Selten hat man so viele Menschen radeln und spazieren sehen wie in der Hochzeit des Corona-Lockdowns. Klar, wenn man weder in Gaststätten noch zum Verein kann, dann liegt es auf der Hand, die freie Zeit auch im Freien zu verbringen. Vor allem, wenn die Sonne scheint.

Nicht selten wurde dann der Wunsch ausgesprochen, man könne sich ja einen Hund zulegen. Das Spazieren sei ja ohnehin so schön. Mit Hund würde man diese Angewohnheit beibehalten.

Verpflichtungen am Morgen

Sabine Hümmer aus Morschreuth kann die Begeisterung für die Vierbeiner verstehen. Seit 20 Jahren hat sie Dalmatiner. "Es sind wirklich gute Familienhunde", sagt Hümmer. Hunde bräuchten natürlich viel Aufmerksamkeit "aber auch immer so viel halt, wie er bekommt", weiß sie aus Erfahrung.

Wenn Hunde es gewohnt seien, fünf Mal am Tag rauszugehen oder mit dem Herrchen zu joggen, dann müsse man das auch regelmäßig tun. Ihre Hunde hingegen gingen morgens zum Beispiel in den Garten, um ihr Geschäft zu verrichten. "Da muss ich nicht immer mit, es reicht ihnen, wenn ich die Türe öffne", sagt Hümmer, "aber aufstehen und die Türe öffnen, das muss ich natürlich schon."

Dabei habe sie Glück, denn mit einem großen Garten sei es was anderes, wie wenn man eine kleine Stadtwohnung hat. "Als Corona los ging, hatten ich schon ein bisschen die Befürchtung, dass wir hier auf dem Land von Spaziergängern überrollt werden", sagt sie. So sei es aber nicht gekommen.

Umstellung durch Corona

Trotzdem sei es in der Coronazeit zu einer ganz schönen Umstellung für sie und ihre Hunde gekommen. Zuerst waren sie in Kurzarbeit, mittlerweile arbeite sie im Homeoffice. "Die Hunde waren das nicht gewohnt", erzählt Hümmer, "ich war den ganzen Tag da und sie meinten, sie müssten mich den ganzen Tag unterhalten. Da waren sie dann fix und fertig." Normalerweise schlafen ihre Tiere viel und würden sich hauptsächlich bewegen, wenn sie mit ihnen rausgeht. "Jeden Tag drei Mal eine Stunde, wenn ich das bei anderen bei Facebook sehe, dann wundere ich mich, wie die ihren Beruf in Vollzeit ausüben können, wenn sie so viel spazieren sind", sagt sie. Ihre Hunde müssten ihre Leben nach ihr richten, nicht andersrum.

Aber es sei auch ganz klar, mit der Anschaffung eines Hundes verändere sich viel. "Wer einen Hund als Verpflichtung sieht, der geht da falsch ran", sagt sie. "Wenn man es will, dann geht das. Man macht es ja gern und das ist wie bei einem Kind, es gehört dann einfach dazu, dass man füttert oder raus geht."

Für Hundeneulinge hat sie auch noch einen Tipp: Vielleicht sei es besser, sich zuerst ein Tier im Tierheim zu holen. Diese seien schon erzogen, man muss nicht erst in die Hundeschule mit ihnen. Außerdem hätten ältere Hunde auch keine so hohe Lebenserwartung mehr, sodass man sich auch nicht für so lange fest bindet.

"Eine Umstellung ist es auf jeden Fall, wenn man sich einen Hund zulegt", weiß Hümmer, "aber es ist auch schön. Einfach ein neues Familienmitglied."

Häufige Fragen

Gerade in Zeiten von Corona-Homeoffice und Kurzarbeit möchten sich viele Hundefreunde den lang ersehnten Traum vom treuen, vierbeinigen Begleiter erfüllen. Aktuell können sich laut Udo Kopernik, Mitglied im Verband des Deutschen Hundewesens, viele Züchter vor Anfragen kaum retten. Die Wartelisten für einen Hund werden zeitgleich mit der coronabedingten Zuhausezeit immer länger.

