Sein Name erscheint in der Wikipedia-Liste zwischen Eduard Nöth und Klaus Kreuzeder: Wolfgang Droege. Die Liste, die das Online-Lexikon führt, ist zwar keine offizielle. Auch als Quelle ist Wikipedia umstritten. Trotzdem landen viele Menschen täglich bei der Suche nach Informationen im Internet auf dieser Website.

Unter dem Punkt "Söhne und Töchter der Stadt Forchheim" stehen zum Beispiel Nöth, Droege, Kreuzeder. Außerdem folgen Politiker wie Umweltminister Thorsten Glauber und andere Bundes- und Landtagsabgeordnete. Wieso also blickt der Fränkische Tag in der Themenwoche auf Wolfgang Droege? Weil hinter seinem Namen nicht Politiker, Musiker oder Schauspieler steht. Sondern "kanadisch-deutscher Rechtsextremist".

Am 25. September 1949 ist Wolfgang Droege in Forchheim geboren. Wegen seiner zweifelhaften Berühmtheit führt ihn die Forchheimer Wikipedia-Seite. Dass er Rechtsextremist wurde, könnte an der familiären Einbettung liegen. Eltern und Großeltern waren begeisterte Unterstützer der NSDAP gewesen.

Droege besuchte in Forchheim die Zentralschule. In seinem Jahrgang waren unter anderem Franz Stumpf, Franz Streit und Dieter George. Doch mehrere bekannte Forchheimer, die alle im Alter von Droege waren, erinnern sich bei Nachfrage kaum an ihn. "Mir sagt der Name etwas, aber ich erinnere mich nicht daran, mit ihm in einer Klasse gewesen zu sein", sagt einer der Zeitzeugen.

Ähnlich geht es einem weiteren Klassenkameraden. "Ich erinnere mich überhaupt nicht", sagt er. Mit einigen Schulkameraden habe er heute noch Kontakt, aber dass Droege bei ihm in der Klasse gewesen sei, sei ihm nicht bewusst. "Vielleicht war er in der Parallelklasse", mutmaßt er. Auffällig war Droege offenbar nicht gewesen. Wer das alte Foto des Schülerjahrgangs 1956 anschaut, wundert sich nicht. Die Klassen waren größer als heutzutage.

Droege, der 1962 bereits mit seiner Mutter nach Kanada ausgewandert war, war zwischenzeitlich zurück nach Deutschland gekommen, um sich der Bundeswehr anzuschließen. Da dies aber nicht so schnell wie erhofft klappte, kehrte er nach Kanada zurück. Während Droege in Forchheim und ganz Deutschland in Vergessenheit zu geraten schien, sind die englischsprachigen Quellen zu seinem Leben mannigfaltig. In Kanada lebte Droege lange noch bei seiner Mutter und seinem Stiefvater, begann sich aber im rechten politischen Lager zu engagieren. Kanadischen Zeitungsberichten zufolge wurde er 1976 Mitglied des Ku-Klux-Klans. Besonders aber seine herausragende Position in der "Heritage Front", einer ultra-rechten Organisation in Kanada, ist immer wieder dokumentiert.

Mitbegründer "Heritage Front"

Er wird unter anderem in der Toronto Sun (konservativ-populistische Zeitung in Kanada) als Anführer und Mitbegründer des rechten Netzwerkes genannt. Dort wird auch eine junge Frau zitiert, die nach ihrem Ausstieg über die Anfangszeit in dem rechten Netz spricht. "Ich war naiv. Aber er hat mir ein Gefühl von Sicherheit gegeben, er war freundlich und charismatisch. Und er wurde eine Vaterfigur für mich." Diese junge Frau, die später vor Gericht gegen hochrangige Rechtsextremisten aussagte, fügte im Interview mit der Toronto Sun aber auch hinzu, dass er mit seiner Art viel erreichen hätte können. "Aber er lebte im Hass", sagte sie.

Sein Leben wurde mit 55 Jahren beendet, wie mehrere Zeitungen schreiben. Die National Post (konservative Zeitung) berichtete 2005 ausführlich über den Tod des gebürtigen Forchheimers. Der Artikel handelt von dem Mord an Droege und den Beweggründen des Mörders Keith Deroux sowie seiner Verurteilung zu zehn Jahren Haft. Deroux beschuldigte Droege, sein Kokain-Dealer gewesen zu sein. Diese Anschuldigung scheint nicht zu weit hergeholt, bereits 1985 war Droege zu einer 13-jährigen Haftstrafe wegen Kokainbesitzes und illegalem Waffenbesitz verurteilt worden. Nach vier Jahren wurde er damals jedoch vorzeitig entlassen.

Im Drogenrausch hatte Deroux den 55-jährigen Droege in Scarborough (Kanada) umgebracht. Vier Schüsse hatte der Drogenabhängige auf den vor ihm fliehenden Droege abgegeben, der dann in die Brust und in den Hinterkopf getroffen wurde. Damit setzte ein Drogenrausch dem Leben des gebürtigen Forchheimers ein Ende und brachte ihn so auf die Titelseiten.

"Das Netz vergisst nicht": Kommentar von FT-Redakteurin Jennifer Opel

Man könnte meinen, diese Geschichte im Forchheimer Lokalteil der Heimatzeitung zu veröffentlichen, ist aufgeblasen. Ist es aber nicht.

Denn auch wenn Wolfgang Droege früh ausgewandert und für sein Verhalten in Toronto zu Bekanntheit gelangt ist, so ist er gebürtiger Forchheimer. Das könnte man wohl verschweigen. Aber da eine so hochfrequentierte Webseite wie Wikipedia ihn sogar als Sohn der Stadt Forchheim führt. Wer sich über Forchheim kundig machen will, der gelangt recht schnell zu dieser Liste. Und schon ist die Personalie relevant.

Auch wenn man es nicht wahrhaben will, das Netz vergisst nicht. Nicht, dass Droege Mitglied des Ku-Klux-Klans war und nicht, dass er aus Forchheim stammt.