Schon um 1900 ist das Bootfahren auf der Wiesent bei der Stempfermühle auf alten Postkarten abgebildet; es hat also eine Tradition. Männer und Frauen in Sonntagskluft paddeln stromaufwärts, andere sitzen in hölzernen Liegestühlen am Flussufer und schauen dem Treiben zu. Ab Mitte der 20er Jahre entwickelte sich das Bootfahren in der Fränkischen Schweiz zu einem sportlichen Ereignis.

Die Wiesent als Paddelgewässer wird laut Chronist Heinz Kohring erstmals im Kanu-Sport-Heft des Deutschen Kanu-Verbandes am 22. Juni 1925 erwähnt. Unter Vereinsnachrichten aus dem Bayernkreis berichtet der Kanu-Verein Nürnberg: "Sonntag, den 14. Juni 1925, unternahmen einige Mitglieder eine Erstbefahrung der Wiesent in der Fränkischen Schweiz. Alle Teilnehmer waren begeistert von der nicht ganz ungefährlichen Wildwasserfahrt."

In den ersten Jahrzehnten wurden viele Fahrten auf der Wiesent mit dem Faltboot durchgeführt. Man erreichte den Fluss mit der Bahn von Forchheim aus. Von Muggendorf aus mussten die Bootswagen über den Berg nach Doos geschoben werden. Nach Fertigstellung der Bahnlinie bis Behringersmühle (1930) konnte man von dort den Bootswagen die sechs Kilometer im Tal bis Doos schieben.

Anfang der 50er Jahre kamen Wildwasserabfahrtsrennen hinzu mit Start in Doos und Ziel in Muggendorf. Etwa zehn Jahre später schlief der Wettkampfbetrieb auf der Wiesent ein. Das lag vor allem daran, dass die Strecken den gewachsenen sportlichen Anforderungen nicht mehr genügten.

Das Kunststoffboot hatte Einzug gehalten und damit auch eine neue Paddeltechnik, die das Befahren von schweren Wildwassern in den Alpen ermöglichte.

Heutzutage ist das Bootfahren auf der Wiesent trotz aller Einschränkungen noch eine sehr gern und oft genutzte Art, das Wiesenttal von einer anderen Perspektive aus kennenzulernen und Natur zu erleben. Vor allem Jugendliche sind hier unterwegs - was sehr gute Chancen eröffnet, die Jugend spielerisch an sensible Naturbereiche heranzuführen und sie dafür zu begeistern.

Geologische Besonderheit

Es ist auch hier einer geologischen Besonderheit zu verdanken (wie bei den Höhlen und beim Klettern), dass die Wiesent, der Hauptfluss der Fränkischen Schweiz, in Behringersmühle einen 180-Grad-Bogen nach rechts macht, um vom Rabenecker- durch das Wiesenttal nach Forchheim zu fließen.

Irgendwann in grauer Vorzeit hat sich das Wiesenttal gesenkt und damit dem Fluss eine neue Richtung gegeben. Daraus entstand die Idee findiger Leute, mit dem Boot von Doos nach Muggendorf (14 Kilometer) zu fahren, was mindestens einen guten halben Tag dauert. Einer trampt oder läuft dann über den Berg (nur drei Kilometer) zurück nach Doos, holt dort das Auto, um Mitfahrer und Boot wieder einzuladen.

In alten Beschreibungen ist auch der Hinweis zu finden, dass Paddler oftmals "wild" am Flussufer zelteten. Offizielle Campingplätze wurden ab 1954 in der Fränkischen Schweiz eingerichtet, als diese Unsitte des Wildzeltens offensichtlich überhandnahm.

Bis zum Zweiten Weltkrieg

Die Stempfermühle war bis zum Zweiten Weltkrieg eines der am meisten besuchten Gasthäuser. Das lag an der romantischen Lage im Wiesenttal, in Insellage, umgeben von der Schüttung von gleich drei starken Quellen. Und es hängt mit den Studenten aus Erlangen zusammen, die hier seit 1890 eine Exkneipe hatten. Ihnen schreibt man die erstmalige Benutzung eines Bootes in der Freizeit zu.

Ein Paddelboot ist auf fast allen Postkarten der Stempfermühle zu sehen, vermutlich, um die in der Mündung der drei Quellen liegenden Fischkästen zu betreuen. Möglicherweise kam ein übermütiger Student beim Betrachten des Bootes auf die spaßige Idee, eine Runde auf der Wiesent zu paddeln. Prompt kam es ab 1900 zu Werbepostkarten mit Bootfahrern darauf.

Der Freizeitsport entwickelte sich bald zu einem gesellschaftlichen Ereignis, wie spätere Postkartenmotive zeigen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gasthaus zerstört und nach dem Krieg neu aufgebaut. Der Bootsverleih, der nach dem Krieg einzige für viele Jahre in der Region, ist auf die andere Uferseite verlegt worden, dorthin, wo er noch heute betrieben wird.