"Ja, gibt es in der Corona-Krise wohl nichts Wichtigeres als Osterbrunnen", schimpft der noch amtierende Bürgermeister Helmut Krämer (CSU/Einigkeit) auf die Frage, ob es in diesem Jahr in Heiligenstadt Osterbrunnen geben wird. Heiligenstadt und Bieberbach haben zwei der bekannten oberfränkischen Osterbrunnen, die in früheren Jahren viele Touristen angezogen haben. In diesem Jahr werden weder die Brunnen in der Marktgemeinde Heiligenstadt noch der als der größte Osterbrunnen der Welt bekannte Brunnen in Bieberbach geschmückt. Der Ostermarkt in Heiligenstadt entfällt ebenfalls. Auch kleinere und weniger bekannte Osterbrunnen werden in diesem Jahr nicht dekoriert. In Oberehrenbach zum Beispiel wird das Schmücken vom "Club 72 - Fränkische Geselligkeit" organisiert. "Normalerweise helfen da alle im Ort mit. In diesem Jahr hat der Vorstand entschieden, dass unser Osterbrunnen nicht geschmückt wird", erklärt der Vereinsvorsitzende Christian Kern. Er erläutert, dass sich die Oberehrenbacher üblicherweise zum Binden treffen und dann der Brunnen gemeinsam geschmückt wird: "Das geht halt wegen der Corona-Krise nicht. Das ist vernünftig, aber auch schade."

Virus wie ein Panzer

Einer, der jedes Jahr mitgeholfen hat, ist der Oberehrenbacher Gerhard Arzt, eines der Gründungsmitglieder des Vereins: "Es fehlt was. Und es ist traurig, wie vieles im Moment traurig ist." Ihm sind Traditionen und deren Erhaltung sehr wichtig. "Und wenn die wegfallen, wird einem bewusst, wie schlimm die Situation ist. Aber da müssen wir durch", meint Arzt. Er erzählte auch, dass ihm dadurch klar geworden sei, welch geringen Stellenwert auf der Welt der Mensch eigentlich habe: "Da kommt so ein kleiner Virus und schmeißt unseren Ablauf komplett über den Haufen. Der stärkste Panzer hat nicht so eine Wucht. Trotzdem wir so viel erreicht haben, sind wir total machtlos und müssen jetzt unsere Grenzen erkennen."

"Pensala" werden aufgestellt

In Ebermannstadt werden ebenfalls keine Osterbrunnen geschmückt. Allerdings werden Bäumchen mit "Pensala", einzelne oder zu Büscheln gebundene Papierbänder, aufgestellt, berichtet Angela Theiler vom Tourismusbüro Ebermannstadt: "Das sind Symbole für das Leben und das Frühlingserwachen. Auch wenn wir Ostern heuer in einer etwas anderen Form erleben, aber Ostern wird stattfinden." Verständnis für die Menschen, denen die Osterbrunnen fehlen, hat auch Ebermannstadts Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE): "Das ist nichts, worauf man leicht verzichtet, auch wenn allen klar ist, dass man sich nicht versammeln soll. Schließlich schmücken wir unsere Osterbrunnen nicht für die Touristen, sondern wir schmücken sie für uns." Außerdem sei es ja auch ein für viele Menschen besonderer Anlass. "Es geht schließlich auch um Ostern, das Hochfest der Christen", meint die Bürgermeisterin.

Über die fränkischen Osterbrunnen hat Claudia Schillinger aus Ebermannstadt ein Buch geschrieben. Nach ihren Recherchen gibt es diesen Brauch seit 1908. Wo er ursprünglich herkommt, ist allerdings nicht klar. "Ursprünglich hat man die Brunnen auch mit Eiern geschmückt. Man hat allerdings keine Kronen gebunden", erklärt sie.

Butten voller Wasser

Die Brunnen wurden geputzt und daneben wurden Birkenbäumchen mit "Pensala" und Eiern aufgestellt. "Wahrscheinlich war der Grund die Wasserknappheit auf den Höhen", erzählt Claudia Schillinger. Früher waren die Menschen genötigt, mit Butten am Rücken das Wasser aus dem Tal auf die Höhen zu schleppen. Zur Wasserverehrung wurden im Frühjahr die Brunnen geschmückt. "Das Ei war ja schon immer ein Fruchtbarkeitssymbol", erläutert Claudia Schillinger. Und das Grün stehe für die Verbindung zwischen Erde und Himmel, ähnlich wie bei einem Kirchweihbaum. Damit die Menschen sich trotzdem in diesem Jahr an dem alten Brauch erfreuen können, empfiehlt Angela Theiler, daheim im eigenen Garten Bäume oder Sträucher österlich zu schmücken. So können sich die Menschen auch in Zeiten einer Krise an etwas Schönem erfreuen.