Der Brief aus Berlin ist verbindlich im Ton, aber unnachgiebig in der Sache. Nein, so schreibt Matthias Rothe im Namen der Deutschen Bahn, ein alternativer Streckenverlauf der Bahnstromleitung im Bereich des Augrabens komme nicht in Frage. Rothe schließt mit der Hoffnung auf Verständnis und "freundlichen Grüßen" an die Siedler im Augraben.
Gegenwärtig erneuert die Bahn ihre Bahnstromleitung zwischen den Unterwerken Nürnberg, Eggolsheim und Ebensfeld. Die Arbeiten zwischen den Unterwerken Nürnberg und Eggolsheim laufen seit vergangenen Herbst und werden demnächst auch den Leitungsabschnitt im Augraben in Angriff nehmen.
Diesen Umstand will die Siedlergemeinschaft nutzen, um sich einen lange gehegten Wunsch zu erfüllen: die Verlegung der Trasse an die östliche Seite der Bahnstrecke Nürnberg-Bamberg. Die Siedlergemeinschaft hat sich damit eine alte Forderung der Stadt Forchheim zu eigen gemacht. An dieser Übereinstimmung ändert auch nichts, dass Stadt und Siedlergemeinschaft im Grunde unterschiedliche Argumente nennen. "Wir haben einfach Angst vor den gesundheitlichen Folgen des Elektrosmogs", erläutert Tassilo Schlurick, Zweiter Vorsitzender der Siedlergemeinschaft. Zudem ist die Stromtrasse den Siedlern auch aus ästhetischen Gründen ein Dorn im Auge.

Bahn hat Baurecht

Forchheims Oberbürgermeister Franz Stumpf (WUO/CSU) begreift die Trasse dagegen vor allem als ein städtebauliches Hindernis. "Der Knick in Richtung Westen, den die Trasse macht, beschneidet unsere Möglichkeiten." Er habe dies der Bahn in den zurückliegenden Jahren auch mehrmals deutlich gemacht. Hat Stumpf dabei das Gefühl, als lasse sich die Bahn auf diese Argumente ein? "Nein", sagt der Forchheimer Oberbürgermeister.
Gemeinsam haben Stumpf und die Siedler, dass sie ihrerseits die Beweggründe der Bahn nicht gelten lassen wollen. In seinem Schreiben von Anfang Januar führt Bahn-Mitarbeiter Matthias Rothe vor allem pragmatische Gründe ins Feld. Würde die Bahn der Stromtrasse einen neuen Verlauf geben, müsste sie sich auf ein Raumordnungsverfahren einstellen: "Dieses Verfahren bis zur Erlangung des Planrechts werden einen Zeitraum von mehreren Jahren in Anspruch nehmen", heißt es in dem Schreiben. Stumpf kann darüber nur müde lächeln, schließlich müssten die Kommunen bei eigenen Bauprojekten "in ähnlichen Zeiträumen" denken.
An einer Tatsache kommen aber weder Stumpf noch die Siedlergemeinschaft vorbei. Die Bahn ist berechtigt, die bestehende Stromtrasse zu erneuern, ohne vorher ein öffentliches Verfahren angestrengt haben zu müssen. Dennoch, Stumpf will sämtliche Rechtsmittel auszuschöpfen, um doch noch eine Trassenverlegung zu erreichen. Welche das genau sind, konnte er gestern indes noch nicht beantworten: "Ich habe die rechtliche Situation noch nicht bis ins letzte Detail studiert."
Und auch die Siedlergemeinschaft will sich vom Schreiben der Bahn nicht entmutigen lassen: "Wir bleiben bei unserer Forderung nach Verlegung der Stromleitung", schrieb der Vorsitzende Theodor Dietz nach Berlin zurück. Freundlich im Ton, aber unnachgiebig in der Sache.