Ein Blick genügt: Richtig gebeutelt schaut der Brandbach aus. Von einem Bach kann im Grunde keine Rede mehr sein. Er gleicht viel eher einem kleinen Rinnsal oder einer halbvertrockneten Pfütze. Das Wasser, die Quelle des Lebens, fehlt dem Brandbach.
Es fehlt, weil Landwirte am Oberlauf den letzten Tropfen herausholen. Es fehlt auch deshalb, weil Privatleute ihren Rasen weiterhin im satten Grün sehen wollen. Das sagen die einen. Die anderen meinen, es liege schlichtweg am Wetter. Es stimmt wohl beides.


Trocken und heiß

"Temperaturen über 30 Grad Mitte September, das ist eine extrem ungemütliche Wetterlage", findet Günther Prem vom Wasserwirtschaftsamt (WWA) in Kronach. Gerade ein Bach wie der Brandbach, der ein kleines Einzugsgebiet hat und aus den oberflächennahen Schichten speist, spürt das trockene und sehr heiße Wetter sofort.


Aber damit ist der Brandbach nicht alleine. Viele Bäche mit kleinem Einzugsgebiet sehen derzeit so gebeutelt aus. In Kronach gibt es selbst größere Gewässer, die kaum Wasser haben. Die Waden werden nicht nass, wer dort barfuß läuft. Ähnlich sehen auch die Böden aus: "Staubtrocken und knüppelhart", sagt Prem. Wasser dringt sicher nicht durch. Es ist auch keines vorhanden. "Anders ist es in der Wiesent beispielsweise. Sie wird durch starke Untergrundquellen gespeist", weiß Prem, der für die Gewässer im Landkreis Forchheim zuständig ist. Der Brandbach, ein sogenanntes Gewässer dritter Ordnung, ist in erster Linie Sache der Gemeinde. "Es gab immer Fälle, wo der Brandbach ein Rinnsal war", erinnert sich Zweiter Bürgermeister Martin Mehl (CSU).


Erinnerung an den letzten Regen

Dass der Bach derzeit gravierend trocken ist, ist ihm nicht bekannt. Es wurde aber auch nicht explizit darauf geachtet. Trocken ist der Brandbach aber auf alle Fälle in Dormitz. "Zur Sebalder Straße ist ein bisschen Wasser vorhanden und ab der Brücke liegt der Bach fast trocken", weiß Olaf Drescher vom Bauamt Dormitz. "Es ist aber auch sehr trocken. Am vierten September gab es den letzten Regen", weiß Drescher, der mit dem Datum den Fränkische- Schweiz-Marathon verbindet.

An jenem Nachmittag hat es geregnet. Nicht ausreichend für diese kleinen Bäche, die aus oberflächennahen Schichten Wasser ziehen - obwohl es keine extreme Trocken- und Hitzeperiode wie im vergangenen Jahr gab. Beschwerden darüber, dass Privatleute oder Landwirte Wasser aus dem Brandbach pumpen, gingen im Bauamt nicht ein. Selbst den Bauhofmitarbeitern ist nichts aufgefallen. Spätestens seit vergangenem Jahr sind diese besonders sensibilisiert. "Vom Landratsamt wurden die Gemeinden informiert, dass Bauhofmitarbeiter die Leute, die unerlaubt Wasser entnehmen, aufklären müssen", sagt Prem vom WWA.

Denn dort gingen seinen Angaben zufolge immer wieder Beschwerden und Anzeigen über eine illegale Wasserentnahme ein. Dass beim Brandbach ein Nutzungsrecht für Bürger besteht, weiß Martin Mehl. Aber diese Nutzung ist begrenzt. "Sie dürfen Wasser schöpfen. Wasser mit einem Zehn-Liter-Eimer holen, ist erlaubt", informiert Prem.
Eine elektrisch betriebene Pumpe aber dürfe nicht in den Bach gehängt werden. Es gebe aber Anwohner, die eine 50-Euro-Pumpe aus dem Baumarkt in den Bach hängen und ihren Rasen bewässern. Aber es gebe auch Landwirte, die Wasser aus den Bächen ziehen. Das verwundert Hauke Petersen, Fachberater für Agrarökologie am Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten in Lichtenfels, auch für den Landkreis Forchheim zuständig. "Um Wasser aus Gewässern zweiter oder dritter Ordnung entnehmen zu können, bedarf es einer Genehmigung", sagt Petersen.


"Es bringt nichts mehr"

Das Wasser dürfe nicht einfach in die Flächen geleitet werden. Er kennt nur wenige Betriebe mit Sonderkulturen, die sich Wasserrechte besorgen. Auch bei Gosberg dürften noch alte Wasserrechte existieren. Auch die Landwirtschaft würde unter der Trockenheit leiden, die seit zwei Jahren herrscht. Aber: "Es bringt nichts mehr. Das Getreide ist weg, der Mais geht zur Ernte", sagt Petersen. Und die Zwischensaaten oder Saaten wie Raps und Wintergerste würden auch nicht gewässert. "So viel Wasser kann man nicht fahren. Außerdem ist der Boden zu trocken, zu hart - das Wasser würde sofort verdunsten", erklärt Petersen.
So bleibt allen nur die Hoffnung, dass der Wetterbericht recht behält und der angekündigte Regen wieder für satte Farben in der Natur und vor allem volle Bäche sorgt.