Die Königsstadt hat einen neuen Jugendbeauftragten: Sebastian Hösch (JB) hat das Amt von Josua Flierl (CSU) übernommen. Der Fränkische Tag Forchheim hat Hösch auf dem ehemaligen Skatepark im Stadtnorden zum Exklusiv-Interview getroffen.

FT:Neu im Stadtrat und jetzt Jugendbeauftragter. Wurden Sie nur gewählt, weil Sie mit 32 Jahren einer der jüngsten sind?

Sebastian Hösch: Ich habe mich natürlich sehr gefreut. Ja, der Jugendbeauftragte sollte jemand sein, der nah an der Basis bei den Jugendlichen ist. Deren Interessen, Freizeitverhalten und auch die Ausbildung haben sich verändert. Und ich habe eine ganz andere Sicht auf manche Dinge als jemand, der deutlich älter ist.

Was kann die Stadt denn aus Ihrer Sicht besser machen?

Ich weiß noch, wie schwierig es zu meiner Jugendzeit war: Wo wir etwas machen durften und akzeptiert wurden. Ich will wieder mehr für die Jugend machen, weil es in der Stadt zum Beispiel an Freizeitangeboten und Treffpunkten mangelt. Ich will mich für die Jungs und Mädels einsetzen, damit es mehr Angebote gibt oder auch um ihre Probleme zu lösen. Meine Aufgabe sehe ich darin, Ideen zu sammeln und Impulse für neue Projekte zu geben und diese dann zu unterstützen und zu fördern.

Wie wollen Sie das schaffen?

Wir als Stadt müssen wieder aktiver auf die Jugendlichen zugehen. Es gab eine Jugendsprechstunde, die wurde aber leider recht schlecht angenommen. Eine Idee von mir wäre ein Jugendjournal, das vielleicht einmal im Halbjahr herauskommt. So eine Art "Stadtanzeiger" für Jugendliche und Kinder; sowohl digital als auch in Printform. Das soll auch ein bisschen bunt und knallig sein. Das könnte man in Zusammenarbeit mit den Jugendeinrichtungen machen.

Stichwort Mitbestimmung: Wäre ein Schülerparlament sinnvoll?

Das gab es schon einmal in Forchheim, aber ist wieder eingeschlafen. Anfang der 1990er gab es ja den Hype um Schülerparlamente. Da ist oftmals nichts daraus geworden, weil sie meist stiefmütterlich behandelt wurden. Das will ich nicht. Städte wie Erlangen machen das aber megagut. Die Frage ist, ob dafür das Interesse in Forchheim da ist. Dann könnte man in ein paar Jahren ein Schülerparlament in Forchheim wieder aufleben lassen. Man könnte die Idee auch in einen Runden Tisch "umswitchen". So dass man sich vielleicht einmal im Quartal mit den Schülersprechern in Forchheim zusammensetzt. Als Sprachrohr könnte ich die Aufgaben dann in den Stadtrat tragen.

Sie haben mangelnde Treffpunkte kritisiert. Wenn Jugendliche zum Beispiel im Stadtpark "abhängen", gefällt das nicht jedem. Wo sollen sie sich denn treffen?

Eine konkrete Idee habe ich noch nicht. Ich will mich erstmal damit auseinandersetzen, welcher Bedarf da ist. Wenn es zu Konflikten kommt, müsste man auf Kommunikation und Sensibilisierung setzen und mit den Jugendlichen sprechen. Aber zu den Freizeitmöglichkeiten: Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, hinten am Gymnasium am Volleyballfeld einen Treffpunkt zu schaffen. Voraussetzung dafür ist natürlich eine passende Infrastruktur wie eine Hütte oder Abfalleimer, um Müll zu entsorgen. Auf der Fläche hinter dem Amtsgericht könnte ich mir auch einen Federballplatz vorstellen.

Unsere Zeitung hat auf Facebook gefragt: Was braucht Forchheim, um attraktiver für Jugendliche zu werden? Discos und Bars wurden genannt. Ihre Meinung zur "Partystadt Forchheim"?

Für eine große Disco sehe ich in Forchheim relativ wenig Chancen. Dafür sind wir in der Metropolregion zu gut nach Erlangen und Bamberg angebunden. Aber das Problem ist: Das gastronomische Angebot, das wir in Forchheim haben, ist meist etwas, wo man als Jugendlicher sagt: Das kann ich mir nicht leisten.

Was kann die Stadt machen?

Was ich mir vorstellen könnte, wäre eine Möglichkeit, wo sich Jugendliche einfach zum Quatschen und zum Abhängen treffen - auch für unter 18-Jährige. Wo es vernünftige Preise für Getränke und Essen gibt. So etwas wie das "Mosom" früher. Das war eine Jugendbar und hat bei uns damals saugut funktioniert. Das war unser Anlaufpunkt, wo wir am Wochenende immer gestartet und wieder geendet sind. Das war eine coole Community damals. Das "Mosom" hat über zehn Jahre Bestand gehabt, aber das Gebäude war baufällig und dann hat sich keiner mehr gefunden, der es betreiben wollte. Das wäre ein cooles Projekt, das ich gerne wieder anstoßen würde. Da hätte ich echt Bock drauf.

Es gibt kreative Ideen für Jugendliche: Was halten Sie zum Beispiel vom "Trail Park Forchheim"?

Ich bin der Idee positiv eingestellt. Das ist aber ein Projekt, das sich noch entwickeln muss. Der Trailpark ist ein gutes Beispiel, wie man als Kommunalpolitiker mehrere Aspekte abwägen muss, wie die Sicht der Jäger und Förster im Nutzwald. Generell bin ich offen für alles, wenn es auch umwelt- und nachbarschaftsverträglich ist.

Wie verstehen Sie also Ihre Rolle als Jugendbeauftragter?

Ich will mich nicht nur mit dem Thema Freizeit beschäftigen. Auch bei der beruflichen Ausbildung möchte ich unterstützen. Unternehmen oder Jugendliche können beispielsweise gerne auf mich zukommen, wenn es da Bedarf gibt. Und ich will den Jugendlichen auch klarer und verständlicher machen, wie Stadtpolitik funktioniert. Ich will Ideen aufnehmen, Impulsgeber und Sprachrohr sein.

Das Interview führte Ronald Heck

Steckbrief: Das ist Sebastian Hösch

Alter: Hösch ist 32 Jahre alt.

Vita: Der gebürtige Forchheimer ist in der Königsstadt aufgewachsen. Außer einer kurzen beruflichen Station von zwei Jahren in München lebte er immer in Forchheim.

Beruf: Sebastian Hösch arbeitet als Projektleiter einer Baufirma in Erlangen.

Politik: Seit Mai 2020 sitzt er für die Jungen Bürger im Forchheimer Stadtrat. Ende Oktober wurde Sebastian Hösch vom Stadtrat zum Jugendbeauftragten der Stadt Forchheim gewählt. Hösch ist seit drei Jahren im Vorstand des Vereins "Junge Bürger" aktiv. Seit der Berufung in den Forchheimer Stadtrat ist er auch Fraktionsvorsitzender der JB Forchheim.