Bürgerversammlungen werden in Eggolsheim fast schon so etwas wie zelebriert. Es hat sich zur Tradition verfestigt, dass jeder Gemeindeteil eine eigene Versammlung hat. Das bedeutet, dass sich Bürgermeister Claus Schwarzmann (BB) an 14 Abenden in Gaststätten, Feuerwehr- oder Gemeinschaftshäusern sehen lassen muss.

Die erste Station führt Schwarzmann dabei immer in den Brauereigasthof "Schwarzes Kreuz" in Eggolsheim.
Auf der Agenda standen an diesem Abend die Ansiedlung der Firma Lidl in der Büg, die Sanierung der Eggolsheimer Schule und des Lindner-Gebäudes. Das wird hergerichtet wird, um der Forchheimer Georg-Hartmann-Realschule eine vorübergehende Bleibe zu bieten. Ebenfalls angesprochen worden sind Themen wie der Kanalbau in Eggolsheim, der DSL-Ausbau im ganzen Gemeindegebiet oder auch die Biogasanlage in Richtung Bammersdorf.

Ansonsten wurden die geschätzt 80 Eggolsheimer mit derart vielen Zahlen konfrontiert, dass am Schluss nur wenig Raum für Fragen und schon gar keiner für Diskussionen blieb. Eggolsheim hat gegenwärtig 5,7 Millionen Euro Schulden. Der Kassenkredit liegt bei 2,1 Millionen. Das klingt schlimmer als es tatsächlich ist, denn 2012 haben sich die Zinszahlungen mit 200.000 Euro laut Schwarzmann in Grenzen gehalten.

Es geht um bares Geld

Erneut plädierte Schwarzmann aber für eine Erhöhung von Grund- und anderen Steuersätzen, was die Opposition aus CSU, Freien Wählern und SPD allerdings bislang stets abgelehnt hatte. "In der Büg steckt zu einem großen Teil Wohl und Wehe von Eggolsheim", richtete Schwarzmann anschließend den Blick in die Zukunft. Denn der Grundstücksverkauf sichere langfristig Arbeitsplätze und Einnahmen.

Ferner gewährleiste er einen "großzügigen Ausgleich" im Naturschutzbereich und bringe zudem durch eine Erweiterung des Sand- und Kiesabbaus im Gebiet Büg Nord der Gemeinde bares Geld. Laut Schwarzmann geht es dabei um vertraglich gesicherte Einnahmen in Höhe von acht Millionen Euro. Dafür ist der lange heftig umstrittene Badesee endgültig "gestorben". Das Gebiet wird nun ausschließlich dem Naturschutz vorbehalten sein.

Ölhafen wird renaturiert

Die Erweiterung des Naturschutzgebietes ist mit 32,5 Hektar angesetzt. Als Ausgleich für 2,85 Hektar, die für den Lidl-Neubau dem Naturschutz und dem FFH-Gebiet weichen müssen. Die Teilflächenerweiterung für Sand- und Kiesabbau in der Büg Nord ist mit 5,5 Hektar geplant, der alte Ölhafen soll renaturiert werden. Außerdem sind 1,2 Hektar für Maßnahmen zugunsten von Zauneidechsen reserviert. Dies, so Schwarzmann, sei der "politische Ausgleich" - der fachliche komme noch. Der Landesbund für Vogelschutz habe dem Kompromiss bereits zugestimmt, nur der Bund Naturschutz halte sich mit einer Entscheidung noch zurück.

Eine Sanierung der Schleuse 94 soll nach dem Willen Schwarzmanns in zwei Schritten 2013 und 2014 vollzogen werden. Der erste Schritt belastet die Gemeindekasse wohl mit etwa 425.000 Euro, der zweite mit etwa 250.000 Euro. Fördermittel gibt es laut Schwarzmann unter anderem aus dem Leader-Programm, von der Oberfrankenstiftung und auch der Bayerischen Landesstiftung.