Die alarmierende Nachricht des Gutachters erreichte die Stadt am Montagmorgen: Wegen der "Gefahr für Leib und Leben" müsse das Kolpinghaus sofort geschlossen worden.

Die Schließung habe sich bereits am Freitag bei einem Ortstermin angedeutet, sagte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD). Am Montag bekam es die Bauverwaltung dann schriftlich: Das Gebäude, das zum Kulturzentrum umgebaut werden soll, ist von Pilzen, von Holzwürmern und von Nässefäule befallen.

Die Schäden sind so gewaltig, dass die Tonnendecke des großen Saals herunterzukommen droht. Im Vorderhaus, dort wo die Tanzschule in zwei Räumen untergebracht ist, sei zudem die Statik bedroht. Der Betrieb der Tanzschule kann zumindest im größeren der beiden Räume nicht mehr stattfinden.

Wenn in der Bauordnung von der Gefahr für Leib und Leben die Rede sei, dann sei schon "äußerste Gefahr" in Verzug, betonte René Franz (Chef des Bauamtes). "Die Nutzungsuntersagung ist Pflicht. Daher bleibt die Tanzschule ab sofort draußen."

Auch die Stadt- und Kreisräte müssen sich demnach eine neue Bleibe suchen. Wegen der Sanierung des Rathauses waren ihre Sitzungen in das Kolpinghaus verlegt worden. Jetzt werde man vermutlich in das Feuerwehrhaus ausweichen, kündigte OB Kirschstein an.

In den nächsten Wochen wird die Stadt ein Gerüst in den Kolpingssaal einbauen lassen. Dadurch, so Stefan Schelter (Chef des Bauordnungsamtes) werde die Decke gesichert - und dann sei der Saal auch wieder für Sitzungen nutzbar. Doch das Vorderhaus, also der große Raum der Tanzschule, müssten wegen der Statik-Probleme, bis zur kompletten Sanierung des Kolpinghauses geräumt bleiben.