Die 27-jährige Carina Schneider aus Kersbach ist die seit einer Woche Vorsitzende der Freiwilligen Feuerwehr in ihrem Heimatort. Eine Besonderheit, denn selten übernehmen die Frauen das Steuer in einer solchen Männerdomäne. In ihrem Alter ist sie die einzige im gesamten Landkreis. Ein Grund, mit der ehemaligen Forchheimer Bierkönigin ein Gespräch über die Feuerwehr, Geschlechterrollen und Verantwortungsbewusstsein zu führen.

FT: Frau Schneider, seit wann sind Sie denn in der Feuerwehr?

Carina Schneider: Als ich zwölf Jahre alt war, bin ich der Feuerwehr Jugendgruppe beigetreten. Mit 18 führte mich mein Weg in die aktive Wehr, genauer gesagt in unsere damalige Damengruppe. Aber ehrlich gesagt war ich schon viel früher dabei, mein Vater war jahrelang Kommandant und dann auch Vorsitzender. Ich bin im März 1991 auf die Welt gekommen, im Mai war ich dann zum ersten Mal auf einem Feuerwehrfest. ?

Wie ist es so als Frau unter vielen Männern bei der Feuerwehr?

Grundsätzlich überhaupt nicht schlimm, weil ich nicht die einzige bin und die werden hoffentlich immer mehr. Ehrlich gesagt war ich schon immer entweder die einzige Frau, zum Beispiel bei der Jungendfeuerwehr, oder dann zumindest die jüngste Frau, als ich zu den Damen kam. "Das Laster" trage ich schon immer mit mir rum.?

Fühlen Sie sich jetzt in dem neuen Amt ernst genommen?

Natürlich kann man nach einer Woche noch nicht so viel sagen, dennoch bin ich mir sicher, dass es eine gute Zusammenarbeit sein wird. Die nächsten Monate werden sicherlich ein Lernprozess für mich als Neuling, als auch für die bestehende Vorstandschaft. Allerdings bin ich bereits seit ich zwölf bin bei der Feuerwehr in Kersbach und kenne die allermeisten hier bereits mein ganzes Lebens lang, genauso wie die anderen mich, und genau deswegen glaube und hoffe ich dass es unkompliziert wird, sich aufeinander ein zu spielen.Natürlich ist es eine ganz neue Situation und wenn man da als "junge Blondine" neu in ein Amt kommt, was vorwiegend von älteren Herren besetzt ist, wird man eventuell anders angesehen. Dennoch zählen ausschließlich Argumente, neue Ideen und Einsatz, nicht von wem diese Sachen kommen.

Denken Sie, dass sich in der Amtsführung unter ihnen als "junge Blondine" etwas ändern wird?

Es ist nicht selbstverständlich als junge Frau den Vorsitz einer Feuerwehr übernehmen zu dürfen. Ich glaube allerdings schon, dass ich das ein oder andere anders machen werde. Das ist aber eher dem Generationenwechsel geschuldet. Mein Papa als mein Vorgänger ist 61 Jahre alt. Da hat man auf manche Dinge eine andere Sicht als mit 27. Aber sicherlich wird man auch in irgendeiner Form den weiblichen Einfluss spüren. Grundsätzlich läuft es bei der Kersbacher Feuerwehr aber sehr gut, ich wüsste nichts, was man dringend ändern müsste.

Gibt es dann keine Aufgaben, die Sie jetzt in den sechs Jahren, die Sie gewählt sind, angehen wollen?

Wir sind ein gut funktionierender Verein mit zirka 250 Mitgliedern, einem neuen und modernen Feuerwehrhaus und einer guten Ausrüstung. Aber es gibt natürlich immer was zu tun. Wie in vielen Vereinen ist bei uns die Kinder- und Jugendarbeit ausbaufähig. Ich möchte dafür sorgen, dass es keine Alterslücken gibt. Außerdem feiern wir 2025 das 150-jährige Bestehen der Feuerwehr Kersbach. Egal in welcher Form dieses Jubiläum gefeiert wird, muss natürlich schon in den nächsten Jahren viel geplant und organisiert werden. Des Weiteren werden wir kurz bis mittelfristig einen neuen Anbau an unser Feuerwehrhaus bekommen, welcher mit viel Eigenleistung der Feuerwehr Kersbach, aber auch mit Unterstützung der Stadt Forchheim, realisiert wird.

Frau Schneider, Sie sind nicht nur in der Feuerwehr aktiv, was machen Sie sonst und wie kam es dazu, dass Sie sich für das doch zeitintensive Ehrenamt bei der Feuerwehr entschieden haben?

Neben der Feuerwehr bin ich noch im Schützenverein, bei der CSU in Kersbach und bei der Jungen Union Forchheim. Ebenfalls bin ich noch bei den Jungen Bürgern aktiv. Als ehemalige Bierkönigin habe ich allerdings nur noch bei besonderen Anlässen wie dem Annafest oder dem Altstadtfest eine Aufgabe. Als mein Papa Anfang 2018 entschieden hat, dass er aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung steht, war klar, dass Kersbach sich nach einem neuen Vorsitzenden umsehen muss. Im Sommer wurde ich dann zum ersten Mal auf das Amt angesprochen. Erste lockere Anfragen haben sich dann zu ernsteren Überlegungen entwickelt. Die endgültige "Entscheidungsphase" begann dann vor ein paar Wochen. Ein Gespräch mit dem gesamten Vorstand und eine persönliche Liste für mich mit pro und kontra Punkten, lies mich nach gründlicher Überlegung zustimmen, mich zur Wahl stellen zu lassen. Es war für mich keine Frage, denn ich wusste, wenn ich ein Amt annehme, dann wird es bei der Feuerwehr sein.

Das Interview führte

Jennifer Opel