Ein hochherziges Geschenk hat Agatha Bär dem Heimatmuseum Ebermannstadt gemacht: Sie hat das handschriftliche Geheft, in dem der Bildschnitzer Friedrich Theiler (1748-1826) seine Rezepturen für die Herstellung der Farben Kupfer, Rot, Gold-Gelb, Schwarz und von wasserbeständigem Leim festgehalten hat, dem Museum übergeben.

Das Wissen um diese Technik war im 18. Jahrhundert eine unverzichtbare Voraussetzung für die Bemalung seiner Heiligenfiguren.

Agatha Bär ist nicht in direkter Linie mit Friedrich Theiler verwandt, sondern über seine Schwester Maria Margareta. Über fünf Generationen hinweg wurde das Rezepte-Heft in der Familie Theiler weitergegeben und wie ein Schatz bewahrt.

Eigentlich hätte ich Handschuhe anziehen müssen, als mir das fast 250 Jahre alte Dokument übergeben wird. Die genaue Entstehungszeit kennen wir nicht. Sie festzustellen, wird Aufgabe von Experten sein.

Die Fränkische als Heimat

Theiler lebte in einer turbulenten Zeit. In sein kleines Städtchen fielen wiederholt preußische und französischen Truppen ein, nahmen hier Quartier, erpressten Lebensmittel und raubten die Einheimischen aus. Wir wissen nicht, wie es dabei Theiler und seiner kleinen Bildhauerwerkstatt erging, wohl aber, dass er das Städtchen leicht verlassen hätte können. Trotz verlockender auswärtiger Angebote, eines sogar aus dem zaristischen Petersburg, blieb er hier in der Fränkischen Schweiz, die zu dieser Zeit erst durch die Beschreibung der beiden Erlanger Studenten - Ludwig Tieck und Wilhelm Heinrich Wackenroder 1793 - als romantische Landschaft entdeckt wurde.

Man wüsste gerne, was Theiler dachte, als seine Heimatstadt, die damals nicht viel mehr als 100 Häuser zählte, nach Bayern einverleibt wurde. Vermutlich bleibt Theilers Leben und Denken im Dunklen. Nicht aber sein künstlerisches Schaffen.

Rings um Ebermannstadt und Forchheim findet man überall in den Kirchen seine grazilen Heiligenfiguren. Sie sind dem Stil nach - so das Handbuch der Bayerischen Geschichte, Band 3/1 - der Epoche des "sterbenden Rokoko" zuzuordnen. Die Strahlenmadonna im linken Seitenaltar der Marienkapelle von Ebermannstadt ist sein bekanntestes Werk. Aber z.B. auch die Kirchen in Pretzfeld oder in Kirchehrenbach sind reich mit seinen Werken ausgestattet. Das Heimatmuseum in Ebermannstadt widmet Theilers künstlerischem Schaffen einen ganzen Raum, die Staatsbibliothek in Bamberg verwahrt seine schriftlichen Zeugnisse und seine Zeichnungen.

Deswegen hat der ehrenamtliche Museumsbeirat mit der Leiterin der Staatsbibliothek Kontakt aufgenommen. Nach einem ersten Telefonat zeigt Bettina Wagner großes Interesse an der Handschrift. Sie würde bei einer Überlassung das Geheft restaurieren lassen, ein sogenanntes "Digisat" anfertigen, das allen Interessenten über Internet zugänglich ist, und für Bär und das Heimatmuseum - wie beide es wünschen - Faksimiles erstellen. Zusätzlich wäre möglich, das Manuskript an der Universität Bamberg im Rahmen einer wissenschaftlichen Analyse auswerten zu lassen. Damit wären voll die Wünsche erfüllt, die Bär und der Beirat des Heimatmuseums haben. Vor allem aber wäre garantiert, dass die Schrift fachgerecht restauriert und auf Dauer sicher aufbewahrt wird. Friedrich Theiler hat es verdient, das Wissen um seine Kunst zu bewahren und mit dieser Schrift noch zu vertiefen.