Durch Corona-Krise hat sich auch der Arbeitsmarkt verändert. Matthias Klar von der Agentur für Arbeit spricht über die Konsequenzen.

Herr Klar, wie viele Menschen sind aktuell in Kurzarbeit im Landkreis Forchheim?

Matthias Klar: Das kann man so einfach nicht sagen, denn das Kurzarbeitergeld wird immer erst im Nachgang errechnet. Wir haben aber konkrete Zahlen, wie viele Arbeitgeber Kurzarbeit angezeigt haben. Wenn ein Unternehmen Kurzarbeit anmeldet, dann gilt das für ein Jahr. Der Monat mit den meisten Meldungen war der April. Das waren 830 Unternehmen im Landkreis Forchheim, die Kurzarbeit angezeigt haben. Im März waren es nur 175, im Mai dann 77 und im Juni 33 Unternehmen. Das heißt aber nicht, dass im Juni nur 33 Unternehmen in Kurzarbeit waren, sondern nur 33 Unternehmen neu die Kurzarbeit angezeigt haben. Der Peak im April war natürlich auch durch den Einzelhandel, der ja teilweise komplett schließen musste. Außerdem waren viele Unternehmen dabei, die nur ein oder zwei Mitarbeiter haben.

Wie viele Arbeitnehmer hat es dann im Landkreis getroffen?

Auch hier geht es wieder um die angezeigte Kurzarbeit. Im April wurde für 6795 Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt, im Mai waren es 1272 Arbeitnehmer und im Juni 135.

Welche Konsequenzen hat die Kurzarbeit für den Arbeitsmarkt?

Natürlich hat Kurzarbeit viele negative Begleiterscheinungen, wie man hat weniger Gehalt und arbeitet weniger. Es ist mir aber auch wichtig zu sagen, dass ein hoher Stand an Kurzarbeit auch viel Optimismus spiegelt. Denn, wenn Betriebe nicht positiv in die Zukunft schauen würden, dann würden sie nicht Kurzarbeit in Anspruch nehmen, sondern die Mitarbeiter freisetzen.

Wie steht es um befristete Arbeitsverträge und wie ist die Lage bei Arbeitslosen?

Wir haben schon gemerkt, dass Befristungen zu Beginn der Krise, also im Frühjahr, verstärkt ausgelaufen sind. Jetzt sehen wir aber, dass viele verlängert werden. Aber leider müssen wir auch feststellen, dass einige Auszubildende nicht übernommen wurden. Im Landkreis Forchheim haben wir aber ein gutes Verhältnis von Arbeitslosen zu freien Arbeitsstellen. Auf alle Arbeitsstellen gerechnet sind das 2,82 Arbeitslose auf eine Stelle. Die Chancen einen Arbeitsplatz zu finden ist daher gut.

Und wie ist der Stand bei den noch unbesetzten Ausbildungsstellen?

Grundsätzlich sehen wir einen Trend zum Verbleib im Schulsystem. Aber das nicht erst in diesem Jahr. Momentan gibt es noch über 180 unbesetzte Ausbildungsplätze, aber nur noch knapp 50 Bewerber. Die Chance ist daher hoch, jetzt noch einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Einige Ausbildungsstellen sind zum Beispiel als Verkäufer oder Verkäuferin noch offen, genauso wie Kaufmann oder Kauffrau im Einzelhandel. Wer jetzt noch keinen Ausbildungsplatz hat, der kann ein Praktikum beginnen, das ist wieder möglich. Da habe ich den Tipp, dass die Jugendlichen lieber selbst beim gewünschten Ausbildungsbetrieb anrufen und das nicht die Eltern machen lassen. Weitere Infos können natürlich auch über die Arbeitsagentur eingeholt werden. Telefonisch sind die Kollegen unter 09561/93100 oder per E-Mail Forchheim.Berufsberatung@arbeitsagentur.de zu erreichen. Bis Dezember ist ein Start im eben begonnen Ausbildungsjahr problemlos möglich.

Das Interview führte Jennifer Opel.