Wenn Thomas Heidenreich als Trainer auftritt, kommt er gerne auf den Profisport zu sprechen. Von den Bamberger Basketballern habe er "gelernt, wie man ein Team so motiviert, dass jeder bis zuletzt alles gibt", erzählt der 42-Jährige. Seine Lernplattform versucht, diese Motivationskunst Führungskräften zu vermitteln.

Thomas Heidenreich kommt aus dem Gesundheitsmanagement. Sein Thema war die "Gesundheit am Arbeitsplatz". Heute ist er Vorstandsvorsitzender der Forchheimer Firma Sanosense. Er hat das Phänomen "Leistungsbereitschaft" erforscht; hat hunderte Interviews mit Führungskräften geführt. Im Mittelpunkt die Frage: Wie müssen Führungskräften ausgebildet werden, um ihre Mitarbeiter motivieren zu können? Da könne man vom Sport viel lernen, meint Heidenreich. Zum Beispiel: "Die Zeiten, in denen Trainer als harte Hunde erfolgreich waren, sind vorbei. Es hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass man nur in stressfreier Umgebung lernen kann."

Auf das Führungskräfte-Training übertragen bedeutet dies: Das bloße Büffeln von Kompetenzen bringt eigentlich nur: Stress. Daher hat Heidenreich eine eigene Methode entwickelt: Den Lernenden präsentiert er vor allem Szenen aus dem Berufsleben. Auf seiner "situativen Plattform" sind mittlerweile 100 Alltagssituationen hinterlegt. Die Videos zeigen jede erdenkliche Konstellation: Wie sich Mitarbeiter über unmotivierte Kollegen das Maul zerreißen; wie sich eine Chefin mit einem Mitarbeiter herumärgert, weil der sich nicht in das Team einfügen will, etc. Von der Analyse der Situation, über die Lösungsstrategie, bis hin zum Gesprächsabschluss - alles kann situativ trainiert werden. Hunderte Stunden Video-Material stehen bereit.

Die englischsprachige Welt will mitlernen

"Da sitzen wir seit drei Jahren drüber", sagt Heidenreich. Diese Lernplattform ist jetzt auch von der englischsprachigen Arbeitswelt umworben. Im Medical Valley Center (MVC), wo die Stadt günstige Arbeitsbedingungen für Jungunternehmer anbietet, gilt Sanosense als Shooting-Star unter den Start-up-Unternehmen.

Der städtische Wirtschaftsförderer und MVC-Geschäftsführer Viktor Naumann sagt, Sanosense sei für ihn der Idealfall eines Start-ups: "Man kann es vom Medical Valley Center aus weiterentwickeln. Zugleich hat das Unternehmen Strahlkraft." Heidenreich coache Zeiss-Führungskräfte und Vorstände von Genossenschaftsbanken genauso wie Mittelstandsunternehmen in ganz Deutschland. "Ein besseres Standort-Marketing für Forchheim können wir uns nicht wünschen", schwärmt Naumann. Zudem sei die Firma ein Vorbild in Corona-Zeiten, sagt der Wirtschaftsförderer. "Die meisten lehnen sich wegen Corona zurück. Da wünscht man sich Unternehmen, die agil sind und sich auf die neuen Zeiten einstellen." Das Start-up-Unternehmen habe gezeigt, "wie man eine Idee in der Krise umsetzen kann".

Corona-Schlag pariert

Wobei auch Sanosense anfänglich böse überrascht worden war: Corona habe seine Firma "wie ein Schlag getroffen", sagt Thomas Heidenreich. Als plötzlich alle Schulungen zwischen Bremen und Wien abgesagt worden waren, mussten sich die Trainer neu orientieren. Heidenreich war es gewohnt gewesen, pro Jahr 80 000 Kilometer auf Achse zu sein, um sein Wissen im "Präsenz-Training " zu vermitteln. Den erzwungenen Stillstand nutzte er, um seine digitale Lernplattform auszubauen. 1400 Stunden Videomaterial waren in den drei zurückliegenden Jahren gedreht worden. Jetzt galt es, daran zu feilen. Vier Monate habe er täglich 15 Stunden gearbeitet, sieben Tage die Woche, sagt Thomas Heidenreich. "Seit Corona sind noch mal 800 Stunden Videos dazugekommen. Wir haben uns nur auf das gestürzt, was wir gestalten und kontrollieren können. Jetzt sitz ich zu Hause und mache Teams auf."