogel für unangebracht.

Jürgen Kränzlein (SPD) vermisste die Marktplatzgestaltung als sehr wichtiges Thema im Konzept. Er wünscht sich ein Zentrum für Touristen und Einheimische gleichermaßen - mit abgesenkten Gehsteigen und einer Verkehrsberuhigung: "Das hätte ich gerne in dem Papier mit drin." Planer Wölfel klärte ihn jedoch auf, dass dies schon drinstehe.


Wölfel sieht Riesenchance

Wölfel sieht es als Riesenchance, wenn das Rathaus ins Pfarrhaus kommt und der Pfarrgarten dann für die Öffentlichkeit geöffnet werden kann. Dies würde die Verweil- und Ausruhdauer im Zentrum deutlich erhöhen.

Daniela Drummer (FWG) befand es sehr schade, dass sich am Workshop nicht mehr Bürger beteiligt hatten. "Es wäre schön, wenn der amtierende Gemeinderat das Konzept einstimmig annehmen würde", bekundete Drummer in Richtung Lang. Dieser wiederum wich nicht von seiner Meinung ab.


Priorität nach Haushaltslage

Seit 2015 habe sich schon einiges getan, betonte Kränzlein. Damit fühlte sich Lang angegriffen, da er zuvor der Rathauschef war. "Man muss auch die finanziellen Möglichkeiten sehen, die wir vor 2014 hatten", gab Lang zurück. Planer Wölfel betonte, dass der Gemeinderat die Prioritäten ohnehin nach der Haushaltslage setzen müsse. "Dann zu sagen, dann lehne ich das ganze Ding ab, halte ich für falsch", kritisierte Wölfel. Außerdem spreche auch nichts dagegen, die Parkplätze an den Ortseingängen schon jetzt einzurichten.

"Heute ist ein wichtiger Tag, weil wir ein Handbuch bekommen, das wir selbst erarbeitet haben", bilanzierte Bürgermeister Hanngörg Zimmermann (BMG). Das neue Konzept sei ein wichtiges Signal an die Bürger, die für Privatprojekte im Sanierungsgebiet auch Zuschüsse bekommen können. Für Zimmermann ist im neuen Konzept alles drin und jeder hätte auch die Chance gehabt, seine Ideen einzubringen. "Wir sind sehr optimistisch, dass wir in den nächsten Jahren viele Projekte des Isek umsetzen können", meinte der Rathauschef, bevor er abstimmen ließ. Als Einziger verweigerte Lang seine Zustimmung.