Auf den letzten Drücker hat die Marktgemeinde Egloffstein den Haushalt für dieses Jahr verabschiedet. Das gab es noch nie. Geschuldet ist die Verspätung den Kommunalwahlen und der kurz darauf einsetzenden Pandemie. "Normalerweise", sagt Bürgermeister Stefan Förtsch (CSU), "steht der Haushalt im Frühjahr."

Man kann also bei dem umfangreichen Zahlenwerk nicht mehr von Prognosen sprechen, sondern in vielen Bereichen schon vom Ergebnis. Eine weitere Besonderheit, auf die Bürgermeister Förtsch besonderen Wert legt, ist die Tatsache, dass es schon der siebte Haushalt in Folge ist, der ohne neue Kreditaufnahme auskommt. Sparsame Haushaltsführung und die Hilfe des Freistaats Bayern vermindern den Schuldenstand von 2,6 Millionen im Jahr 2010 auf aktuell rund 650.000 Euro, erklärte Förtsch in seiner Haushaltsrede im Gemeinderat. Zusätzlich können den allgemeinen Rücklagen heuer rund 290.000 Euro zugeführt werden, "die für geplante Investitionen in den nächsten Jahren verwendet werden können", meinte Förtsch nicht ohne Stolz. Die Corona-Pandemie hat bisher laut Bürgermeister "keine gravierenden Veränderungen in den öffentlichen Finanzen des Marktes Egloffstein verursacht".

Die Ausgaben

Das Haushaltsvolumen beträgt im Verwaltungs- und Vermögenshaushalt rund 6,3 Millionen Euro bei einem Hebesatz von 450 Prozent (Grundsteuer A und B) sowie 380 Prozent bei der Gewerbesteuer. Die wichtigsten Ausgaben waren Baumaßnahmen mit knapp zwei Millionen Euro, davon 427.000 Euro für Straßenbau, 165.000 Euro für Breitbanderschließung und 183.000 Euro für den Brandschutz. Die zweithöchsten Ausgaben waren die Personalkosten mit 1,5 Millionen Euro, gefolgt von der Kreisumlage mit 780.000 Euro.

Die Einnahmen

Bei den Einnahmen schlägt die Einkommenssteuerbeteiligung mit 1,1 Millionen Euro besonders zu Buche und die Schlüsselzuweisungen mit knapp einer Million. Die Grund- und Gewerbesteuern brachten 550.000 Euro ein. Der Höchstbetrag der Kassenkredite wurde auf rund eine Million erhöht, da Bürgermeister Förtsch infolge der Pandemie mit einer verzögerten Auszahlung von Zuschüssen rechnet. Für das kommende Haushaltsjahr warb der Bürgermeister schon jetzt dafür, geplante Investitionen mit Kreditaufnahmen zu finanzieren, da das Geld "derzeit sehr günstig zu haben ist".

Alternativplanung für die Kita

Ein weiterer wichtiger Punkt war der erste Entwurf des zusätzlich herangezogenen Architekten Bauer, der für eine Alternativplanung für die Erweiterung der Kita "Elmar" in Egloffstein angeworben wurde. Sein Entwurf, der im Bauausschuss vorbehandelt worden war, stieß auf positive Resonanz vieler Gemeinderäte, die den Entwurf als "gelungen" bezeichneten. Gemeinderat Joachim Wirth (WEU) lobte besonders die Möglichkeit, das geplante Dachgeschoss später als weiteren Krippenplatz kostengünstig zu ertüchtigen, wenn der Platz dafür gebraucht wird: "Treppenhaus, Aufzug und die schon hochgezogene Sichtschutzwand können problemlos weiterentwickelt werden zu einem weiteren Krippenplatz." Nikolaus Thäter (UGL) meinte: "Der Architekt hat in wenigen Wochen so viel Arbeit geleistet wie der andere Architekt in einigen Jahren". Günter Polster (WEU) ergänzte, dass es ihn freue, dass nun so viele Gemeinderäte für die neuen Planungen seien. Jetzt sollen nach seinem Dafürhalten die Zuschussfragen noch mal geklärt werden, damit der Gemeinderat finanziell planen kann.

Gebühren für Wasser

Ein weiterer wichtiger Tagesordnungspunkt war eigentlich die Erhöhung der Wasser- und Abwassergebühren. Auf Antrag von Gemeinderat Christian Hopfengärtner (WEU) wurde der Tagesordnungspunkt mit großer Mehrheit in den nichtöffentlichen Teil verschoben. Datenschutzgründe wurden von Hopfengärtner als Hauptursache genannt.

Freibadsanierung

Nur kurz gestreift wurde das Thema Freibadsanierung. Der Gemeinderat hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, die Zweckvereinbarung mit der Stadt Gräfenberg und dem Markt Wiesenttal zu unterzeichnen, um in den Genuss der 3,8 Millionen Euro Zuschuss zu kommen, den der Bund zur Verfügung stellen will. Eine Hürde bleibt noch, teilte Bürgermeister Förtsch mit: Das Landratsamt Forchheim muss feststellen, dass alle drei Gemeinden in einer finanziellen Notlage sind. Nur dann können die drei Kommunen mit einer Förderung von 90 Prozent der Kosten rechnen. Ohne Notlage sind es nur 45 Prozent.