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Heiligenstadt
Naturschutz

Fränkische Schweiz: Pilotprojekt zum Anpflanzen neuer Baumarten

Das Pilotprojekt "Neue Baumarten" wurde im Rahmen der Initiative Zukunftswald Bayern in Heiligenstadt gestartet. Wie kann der Wald in der Fränkischen Schweiz erhalten werden?
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Behördenleiter Hans-Rüdiger Schmittnägel (r.) überreicht Olaf Schmidt ein Geschenk. Foto: Carmen Schwind
Behördenleiter Hans-Rüdiger Schmittnägel (r.) überreicht Olaf Schmidt ein Geschenk. Foto: Carmen Schwind
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In Heiligenstadt fand die Eröffnungsveranstaltung für das Projekt "Neue Baumarten" statt, welches im Rahmen der Initiative Zukunftswald Bayern durchgeführt wird. Dieses Pilotprojekt zur Anlage von Versuchsflächen wird zwei Jahre dauern. "Das ist unter anderem nötig geworden aufgrund der beiden Trockensommer, die wir hatten", sagt Hans-Rüdiger Schmittnägel, Behördenleiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bamberg (AELF). In diesem Jahr haben nicht nur Fichten Probleme, sondern es sind auch viele alte Buchen vertrocknet. Das Klima verändert sich, die Temperaturen werden höher und es fehlen Niederschläge.

Keine Gewässerneubildung

"Seit etwa 2003 fehlt die Grundwasserneubildung", sagt der Behördenleiter. Das Grundwasser habe sich bis zu zwei Meter gesenkt. Doch Hysterie und Aktionismus seien fehl am Platz. Besser sei ein strategisches und überlegtes Vorgehen. "Ein Schritt wäre, dass wir auf Kleinstflächen einheimische Baumarten pflanzen", schlägt Schmittnägel vor. Er sieht den richtigen Weg darin, Versuchsflächen anzulegen und zu beobachten. In der Fränkischen Schweiz könnten das Elsbeere, Speierling, Flatterulme oder Walnuss sein.

60 Baumarten

"Bei uns hier nehmen etwa acht Baumarten 80 Prozent der Fläche ein. Wir haben aber etwa 60 Baumarten", erklärt Schmittnägel. Deshalb sollen die vorhandenen Anbauten von neuen und seltenen Baumarten ermittelt und dokumentiert werden. In dem Projekt könnte man auch Buchen aus anderen Herkunftsländern, beispielsweise dem Balkan, pflanzen und beobachten. Man könnte auch die Libanonzeder anpflanzen und sehen, ob sie hier heimisch wird.

Forstwirt einstellen

Hans-Rüdiger Schmittnägel hat Geld für das Projekt bekommen, so dass er für zwei Jahre einen Forstwirt für die Projektarbeit einstellen kann. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von verschiedenen Universitäten. "Und wir brauchen die Unterstützung von Waldbesitzern, der Jägerschaft, dem Naturschutz und von der ganzen Bevölkerung", sagt der Behördenleiter. Denn der Wald müsse erhalten bleiben. Jeder könne etwas tun: zum Beispiel weniger Kohlendioxid emittieren, Plastik vermeiden oder bei der Kleidung auf Polyester verzichten. Gartenbesitzer können alte Obstbaumsorten pflanzen oder Blühwiesen anlegen.

Wie wichtig der Wald und ein Umdenken in der Bepflanzung sind, zeigte auch der Vortrag von Olaf Schmidt, dem Präsidenten der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), auf. Er zeigte in einer Statistik, dass sich die Temperaturen Klima in Bayern seit 1881 um 1,5 Grad Celsius erhöht hätten. Der Niederschlag wird weniger, der Witterungsverlauf extremer und auch die Länge der Vegetationsperiode ändert sich. Schmidt trug vor, dass die Kohlenstoffbindung des Waldes wichtig für den Klimaschutz sei, der Wald eine Schutzfunktion bei Hochwasser, Steinschlag oder Lawinen habe und eine wichtige Oase bei Hitze sei.

Trockenheit

Doch die Trockenheit macht vielen Baumarten zu schaffen, Insekten machen vermehrt Probleme und die Waldbrandgefahr nimmt immer mehr zu. Deshalb seien Anpassungsstrategien wie ein Waldumbau nötig. Eiche, Buche oder Weißtanne sollten weiterhin gefördert werden, aber auch seltene heimische und Pionierbaumarten sollten gepflanzt werden. Nicht heimische Baumarten seien schon seit langer Zeit von forstwirtschaftlichem Interesse. Olaf Schmidt fasste zusammen, dass der Waldumbau aus einer Mischung von heimischen und nicht heimischen Baumarten bestehen müsse, und dass dieser auch angepasste Wildbestände benötige.