Der Anlass zu Beerdigungen ist traurig, für Angehörige aber zugleich bedeutsam: "Eine Trauerfeier ist eine wichtige Sache, weil der Verstorbene gewürdigt und auf seine Besonderheiten eingegangen wird", sagt Alexandra Kreller, die als freiberufliche Trauerrednerin in Forchheim und der Umgebung tätig ist.

"Die Bestattungen werden von mir vorbereitet, moderiert und gestaltet", sagt sie. Dabei bindet sie auf Wunsch auch christliche Elemente mit ein. Hauptpunkt in einer Trauerfeier ist dann vor allem die persönliche Trauerrede.

Die Ausbildung zur Trauerrednerin hat die 51-Jährige im Zeitraum von Juni 2019 bis September gleichen Jahres an der Trauerrednerakademie Rödermark in Frankfurt absolviert. Ihr erster Einsatz folgte nur wenige Wochen später - durch ein persönliches, trauriges Ereignis, denn an der Schwelle zum neuen Jahr starb unvermittelt Alexandra Krellers Mutter. "Sie hat mich immer gefragt, warum ich das mache", erzählt sie noch über die Ausbildungszeit. Die Rede für die eigene Mutter sei dann ein Startschuss gewesen.

Stimmungen wahrnehmen

Ab dem ersten Treffen mit den Angehörigen hat sie immer zwei Dinge dabei: Ein Windlicht mit brennender Kerze und eine Mappe mit einem Informationsbogen, auf denen sie nach Punkten wichtige Eckdaten eintragen kann, sodass kein Detail falsch notiert wird.

Angst oder Unsicherheit, das Leben eines Menschen mit ihren Worten in einer Rede nicht zu treffen, habe sie nicht. "Es ist für mich jedes Mal eine Ehre, wenn ich eine Rede verfassen darf", sagt sie. Nach einem Gespräch mit der Familie, in der Regel bei dieser zu Hause, setze sie sich gleich an den Schreibtisch und beginne, den Text zu verfassen. Vor allem, um die Empfindungen und Gefühle aus dem vorausgegangen Treffen unmittelbar mit einfließen zu lassen.

Meist höre sie dabei zuerst die Lieder an, die gemeinsam für die Beisetzung ausgewählt wurden und schafft eine Stimmungsgrundlage zum Schreiben. Oft wählt Alexandra Kreller ein Gedicht als Einstieg, erzählt dann vom Leben des Verstorbenen und lässt ein Lied oder eine kleine Geschichte einfließen. Eine starre Abfolge von Elementen für eine Rede gebe es aber nicht. Vorgetragen dauere diese dann rund eine halbe Stunde.

Bei einer Beisetzung sollten beispielsweise ausschließlich Wanderlieder gespielt werden, auf dem Sarg lag dann auch ein Wanderhut. Es war der Abschied von einem stets fröhlichen Menschen. "Es verändert etwas, wenn man das weiß."

Mut, über die Trauer zu sprechen

Zweimal die Woche arbeitet Kreller zudem im Klinikum Forchheim. Seit acht Jahren kümmert sie sich dort um die Beisetzung von Sternenkindern - Kinder, die kurz vor, während oder nach der Geburt bereits aus dem Leben scheiden. Außerdem ist Ansprechpartnerin für die trauernden Eltern. Für diese hat sie es auch in die Hand genommen, dass die Beisetzungen der Säuglinge auf dem Alten Friedhof stattfinden, denn ein Kindergrab ist schon da gewesen.

Damit muss man umgehen können. "Ich habe mich nie weggedreht und habe immer ein offenes Ohr", sagt sie. Tod und Trauer könne sie ansprechen.

Die Ausbildung zur Trauerrednerin habe Kreller erst einmal nur für sich selbst gemacht, erzählt sie. Dreimal fand diese jeweils eine Woche vor Ort statt, das Verfassen der Rede stand dabei im Vordergrund.

Die Mitgestaltung ist gefragt

Die Nachfrage nach freien Trauerrednern steige, sagt Alexandra Kreller. Heute seien etwa die Hälfte der Bestattungen nicht mehr kirchlich geprägt, schätzt sie. Im ländlichen Bereich handhabe man das eher noch etwas traditioneller als in der Stadt. Früher seien Bestattungen oft auf die gleiche Art und Weise abgelaufen, erinnert sie sich an besuchte Beerdigungen. Heute fordern Angehörige zunehmend ihr Mitspracherecht ein.

Trotz des traurigen Anlasses verlässt Kreller die Trauerfeier meist mit einem guten Gefühl - immer dann, wenn sie merkt, den Angehörigen haben die Worte gut getan. Bei jedem Termin unterstützt Alexandra Kreller zudem ihre Tochter Anna, denn es gebe bei einer Trauerfeier immer auch kurzfristig noch etwas zu arrangieren. Zusammen gehen beide auch immer vorher zum Grab, um sich die Stelle anzuschauen und ein Bild vom vorhandenen Platz zu machen.

Alles in allem ist Alexandra Kreller rund 12 Stunden mit der Vorbereitung beschäftigt, 450 Euro kostet ihr Einsatz.

Man nehme immer auch etwas mit nach Hause, sagt sie. An ein Erlebnis, bei dem sie selbst zu Tränen gerührt war, kann sie sich noch gut erinnern. Der Neffe eines Verstorbenen spielte bei der Beisetzung im Ebermannstadter Friedwald Trompete. Dass er dabei ins Instrument weinte, sei unüberhörbar gewesen. "Dann nimmt einen das schon mit. Oder auch, wenn der Verstorbene in seinem Leben viel Schmerz und Leid erfahren hat", sagt sie.

Etwa 25 Beisetzungen hat Kreller bisher als freiberufliche Trauerrednerin im Bereich Forchheim, Erlangen-Höchstadt und Bamberg begleitet. Wenn sie heute auf den Friedhof geht, besuche sie ab und an noch die Gräber derjenigen, deren Trauerfeier sie mitgestaltet hat.