Was ist bei der Anschaffung des vierbeinigen Freundes zu beachten? Darf mich mein Hund in alle Bereiche des öffentlichen Lebens begleiten? Lea Schmitz, Pressesprecherin und Leitung der Pressestelle des deutschen Tierschutzbundes e.V., gibt Antworten auf wichtige Fragen:

Darf mein Hund mit an den Arbeitsplatz?

Um abzuklären, ob der Hund mit in das Büro darf, muss zuallererst die Erlaubnis des Arbeitgebers eingeholt werden. Doch selbst wenn die Erlaubnis des Arbeitgebers erteilt wurde, sollte man mit den Kollegen absprechen, ob diese mit einem Hund am Arbeitsplatz einverstanden sind oder ob eventuelle Allergien und Ängste dem Vorhaben im Weg stehen könnten. Außerdem ist auch nicht jedes Arbeitsumfeld für jeden Hund geeignet, dies muss also individuell betrachtet werden.

Darf mein Hund in öffentlichen Gewässern schwimmen?

Ja, es sei denn, entsprechende Schilder verbieten es für vereinzelte Gewässer.

Wo gilt Leinenpflicht für meinen Hund?

Die Regelungen zur Leinenpflicht sind je nach Größe des Hundes und Bundesland unterschiedlich. Generell gilt eine Leinenpflicht an gut besuchten Orten und in öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus und Bahn.

Darf mein Hund bei einem Restaurantbesuch dabei sein?

Auch diese Frage ist pauschal nicht zu beantworten. Vielmehr hängt es ganz individuell von den Reglungen jedes Gastronomiebetriebs ab, ob Hunde dort erwünscht sind oder nicht. Es empfiehlt sich also, das Restaurant im Vorhinein zu kontaktieren, um dies in Erfahrung zu bringen.

Braucht mein Hund ein Erkennungszeichen wie ein Halsband oder Ähnliches?

Grundsätzlich nicht. Jedoch liegt es an der Stadt, feste Vorschriften über das Anbringen der Steuermarke des Hundes an dessen Geschirr oder Halsband zu machen oder es dem Hundehalter selbst zu überlassen, ob er dies für sinnvoll hält.

Was kostet ein Hund in der Anschaffung und Haltung?

Möchte man die Gesamtkosten der Anschaffung und Haltung eines Hundes berechnen, ergeben sich je nach Hunderasse und Größe verschiedene Kosten. Zu den einmaligen Anschaffungskosten kommen die Kosten für eine Hunde-Ausstattung (zum Beispiel Napf, Leine und Körbchen), jährliche Kosten (unter anderem Hundesteuer, Haftpflicht und Futter) und diverse Sonderkosten (unter anderem Tierarztbesuche bei Krankheiten und Hundeschule). Geht man von einer Lebenserwartung des Hundes von ca. 14 Jahren aus, ergeben sich für einen Hund je nach Größe mindestens 12 000 bis 17 000 Euro an Anschaffungs- und Haltungskosten.

Kann mein Hund nur in einer Hundeschule richtig erzogen werden?

Der Besuch einer Hundeschule ist in jedem Fall empfehlenswert, vor allem dann, wenn man nur wenig Vorwissen in Sachen Hundeerziehung vorzuweisen hat. Auch wenn man bereits sachkundig ist, kann professionelle Hilfe hilfreich sein.

Wie oft sollte ich mit meinem Hund zum Tierarzt?

Ist der Hund nicht akut verletzt oder erkrankt, empfiehlt es sich, einmal im Jahr zum routinemäßigen Durchchecken und dem Vornehmen notwendiger Impfungen den Tierarzt aufzusuchen.

Braucht mein Hund eine Versicherung?

Die Vorschriften zum Abschluss einer Haftpflichtversicherung für Hunde sind von Bundesland zu Bundesland verschieden. Grundsätzlich rät Lea Schmitz jedoch zum Abschluss dieser Versicherung für den Hund. Denn sollte der Hund einen Unfall verursachen oder jemanden beißen, zahlt die private Haftpflichtversicherung des Hundehalters nicht. Zudem existieren Kranken- oder OP-Versicherungen, die sinnvoll sein können. Möchte man eine solche Versicherung abschließen, empfiehlt es sich, verschiedene Angebote einzuholen und sich in diesem Zusammenhang auch über eventuell rassetypische Erkrankungen des Hundes zu informieren.lewi