Ohne den Häsigbach wäre Effeltrich gar nicht denkbar, davon ist Marcus Götz inzwischen überzeugt. "Er sammelt das Wasser von den Berghängen und den Feldern an der Westseite des Hetzleser Berges und befördert es ins Tal. Wasser war der entscheidende Siedlungsfaktor. Effeltrich war zuerst ein Reihendorf am Häsigbach entlang."
Mit der Bedeutung des Häsigbachs hat sich Marcus Götz intensiv auseinander gesetzt, als er über seinem Buchprojekt "Effeltrich - Vergegenwärtigte Geschichte" saß. Das Buch hat er inzwischen abgeschlossen und im Selbstverlag auf den Markt gebracht.
Götz, der selbst aus Effeltrich stammt, wollte nichts weniger, als seiner Heimatgemeinde ein paar verschüttete Wahrheiten und Zusammenhänge entlocken. Er wollte nicht glauben, dass die Menschen schon alles wussten von dem fränkischen Dorf mit der St.
Georgs-Kirche, Wehranlage, der tausendjährigen Linde und dem traditionellen Georgi-Ritt. Denn er hatte das Gefühl, selbst längst nicht alles über Effeltrich zu wissen. Was, so ganz nebenbei auch daran liegen könnte, dass ihn "Geschichte in der Schule nicht besonders interessiert" hat.

Der Frauenstein gibt Rätsel auf


Angefangen hat alles mit dem sogenannten Frauenstein. Der 38-Jährige, der als Weichenmechaniker in Nürnberg arbeitet, hat sich eines Tages den Stein einmal etwas näher angeschaut, der auf einem Waldweg zwischen Effeltrich und Honnings liegt.
Der Frauenstein ist ein altes Flurdenkmal, ein großes, zweiteiliges Sandsteinkreuz, das lange verschwunden war und im September 2008 wieder aufgestellt worden ist. Der Volksmund verbindet mit diesem Stein die Geschichte vom Tod oder sogar der Ermordung einer Frau, allerdings in drei widersprüchlichen Versionen. "Und drei Versionen sind genau zwei zu viel", sagte sich Götz.
Weiter noch: Auch die Datierung des Steins (1743 oder früher?), die Deutung seiner Funktion (Grenzstein? Marterl? Markierungsstein?) und die Ursache seines Verschwindens sind nicht geklärt. "Ich habe gemerkt, dass man von den gängigen Antworten wegkommen muss. Dass man sich nur auf das stützen kann, was tatsächlich da ist: das sauber herausgearbeitete Kreuz auf der einen Seite und die plump eingeritzte Jahreszahl auf der anderen. Dann die vier Löcher oberhalb der Jahreszahl und die grob heraus gehauene Bildnische und die Beschädigungen an der Seite."
Lösen hat Götz das Geheimnis des Frauensteins letzen Endes auch nicht können. Aber es ist sein Verdienst, die kursierenden Thesen zusammengefasst und gegenüber gestellt zu haben. Die Beschäftigung mit dem Frauenstein hat Götz herausgefordert, über seinen Heimatort und die nähere Umgebung zu schreiben. Ein Buch, in dem die üblichen Erklärungen und altbekannten Sichtweisen in Frage gestellt und neue Antworten plausibel gemacht werden.

Viele Ungereimtheiten


Wo zum Beispiel befindet sich der älteste Siedlungsbereich von Effeltrich? Warum liegt die Kirche außerhalb des alten Dorfkerns? Warum ist sie nach Nordost und nicht nach Osten ausgerichtet?
Warum ist die Kirchenburg keine Zufluchtstätte für die Dorfbewohner gewesen, sondern eine Wehrbefestigung des Landesherrn, des Bischofs von Bamberg, der seinen Herrschaftsbereich vor Angriffen der Reichsstadt Nürnberg schützen und die wichtige Handels- und Heeresstraße von Forchheim über Neunkirchen am Brand in die Oberpfalz kontrollieren wollte?
Warum hat Hetzles ebenfalls eine Wehranlage gehabt? Warum hat der Ortsname Effeltrich nichts mit der Obstbaumzucht zu tun? Was kann der Ortsname Gaiganz bedeutet haben? Warum ist die tausendjährige Linde nur etwa 350 Jahre alt und wieso war sie für die Obstbaumzucht wichtig? In seinem anschaulich und spannend geschriebenen Buch beantwortet Markus Götz all diese Fragen auf seine Weise. Er ist alten Geschichten nachgegangen, hat mündliche Überlieferungen mit einbezogen und reichlich Literatur und alte Zeitungen durchgearbeitet. Dabei ist er immer wieder auf vorgefasste oder überlieferte Versionen, Ungereimtheiten und Ungenauigkeiten, Behauptungen, Spekulationen und auch auf Widersprüche gestoßen.
"Wenn man von dem ausgeht, was vor uns liegt, und im Hinterkopf die Frage hat, was das für die Menschen damals bedeutete, dann kommt man auf ganz neue Sichtweisen. Und zu neuen Antworten, die dann wieder zu neuen Fragen führen", sagt Marcus Götz.

Das Buch "Effeltrich - Vergegenwärtigte Geschichte hat 194 Seiten. Es kann zum Preis von 15 Euro per Mail an buch-effeltrich@gmx.net bestellt werden.