Karl-Heinz Fleckenstein kennen viele Menschen in Forchheim. Er war Stadt- und Kreisrrat, engagiert sich ehrenamtlich und ist im Vorstand des Arbeiter-Samariter-Bundes. Was aber Wenige über ihn wissen, ist dass er 2008 den Studiengang Wirtschaftsförderung belegt hat. Im Rahmen dieses Studiums hat er eine wissenschaftliche Arbeit zur Attraktivitätssteigerung der Forchheimer Innenstadt verfasst.

Viel Fachwissen

"Ich habe die Herausforderung gebraucht", sagt er lachend. Daher wollte er sich mit damals 48 Jahren weiterbilden und entschied sich für das Studium an der Verwaltungs- und Fachakademie Freiburg. Auch wenn Fleckenstein damals kein typischer Student mehr war, allein war er damit nicht. "Alle in meinem Studiengang waren vom Fach und kamen aus dem Öffentlichen Dienst."

Während des Studiums beschäftigte sich der in Forchheim-West lebende Fleckenstein intensiv mit der Wirtschaftsförderung und der Vermarktung der Innenstadt.

Umsetzung ist das Problem

In seiner Arbeit zur Attraktivitätssteigerung der Forchheimer Innenstadt geht Fleckenstein auch auf das City-Marketing-Konzept der CIMA-Stadtmarketing GmbH ein, das bereits 1996 erstellt worden war. Damals wurden Stärken und Schwächen der Forchheimer Innenstadt im Auftrag der Stadt herausgearbeitet. "Dass mehrere Konzepte aufgelegt und geplant wurden, ist nichts Neues", sagt Fleckenstein, "das Problem ist immer die Umsetzung." Es würden viele Projekte angestoßen, es fehle aber an einem Kümmerer, der sich dieser Projekte langfristig annehme. Dass diese Aufgabe der Citymanagerin zu Teil werden müsse, sieht Fleckenstein nur bedingt. "Ein Mann oder eine Frau allein kann die Stadt nicht retten, in dem Zustand, wie sie gerade ist", betont er. Es fehle an der entsprechenden Manpower hinter dem Citymanagement. Zumal Citymanagerin Elena Büttner in der momentanen Krisensituation ganz andere Aufgaben zu bewältigen habe.

Keine Auskünfte der Stadt

Auf Anfrage des Fränkischen Tages möchte die Stadt Forchheim momentan keine Auskunft zu Innenstadtthemen und den großen Herausforderungen in diesem Jahr für die Citymanagerin geben. Einen Rückblick über das Jahr 2020 und einen Blick in das kommende Jahr möchte Büttner zuerst den Stadträten im Dezember geben, bevor sie mit der Presse spricht.

In der wissenschaftlichen Arbeit von Karl-Heinz Fleckenstein aus dem Jahr 2009 sind verschiedene Maßnahmen aus dem CIMA-Konzept "Forchheim 2010" beleuchtet. Einige davon wurden bereits umgesetzt, andere wie zum Beispiel das Forchheimer Stadtspiel, das 2003 tatsächlich auf den Markt gebracht wurde, könnten neu aufgelegt werden. Vieles, was aber in den 90er Jahren bereits bekannt war, wurde bis heute nicht umgesetzt. "Die gute Stube der Stadt muss aber auch ausgestattet werden", findet Fleckenstein. "Wenn man es ernst meint mit einer attraktiven Innenstadt, muss man mehr tun auch auch von Seiten der Stadt etwas Geld in die Hand nehmen."

Vier Punkte für die Stadt

1. Beleuchtung

Der Forchheimer Stadtrat verabschiedete 2019 einen Lichtmasterplan. Darin steht vieles, was auch schon 2009 in der Arbeit von Fleckenstein stand. "Aber auch hier ist es wieder ein Problem mit der Umsetzung", sagt er. Außerdem gebe es viele Möglichkeiten, die ohne großen (finanziellen) Aufwand gehen würden. Fleckenstein spricht zum Beispiel von Lasershows, die leicht installiert werden und bei besonderen Veranstaltungen zum Einsatz kommen könnten. Ein weiterer Aspekt ist für Fleckenstein die Aufwertung der Gassen. Diese seien sehr schön aber vor allem nachts nicht einladend.

2. Zusammenarbeit

Großes Potenzial sieht Fleckenstein auch bei den Einzelhändlern in der Innenstadt. Durch gemeinsame Werbung, Bonushefte oder eine Citycard (die schon in "Forchheim 2010" angedacht war) könnte man Kunden in die Stadt locken. "Wenn man merkt, dass das Geschäft zurück geht, muss man ins Marketing investieren", sagt er. Es sei kein Geheimnis, dass Menschen durch Angebote in die Läden gelockt werden. Er könnte sich auch vorstellen, dass an jedem Wochentag ein anderer Laden ein Angebot macht. "Wenn die Leute dann in der Stadt sind, gehen sie auch in die anderen Geschäfte."

3. Begeisterung

Mitmachtage, kostenlose Stadtführungen, kulinarische Stadtspaziergänge, Parkgebührenerstattung ab einem bestimmten Einkaufswert, Vorführtage: Karl-Heinz Fleckenstein nennt viele kleine Puzzlesteine, die er als ein Ganzes sieht. "Wir müssen Begeisterung für einen Besuch der Innenstadt wecken", sagt er. Er findet, die Menschen sollten einen Grund haben, in die Stadt zu kommen, denn wenn sie da sind, dann bleiben sie auch und konsumieren. "Und da kann die Stadt viel machen", sagt er. Dabei müsse man nicht das Rad neu erfinden, viel mehr müsse man von den besten lernen und Chancen erkennen.

4. Schulungen

"Es ist wichtig, dass der Kunde das Gefühl hat, König zu sein", findet Fleckenstein. Er selbst habe diese Erfahrung auch in anderen Städten gemacht. "Man verweilt einfach länger, wenn man direkt einen Ansprechpartner hat oder einen Espresso angeboten bekommt." Hier könnte in Fleckensteins Augen auch die Stadt den Unternehmen unter die Arme greifen. "Man könnte Referenten herholen und Marketingtipps geben", sagt er. Auch die Bedeutung von ansprechenden Schaufensterdekorationen könne man hier mitgeben, damit die Innenstadt zu einem sozialen und kommunikativen Zentrum wird, das eine Wohlfühlatmosphäre ausstrahlt.

Wie steht es um die Forchheimer Innenstadt? Bei einem Stadtrundgang mit einem Kulturgeografen und einem Städtebauplaner hat der Fränkische Tag diese Frage vor ein paar Woche schon beleuchtet. Lesen Sie den Text hier.

Im Zuge der Berichterstattung um die Innenstadt hat der Fränkische Tag auch die Leerstände in der "guten Stube" beleuchtet. Den Artikel dazu finden Sie hier.