Die Bewohner des Katharinenspitals verstehen die Welt nicht mehr: Weil das Kathtarinenspital vollständig erneuert und während der Bauarbeiten geschlossen werden soll, müssen sie ihren bisherigen Lebensmittelpunkt aufgeben und in andere Heime umsiedeln. In einer gestern spontan einberufenen Bewohnerversammlung machten sie ihrem Ärger Luft. "Ich dachte, ich könnte meinen Lebensabend in Frieden verbringen - ich bin schwer enttäuscht worden", zürnt die 90-jährige Anna-Maria Kuhnert. Und Franziska Lamm (81), die Vorsitzende des Heimbeirates, stellt klar: "Wir wollen hier bleiben - unter allen Umständen." Die Senioren zeigen sich kämpferisch und drohen gar mit einer Hausbesetzung.

Mit dieser Reaktion hat Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WuO) wohl nicht gerechnet, als er noch kurz zuvor die Presse über die Zukunft des Katharinenspitals unterrichtete. Fakt sei, dass der Einrichtung wegen ihres baulichen Zustandes 2018 die Lizenz zur stationären Pflege entzogen werde, erklärt Stumpf. Daher solle das Katharinenspital vollständig erneuert werden. An der Stelle des jetzigen Alten- und Pflegeheims werde eine moderne Senioren-Wohnanlage entstehen.

Alle Leistungen, die Senioren brauchen, würden dort angeboten: ambulante Pflege, Tagespflege, Hauswirtschaftsleistungen, Bistro, Gemeinschaftsveranstaltungen - und die Vermittlung all dieser Leistungen in der Anlage durch eine zentrale Anlaufstelle. Dieser "Quartiers-Manager" solle auch über die Einrichtung hinaus in den Stadtteil hinein wirken. So habe es der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung am Mittwoch, 20. Mai, beschlossen, gibt der Oberbürgermeister jetzt bekannt.

Ambulante vor stationärer Pflege

Ein Grund für die Wahl dieses Modells sei das neue Pflegestärkungsgesetz, das 2015 in Kraft getreten sei, erklärt Franz Stumpf. Der Gesetzgeber verfolge seit Jahren den Grundsatz "ambulant vor stationär" und hat dies mit dem neuen Gesetz noch einmal bekräftigt: "Ambulant versorgte Senioren können von ihrer Pflegekasse bis hin zum Doppelten der Leistungen beantragen, die sie in einem stationären Heim erhalten könnten", betont Stumpf.

Weiterer wichtiger Grund sei die Selbstbestimmung im Alter: In einem ambulanten Modell habe ein Senior zu jeder Zeit die Wahl, welche Leistungen er von einem Pflege- oder Hauswirtschaftsdienst beziehen möchte und welcher Anbieter das für ihn erledigen solle. In einem stationären Heim sei der Bewohner dagegen auf seinen Heimträger festgelegt. Wenn er nicht zufrieden sei, bleibe ihm nur der Umzug in ein anderes Heim.

Eigentümer des Katharinenspitals sei die Vereinigte Pfründnerstiftung Forchheim, erläutert Stumpf. Basis für das neue Altenhilfe-Modell sei die Vermietung barrierefreier Appartements in der geplanten Wohnanlage. Ebenfalls geplant sei der Bau einer Tagespflege auf dem Grundstück des Katharinenspitals. Rollstuhlgerechte Wohnungen stünden ebenfalls auf der Agenda. Die Pflege- und Hauswirtschafts-Leistungen sollen jedoch von einem größeren Einrichtungsträger erbracht werden. Die Stiftung, die von der Stadt Forchheim verwaltet wird, will dazu mit dem BRK Kreisverband Forchheim, der Caritas Bamberg und der Diakonie Bamberg-Forchheim in Verhandlungen treten. Diese hatten in der Stiftungsausschuss-Sitzung im April eine Zusammenarbeit mit der Pfründnerstiftung angeboten.

Spital nicht sanierungsfähig

Oberbürgermeister Franz Stumpf stellt klar, dass das alte Katharinenspital der neuen Einrichtung weichen müsse. Es habe sich aufgrund des Pflegewohnqualitätsgesetzes als nicht mehr sanierungsfähig gezeigt.

Insbesondere könne es die Appartements nicht aufnehmen, die gegenüber den Altenheim-Zimmern deutlich größer ausfallen. Die Bewohner des Katharinenspitals seien bereits in einer Heimbeiratssitzung am vergangenen Dienstag über die geplante Schließung informiert worden, berichtet Stumpf. Ihnen und ihren Angehörigen solle von Seiten der Stadt bestmögliche Unterstützung zuteil werden, versichert der Oberbürgermeister. Die Stiftung wolle ihnen dazu möglichst ihre Wunsch-Heimplätze in den stationären Heimen anderer Träger in Forchheim vermitteln. Ebenso informiert worden seien die Mitarbeiter des Katharinenspitals in einer Personalversammlung am vergangenen Mittwoch.

Die Stiftung wolle ihnen gleichwertige, neue Arbeitsplätze beim neuen Einrichtungsträger verschaffen, "allerdings kaum mehr am gleichen Standort", wie Franz Stumpf in seiner Presseerklärung einräumt. Kündigungen wolle die Stiftung soweit möglich vermeiden.

Alte Leute sind verärgert

Während Franz Stumpf versichert, dass bei der Personalversammlung und bei der Heimbeiratssitzung eine "sehr sachliche" Atmosphäre geherrscht habe, bot sich unserer Zeitung bei der jetzigen Bewohnerversammlung ein anderes Bild.

Emotional aufgewühlt erklären die Senioren, warum sie das Haus während des Umbaus nicht verlassen wollen, ja sogar schriftlich bekundet hätten, lieber den Baulärm hinnehmen zu wollen. "Die schauen bei der Stadt nur auf's Geld, nicht auf den Menschen - wir sind kein Verschiebematerial", schimpft der 77-jährige Franz Winkelbauer, der gehofft hatte, im Katharinenspital seinen Lebensabend verbringen zu können und jetzt gesteht: "Ich bin schwer enttäuscht". Alten Menschen könne man schon nach dem Mietrecht nicht ohne Weiteres die Wohnung kündigen.

Die 93-jährige Edith Rosenbaum entrüstet sich, dass der Oberbürgermeister, jetzt, wo er nicht mehr auf eine Wiederwahl angewiesen sei, wohl meine, tun zu können, was er wolle. Bitter enttäuscht ist auch Anna Maria Kuhnert. Der OB habe ihr bei ihrem 90.Geburtstag noch versprochen, dass die Bewohner während des Umbaus im Haus wohnen bleiben könnten.

Lisa Röder die eine Seniorin betreut, macht deutlich: "Es sind ja auch Freundschaften unter den Bewohnern entstanden - die reißt man jetzt auseinander". Wie Heimleiterin Christine Unger erklärt, habe auch das Personal "entsetzt und schockiert" auf die Umbesetzungspläne reagiert.