"Geschockt" hatten die Anwohner im Februar reagiert, als unvermittelt 16 Bäume vor ihren Fenstern in der Käsröthe 9 bis 11 abgesägt wurden. Die Wohnungsbaugenossenschaft Forchheim (Gewog) hatte die Bäume fällen lassen, um zwei Häuser mit 15 Wohnungen zu bauen.

Wie die Gewog-Verantwortlichen später einräumten, war die Fäll-Aktion voreilig gewesen - am Stadtrat vorbei. Der Bebauungsplan war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht genehmigt.

Forderung: Ersatzbäume trotz Begrünung

Jetzt scheint es Trost für die geschlagenen Wunden zu geben. Die Münchner Architekten Michaela Ausfelder und Martin Janik haben Pläne vorgelegt, die das verschwundene Grün ausgleichen. Ausfelder betont, dass sie den Ärger der Anwohner "gut verstehen" könne. Ihre Lösung einer "extensiven Dachbegrünung" hat zumindest die meisten Stadträte überzeugt.

Allerdings müssten auch noch "Ersatzbäume, nicht nur Bäumchen" in der Käsröthe gepflanzt werden, forderte Martina Hebendanz. Das sei bitter nötig, meint die CSU-Rätin: "Die gefällten Bäume stecken noch in den Köpfen und erzeugen Wallungen."

Tatsächlich hat sich die Aufregung der protestierenden Anwohner nicht gelegt. Judith Effenberg, die für eine Gruppe von rund 20 Bürgern spricht, reagierte "entsetzt", als sie erfuhr, dass die beiden neuen Häuser nun vier Etagen hoch werden sollen. "Sicher, wir brauchen Wohnraum in Forchheim, aber wer zahlt in diesem Fall den Preis? Die Nachbarn", beklagt Judith Effenberg.

Wer an der westlichen Grundstücksgrenze (Käsröthe 3 und 3a) wohnt, hatte vom Schlaf- und Wohnzimmer einen grünen Ausblick. "Jetzt schau ich auf eine Brachfläche und später auf ein Haus", ärgert sich die Anwohnerin. Sie und ihre Nachbarn fordern den grünen Ausblick zurück.

Die Anwohner fühlen sich übergangen

Wirklich zufrieden wäre sie erst, sagt Judith Effenberg, "wenn die neu gepflanzten Bäume zehn bis zwölf Meter hoch wären". Die Dachbegrünung der neuen Häuser sei zwar "sinnvoll für das Mikroklima", räumt Effenberg ein. "Aber was haben die Anlieger davon? Für sie bleibt die Tatsache, dass sie übergangen wurden, genauso wie das Bauamt und die Naturschutzbehörde."

Der Forchheimer FDP-Stadtrat und Architekt Sebastian Körber empfindet die Dachbegrünung der Münchner Stadtplaner als so gelungen, dass er dafür plädiert, beide neuen Häuser vierstöckig zu bauen.

Edith Fießer beklagt vierte Etage

Das enttäuscht zwar Edith Fießer (Stadträtin der Grünen), die betont, dass die Anwohner mit drei Etagen "genug belastet" seien. Doch im jüngsten Bauausschuss der Stadt gab es eine klare Mehrheit dafür, die Gewog-Häuser viergeschossig und mit begrüntem Flachdach zu bauen.

Wobei Holger Lehnard (CSU) darauf drängte, die Baumgröße der Ersatzpflanzungen im Bauplan "festzulegen".